Commerzbank-Interview „Wir vermitteln auch Konkurrenz-Produkte“

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Die Commerzbank wird derzeit umgebaut. Foto: dpaDie Commerzbank wird derzeit umgebaut. Foto: dpa

Osnabrück. Die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößte Privatbank, steckt nach der tiefsten Krise ihrer Geschichte mitten im Umbau. Welche Pläne hat das Institut, und was bedeutet das für die Kunden und Mitarbeiter der Region? Dazu Werner Braun, der für den Bereich Privat- und Geschäftskunden der Commerzbank in Nord- und Ostdeutschland zuständig ist.

Herr Braun, Ihre Bank bewirbt ihr neues Geschäftsmodell mit einer Joggerin. Inwiefern drückt diese Reklame auch aus, dass Ihr altes Geschäftsmodell gescheitert ist?

Die Commerzbank hat sich in den letzten drei Jahren zweifellos völlig verändert. Die Finanzkrise, das veränderte Kundenverhalten und die niedrigen Zinsen haben das notwendig gemacht. Zudem wird die Digitalisierung immer wichtiger. Der Kunde handelt heute selbstständiger. Er ist besser informiert, vor allem durch das Internet. Er nutzt die digitalen Möglichkeiten über seinen PC oder sein Smartphone genauso wie die Filiale. Das alles hat unser Haus bewogen, fundamental umzudenken. Der Druck, sich zu bewegen, betrifft aber nicht nur uns, sondern die gesamte Branche.

Sie sagen also: Die Commerzbank von heute hat nicht mehr viel mit der von vor der Krise zu tun.

So ist es. Wir haben unsere Beratung verändert, neue Produkte eingeführt und investieren in unseren Online-Auftritt und in das Filialnetz. Die Lage der Commerzbank beim Ausbruch der Finanzkrise 2008 war zudem sehr speziell. Denn wir mussten aufgrund der Integration der Dresdner Bank mitten in der Krise zwei Banken zusammenführen.

...der Staat musste die Commerzbank retten. Ist das bei Ihren Kunden – ob neu oder alt – heute noch ein großes Thema?

Nein. Das ist kein Thema. Die Finanzkrise hat die Menschen dagegen sehr verunsichert. Und wir sind uns bewusst, dass dies langfristige Veränderungen bei den Kunden zur Folge hat. Wir haben deshalb frühzeitig reagiert und den Umbau unseres Privatkundengeschäfts bereits Ende 2011 begonnen.

Die gesamte Commerzbank erhält eine neue Strategie. Im Privatkundengeschäft spielt die Profitabilität nun angeblich eine untergeordnete Rolle – und Kundenzufriedenheit ist oberstes Gebot. Herr Braun, wer soll das glauben?

Sie haben Zweifel? Dann gebe ich Ihnen ein Beispiel: Wir beraten unsere Kunden heute mithilfe eines genauen Fragekataloges viel umfänglicher als früher. Wir durchleuchten ihre finanzielle Situation, fragen nach ihren Zielen. So kommt eine individuelle und ganzheitliche Beratung zustande, die genau zu dem jeweiligen Kunden passt. Und erst dann machen wir Vorschläge für bestimmte Produkte.

Das machen andere Banken genauso.

Das sehe ich nicht so. Und wir gehen sogar noch einen Schritt weiter: Bei uns bekommt der Kunde auch die Angebote der Konkurrenz, zum Beispiel in der Baufinanzierung. Es geht uns also nicht mehr darum, vor allem unsere eigenen Produkte zu verkaufen. Das ist die alte Schule von vor der Krise und ein Grund dafür, warum der Ruf des Bankgeschäfts so stark gelitten hat.

Und was bringt Ihrer Bank das?

Sehr viel. Zum Beispiel neue und zufriedene Kunden. Wir messen unsere Kundenzufriedenheit umfänglich. Pro Jahr befragen wir mehr als 140000 Kunden. Während des bisherigen Umbaus unseres Privatkundengeschäfts ist die Weiterempfehlungsbereitschaft um mehr als 30 Prozentpunkte gestiegen. Außerdem ist die Commerzbank inzwischen die am schnellsten wachsende Filialbank Deutschlands. Im ersten Halbjahr haben wir deutschlandweit insgesamt rund 100000 Privatkunden netto dazugewonnen. Das kommt nicht von ungefähr.

Die Zahl der Kunden ist nicht alles. Wie ist es um die Profitabilität Ihrer Bank bestellt?

Als wir uns Gedanken über den Umbau des Privatkundengeschäfts machten, haben wir uns bewusst gesagt: Wir erwarten vor 2014 keinen Ergebnisbeitrag, und bis 2016 wollen wir 500 Millionen Euro zum Gesamtergebnis des Konzerns beitragen. Jetzt sind wir bereits 2013 profitabel. Und das trotz der Investitionen in den Umbau.

Die Commerzbank baut ihr Online-Banking-Angebot kräftig aus. Was bedeutet das für die Filialen?

Die Commerzbank wird immer auch eine Filialbank bleiben. Uns geht es um das beste Angebot für den Kunden. Deshalb bieten wir ihm beides. Ein modernes Onlinebanking und ein modernes Filialnetz. Im Geschäftsbereich Nord-Ost – Niedersachsen, Westfalen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und ganz Ostdeutschland – haben wir derzeit 600 Filialen, dabei bleibt es.

Wie wird sich die Zahl der Mitarbeiter entwickeln?

Deutschlandweit haben wir mehr als 15000 Mitarbeiter im Privatkundengeschäft. Diese Zahl wird noch sinken – das trifft auch auf unsere rund 870 Mitarbeiter im Privatkundengeschäft in Niedersachsen zu. Die Zahl möchte ich nicht nennen, weil wir zuerst mit allen Mitarbeitern sprechen. Wir wollen das aber ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen.


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