Schwaches Kupfer-Geschäft Osnabrück: Bis zu 350 Entlassungen bei KME möglich

Der Kupferverarbeiter KME plant am Standort Osnabrück bis zu 350 Entlassungen. Die Gewerkschaft IG Metall verurteilt dieses Vorhaben. Foto: Norbert MeyerDer Kupferverarbeiter KME plant am Standort Osnabrück bis zu 350 Entlassungen. Die Gewerkschaft IG Metall verurteilt dieses Vorhaben. Foto: Norbert Meyer

Osnabrück. Bis zu 350 Arbeitsplätze stehen beim Kupferverarbeiter KME auf der Kippe. Das Unternehmen will bis Mitte 2014 Sparpotenziale analysieren und anschließend handeln. Als Grund wird die anhaltend schlechte Marktlage mit europaweiten Überkapazitäten angeführt.

Über die Pläne sind die rund 2200 KME-Mitarbeiter am Standort Osnabrück auf einer Betriebsversammlungam Donnerstagmittag informiert worden. Egon Mackowiak, Vorsitzender der Geschäftsführung, betont, dass noch nichts beschlossen ist. Jetzt werde eine Analyse gestartet, „an deren Ende es zu einem Stellenabbau kommen kann“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Maßnahmenpaket könne den Abbau von bis zu 350 Stellen beinhalten. „Wir reden nicht über eine feststehende Zahl an Entlassungen. Das können mehr sein, aber auch weniger.“

Noch bis Ende Mai 2014 gilt ein Vertrag zur Standortsicherung. „Der Vertrag war richtig zu dem Zeitpunkt, als er geschlossen worden ist“, sagt Arbeitsdirektor Hans-Joachim Scheja. Wegen der anhaltend schlechten Marktlage für Kupferprodukte gebe es jedoch einen „Anpassungsstau“. „Wir müssen jetzt aufarbeiten, was wir in den vergangenen zwei bis drei Jahren nicht haben anpassen können.“ Vorher werde es nicht zu Entlassungen kommen: „Der Vertrag wird eingehalten.“

Das Geschäft hat seit Beginn der Wirtschaftskrise 2009 nicht wieder angezogen. Bei KME ist der Absatz um 20 Prozent zurückgegangen. 2014/15 werde der Trend nicht wesentlich nach oben zeigen, ist Geschäftsführer Mackowiak überzeugt. Das Kupfergeschäft des KME-Mutterkonzerns, des italienischen Finanzinvestors Intek, ist seit Jahren defizitär. Im ersten Halbjahr 2013 lag der Verlust bei rund acht Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,24 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Einnahmen um 9,2 Prozent geschrumpft.

Die Gewerkschaft IG Metall verurteilt die möglichen Entlassungen: „Wir werden es nicht hinnehmen, dass die durch Managementfehler verursachten Probleme die Existenz der Beschäftigten und ihrer Familien gefährdet“, sagt Hartmut Meine, IG-Metall-Bezirksleiter in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und Mitglied im KME-Aufsichtsrat. Jahrelang sei bereits auf übertarifliche Sonderzahlungen verzichtet worden. Meine: „Hält das Unternehmen an der angekündigten Entlassung von bis zu 350 Beschäftigten fest, gibt es richtig Zoff.“

Betriebsratschef André Lücke: „Wir können uns nicht gegen das Ganze wehren, aber wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen.“ Als Voraussetzung für Gespräche fordert er ein klares Bekenntnis zum Standort und eine Investitionszusage.„Wir müssen klar vereinbaren, wofür schmerzhafte Maßnahmen gut sein werden.“

Die Gewerkschaft wirft KME vor, das Geschäft nicht auf neue Märkte wie Elektromobilität und Windenergie ausgerichtet zu haben. Mackowiak widerspricht: „Wir betreiben innovative Produktentwicklung in den Märkten, in denen wir stark sind.“ Der Kupferverarbeiter sehe kein Potenzial in Märkten, die von anderen Herstellern besetzt sind.

Aktuell erhalten die KME-Mitarbeiterin Osnabrück nach Tarifvereinbarungen 7,5 Prozent weniger Lohn bei entsprechend geringerer Arbeitszeit. Auch die Führungskräfte und das Management hätten nach eigenen Angaben auf Teile des Gehalts verzichtet.


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