Konfrontationskurs auch im neuen Jahr Bei Amazon formiert sich Protest gegen Verdi

Auch Gregor Gysi war dabei: Hier unterhält sich der Linken-Politiker kurz vor Weihnachten mit Gewerkschaftern und Beschäftigten des Online-Versandhändlers Amazon vor dem Logistik-Zentrum in Leipzig. Im neuen Jahr bleiben die Fronten verhärtet, das Unternehmen signalisiert keine Gesprächsbereitschaft. Foto: dpaAuch Gregor Gysi war dabei: Hier unterhält sich der Linken-Politiker kurz vor Weihnachten mit Gewerkschaftern und Beschäftigten des Online-Versandhändlers Amazon vor dem Logistik-Zentrum in Leipzig. Im neuen Jahr bleiben die Fronten verhärtet, das Unternehmen signalisiert keine Gesprächsbereitschaft. Foto: dpa

Osnabrück. Im Streit um die Tarifsituation bei Amazon bleiben die Fronten verhärtet. Inzwischen erfährt die Gewerkschaft auch Gegenwind aus der Belegschaft des Versandhändlers. Mit einer Unterschriftenaktion distanzieren sich Beschäftigte von deren Forderungen. Verdi will die Streiks derweil auf weitere Standorte ausweiten.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Amazon-Sprecher Stefan Rupp, das Unternehmen plane auch für das neue Jahr nicht, die Einstufung der Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren zu verändern. Die Beschäftigten erhielten einen guten Lohn. „Verdi hat unserer Sichtweise nichts entgegen gesetzt als zu sagen, dass im Einzelhandel mehr bezahlt würde“, sagte Rupp. Das stimme zwar, aber Amazon sei der Logistikbranche und nicht dem Einzelhandel zuzurechnen. Gespräche mit der Gewerkschaft seien nach wie vor nicht vorgesehen.

Mit Streiks im wichtigen Weihnachtsgeschäft hatte Verdi den Versandhändler zu zwingen versucht, Verhandlungen über eine Entlohnung nach dem höheren Einzelhandelstarif vorzunehmen. Eine eigene Aktionsseite gibt es auch im Internet. Am Wochenende kündigten hessische Verdi-Vertreter an, auf bundesweite Streiks hinwirken zu wollen.

Inzwischen erfährt die Gewerkschaft allerdings auch Gegenwind aus dem Kreis der Amazon-Beschäftigten. Mit einer Unterschriftenaktion haben 1018 Mitarbeiter der Standorte Leipzig und Bad Hersfeld Ende Dezember darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich „distanzieren von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen der Verdi, die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über uns verbreitet werden“. Die Mitarbeiter betonen, dass das von der Gewerkschaft erweckte „negative öffentliche Bild“ sie „bis ins Privatleben“ verfolge. Verdis Darstellungen entsprächen „nicht der Realität und nicht unserem täglichen Arbeitsleben“, heißt es in dem Aufruf. An den beiden Standorten unterschrieben ihn mehr Mitarbeiter als sich zuletzt an den Vorweihnachtsstreiks beteiligt hatten. Am letzten Streiktag sollen dies nach Verdi-Angaben rund 650 gewesen sein.

Verdi kündigte an, für die nächsten Wochen Treffen anzuberaumen, um auszuwerten, welche Schlüsse aus dem bisherigen Arbeitskampf zu ziehen seien. Mit Blick auf die Unterschriftenaktion der Amazon-Mitarbeiter sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk unserer Zeitung, es komme vor, dass nicht immer alle Beschäftigten einverstanden seien mit Verdis Vorgehen. Er nannte es bedenklich, dass einige Mitarbeiter offenbar gar nicht mehr auf die Idee kämen, dass eine dauerhafte Beschäftigung oberhalb eines doch eher geringen Verdienstes zu erreichen sei. Er nehme die Sorgen der Unterzeichner zur Kenntnis. Geschäftsmodelle, die ihren Erfolg daraus ableiteten, Mitarbeiter wie auch bei der unlängst in die Insolvenz gegangenen Drogeriekette Schlecker schlecht zu bezahlen, hätten allerdings keine Rechtfertigung.


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