Hochburg des Traditionsgebäcks Lebkuchen aus Borgholzhausen seit 1746

Auch Handarbeit ist noch gefragt bei den Kunden des Lebkuchenherstellers Schulze in Borgholzhausen. Foto: SchulzeAuch Handarbeit ist noch gefragt bei den Kunden des Lebkuchenherstellers Schulze in Borgholzhausen. Foto: Schulze

Borgholzhausen. Lebkuchen – bei diesem Stichwort denken viele sofort an Nürnberg. Unter den Bundesländern ist jedoch Nordrhein-Westfalen Deutschlands Lebkuchen-Hochburg. Unter anderem auch wegen der Produktion in Borgholzhausen.

Im vergangenen Jahr, so meldete jetzt die Deutsche Presse-Agentur, wurden in NRW insgesamt 38500 Tonnen Lebkuchen, Printen und ähnliche Dauerbackwaren im Gesamtwert von 128 Millionen Euro hergestellt. Das war fast die Hälfte der gesamten deutschen Lebkuchenproduktion von 80200 Tonnen.

Ein kleiner Teil dieser Produktion stammt aus Borgholzhausen im Ravensberger Land. Der Duft von Koriander, Ingwer, Nelken und Muskat weist den Besucher der Kleinstadt darauf hin, dass hier Lebkuchen und andere Gebäckspezialitäten produziert werden. Da das Sortiment inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, hat Borgholzhausen den Beinamen Lebkuchenstadt.

Den Grundstein dafür legt 1830 Johann Heinrich Schulze, indem er die Firma Heinrich Schulze gründet. Der Vertrieb findet zunächst auf regionalen Jahrmärkten mit der traditionellen Kiepe statt. Die Lebkuchenbäckerei mit immer neuen Rezepten wird im Laufe der Jahre zur Spezialität des Firmengründers. 1870 fängt Carl Knaust als Geselle im Schulze’schen Betrieb an. Nach fünfjährigem Aufenthalt in Amerika heiratet Knaust Alma Schulze, die Erbin des Schulze’schen Betriebs, und baut in den folgenden Jahren den Backstubenbetrieb zur Fabrik aus. Damit ist der Grundstein für die erste westfälische Leb- und Honigkuchenbäckerei gelegt.

1903 tritt Heinrich Knaust ins Unternehmen seiner Eltern ein. Nach der Lehrzeit stellt er den Betrieb von der bis dahin noch größtenteils handwerklichen Produktion auf maschinelle Fertigung um. Die Brüder Carl und Heinrich Knaust bauen den Betrieb zu einer Großbäckerei aus, wobei sie von ihren Söhnen Jochen und Peter unterstützt werden.

Das Unternehmen firmiert heute unter dem Namen Heinrich Schulze Ladencafé und stellt seine Produkte seit 1996 unter dem Markennamen von Ravensberg her. Laut Geschäftsführer und Gesellschafter Peter Knaust, der das Unternehmen in fünfter Generation führt, trägt der klassische Lebkuchenbereich aktuell etwa 80 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Täglich werden etwa 40000 Lebkuchenherzen (je 100 Gramm) produziert. Etwa 70 Prozent des Umsatzes werden in den letzten vier bis fünf Monaten des Jahres getätigt. Knaust zufolge wird Lebkuchen das ganze Jahr über produziert, ist also kein typisches Weihnachtsprodukt. Zu den wichtigen Kunden gehören auch Schausteller.

Ein wesentliches Standbein für das Unternehmen ist das eigene Café in Borgholzhausen – in dem nostalgischen Geschäft werden Gebäck- und Lebkuchenspezialitäten nach traditionellen Rezepten angeboten. Auch Bio-Produkte haben inzwischen einen festen Platz im Sortiment, sie werden auch über den Naturkost-Fachhandel vertrieben. Absatzmäßig dominiert bei dem Unternehmen mit seinen etwa 40 Mitarbeitern der deutsche Markt. Der Exportanteil liegt noch unter zehn Prozent. Bürgermeister Klemens Keller hebt vor allem die Außenwirkung des Unternehmens hervor. Borgholzhausen eile als „Lebkuchenstadt“ ein guter Ruf voraus. Laut dem Stadtoberhaupt ist schon seit 1746 die Lebkuchenbäckerei in Borgholzhausen als Traditionsgewerbe ansässig. Der Lebkuchen ist laut Keller neben der Burg Ravensberg das Markenzeichen von Borgholzhausen.


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Die Kleinstadt Borgholzhausen im westfälischen Keise Halle hat eine lange Lebkuchenbäcker-Tradition. Das ortsansässige Unternehmen Heinrich Schulze Ladencafé hält sie immer noch hoch.

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