Cabriolet-Geschäft lässt nach Valmet streicht 80 Stellen in Osnabrück

Interesse für die Arbeit beim Cabrio-Verdeck-Spezialisten Valmet zeigte im April 2012 auch der damalige Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius (l.). Durchs Werk führten ihn damals (v.r.) Geschäftsführer Michael Hannemann, Produktionschef Hermann Buschermöhle und Geschäftsführer Holger Schramm. Foto: Uwe LewandowskiInteresse für die Arbeit beim Cabrio-Verdeck-Spezialisten Valmet zeigte im April 2012 auch der damalige Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius (l.). Durchs Werk führten ihn damals (v.r.) Geschäftsführer Michael Hannemann, Produktionschef Hermann Buschermöhle und Geschäftsführer Holger Schramm. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. In Osnabrück werden etwa 80 Mitarbeiter des Cabrioletverdeck-Entwicklers und -Produzenten Valmet Automotive GmbH das Unternehmen verlassen müssen. Auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung informierte die Geschäftsführung am Mittwoch die rund 400 überraschten Mitarbeiter über den Schritt. Betriebsrat und IG Metall kritisierten die Pläne des Automobilzulieferers. Nach Informationen der Redaktion sind dem Unternehmen zwei wichtige Aufträge eines namhaften deutschen Automobilproduzenten nicht zugeschlagen worden.

Personalleiter Gregor Remme bestätigte auf Nachfrage die Pläne des finnischen Konzerns. Die Maßnahme werde hauptsächlich Mitarbeiter etwa aus den Bereichen Entwicklung, Einkauf und Vertrieb betreffen, weniger aus der Produktion. Remme begründete den Schritt mit der weltweit nachlassenden Nachfrage nach Cabriolets. Sinkende Stückzahlen bedeuteten auch eine nicht ausreichende Auslastung der Abteilungen Entwicklungen und Produktion.

Die Ende 2010 von den Finnen übernommene Verdeckfertigung des insolventen Autobauers Karmann – etwas 80 Prozent der Belegschaft sind „alte Karmänner“ – fertigt in Osnabrück aktuell Verdecksysteme für Mercedes-Modelle, Bentley-Fahrzeuge und das Renault Megane Cabriolet. Im polnischen Standort Zary produzieren Valmet-Kollegen in dem ebenfalls von Karmann übernommenen Werk Verdecke für die Cabriolet-Varianten des BMW Mini und des BMW 6er-Modells. In beiden Standorten steht die Serienfertigung für Verdecke namhafter Auftraggeber bevor, erklärte Remme. In einer Presseerklärung des Unternehmens heißt es weiter: „Valmet Automotive GmbH kämpft zurzeit sehr intensiv um weitere Entwicklungs- und Produktionsaufträge für Cabriodächer, die eine Auslastung der Firma sicherstellen.

Die jetzige Situation zeigt dem Unternehmen aber, dass in Zukunft größere Anstrengungen erforderlich sind, um am Markt zu bestehen.

Das Management hat entschieden, im Hause Abläufe, Prozesse und Strukturen weiterhin zu verändern. Durch die Veränderungen ist ein Personalabbau in der Größenordnung von bis zu 20% nicht vermeidbar. Um den Kunden und Mitarbeitern gerecht zu werden, wird die Unternehmensführung die Konzepte mit den Arbeitnehmervertretern beraten und konstruktive Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan einleiten.

Diese Entscheidung wurde mit großer Verantwortung für das gesamte Unternehmen getroffen. Die Unternehmensführung bedauert aufrichtig die Reduzierung der Arbeitsplätze, sieht aber für eine erfolgreiche Zukunft keine andere Möglichkeit, um die verbleibenden Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern.“

Der Personalleiter betonte auf Nachfrage, er gehe davon aus, dass die Kündigungen nicht mehr in diesem Jahr rausgeschickt werden. Das Management sei sich sicher, dass dass man mit dem Aderlass den Trunaround schaffe und in Osnabrück weiterhin Cabriodächer entwickeln und bauen werde.

Remme bestätigte Informationen, wonach Valmet einen Mietvertrag für Büroräume im Osnabrücker Stadtteil Fledder gekündigt habe. Der Zeitpunkt des Auszugs stehe noch nicht fest.

Von den Maßnahmen nicht betroffen sei die Valmet Automotive Engineering GmbH. In diesem Unternehmen entwickeln Automotive-Spezialisten Komponenten für Auftraggeber wie ganze Karosserien oder auch Klappen und Türen.

Betriebsratschef Lazar Kustudic berichtete von sehr enttäuschten Kollegen. Auf der sehr gut besuchten Betriebsversammlung habe man eine Stecknadel fallen hören können. Bei vielen sei die Erinnerung an die unsicheren Zeiten der Karmann-Insolvenz wach geworden. Er erinnerte daran, dass die Kollegen bei der Übernahme durch Valmet auf rund 15 Prozent ihres Verdienstes verzichtet hätten. Sie hätten nun einiges an Vertrauen in die Geschäftsführung verloren. Denn die Belegschaft habe ihren Obolus für eine solide Zukunft des Unternehmens beigetragen „und jetzt fehlen die Gegenleistungen“. Er halte die Vorgehensweise der Geschäftsführung für fahrlässig. Der Betriebsrat war über die Pläne des Unternehmens am Dienstag informiert worden. Dass die betroffenen Mitarbeiter erst in der Versammlung davon erfahren hätten, dass gemietete Büros im Fledder schon gekündigt seien und nicht klar sei, wo ihr Schreibtisch in Zukunft stehe, trage nicht gerade zur Vertrauensbildung bei.

Die Verhandlungen über das Vorhaben des Unternehmens begännen am Freitag. Dabei gehe es neben anderem auch darum, folgende Punkte zu klären: Was kommt an Einschnitten und wie bleiben wir gegenüber den Auftraggebern verlässlich? Außerdem müsse die Zukunft für Entwicklung und Produktion am Standort Osnabrück erörtert werden.

Die IG Metall in Osnabrück kritisierte die Valmet-Pläne. Der Verdeckbauer begründe die Entscheidung vordergründig mit dem schwächelnden Cabrio-Markt und entsprechend fehlender Absatzzahlen, heißt es in einer Pressemitteilung. „Wir sind verärgert und enttäuscht über die Entscheidung der Valmet-Spitze. Bisher haben IG

Metall, Betriebsrat und Geschäftsleitung gemeinsam betriebliche und tarifliche Regelungen im Sinne der Beschäftigten und des Unternehmens geregelt. Dieser Weg scheint nunmehr aufgekündigt zu sein,“ erklärte Stephan Soldanski, der Osnabrücker IG-Metall-Vize. „Das Management hat es nicht nur verpasst, auf die Marktveränderungen rechtzeitig zu reagieren; auch interne Prozesse wurden nicht entsprechend angepasst. - Ein weiter so analog

Karmann konnte nicht aufgehen“ kritisierte der Gewerkschafter weiter. Zielsetzung müsse jetzt der langfristige

Erhalt der Kompetenz und der Fertigung in der Automobilstadt Osnabrück sein.


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