Aufsichtsrat hat entschieden ZF Damme wird an Chinesen verkauft

Das ZF-Damme: Mitarbeiter sind auf einer Betriebsversammlung über die Entscheidung informiert worden. Foto: Uwe LewandowskiDas ZF-Damme: Mitarbeiter sind auf einer Betriebsversammlung über die Entscheidung informiert worden. Foto: Uwe Lewandowski

mey/gp Damme. Der Einspruch von gut 20000 Kollegen aus den deutschen ZF-Werken hat am Ende nichts genützt: Der Aufsichtsrat des bedeutenden Auto-Zulieferkonzerns beschloss am Donnerstag in Passau, das Geschäftsfeld Gummi-Metall an das chinesische Unternehmen TMT zu verkaufen. Damit bekommen die ZF-Werke in Damme, Simmern und Bonn einen neuen Eigentümer aus Fernost.

Rund 1000 Mitarbeiter sind an dem ZF-Standort in der Dümmer-Region von dem Verkauf betroffen, weitere 700 Kollegen arbeiten in den anderen Werken der Sparte.

Schon vor der Entscheidung des Kontrollgremiums war bekannt geworden, dass die Arbeitsplätze in den drei vom Verkauf betroffenen deutschen Werken bis Ende 2018 gesichert sowie Investitionen und Tarifbindung festgeschrieben sein sollen. Auch die Altersvorsorge soll demnach fortgeführt werden – ebenso wie die Ausbildung, die zunächst in Zusammenarbeit mit dem Verkäufer ZF weitergeht.

Bis zuletzt hatte die IG Metall den Verkauf abgelehnt. Nach ihren Angaben haben sich in allen deutschen ZF-Werken mehr als 20000 Mitarbeiter an einer Unterschriftenaktion beteiligt, in der sie sich für einen Verbleib des Geschäftsfeldes Gummi-Metall im ZF-Konzern aussprachen. Am Vortag der Aufsichtsratssitzung seien die in nur einer Woche gesammelten Unterschriften dem Vorsitzenden des Gremiums, Giorgio Behr, und Konzernchef Stefan Sommer in Passau übergeben worden. „Wir hoffen, dass Vorstand und Aufsichtsrat der ZF AG dieses deutliche Votum der Beschäftigten zur Grundlage ihrer Entscheidungen machen“, hatte es noch am Mittwoch in einer Mitteilung der Gewerkschaft geheißen.

Aber es kam anders. Die Nachricht vom Beschluss des Aufsichtsrates erreichte die Mitarbeiter des Dammer Werkes um 13.45 Uhr in einer Belegschaftsversammlung. Nach Auskunft von Betriebsratschef Antonius Thölken fiel der Beschluss für einen Verkauf der Sparte denkbar knapp erst bei der dritten Abstimmung unter Berücksichtigung des Doppelstimmrechts von Aufsichtsratschef Behr.

Neben den tariflichen Vereinbarungen hob Thölken im Gespräch mit unserer Zeitung vertragliche Festlegungen zum Thema Investitionen hervor. Danach werden die Chinesen nach der Spartenübernahme, die für das erste Halbjahr 2014 vorgesehen sei, über fünf Jahre pro Jahr fünf Prozent des Umsatzes der Werke (Wert für Damme: 225 Millionen Euro in 2012) investieren. Außerdem dürfe das Werk in Damme weiterhin von modernen ZF-Entwicklungen (Stichwort Leichtbau) profitieren. Diesen Punkt strich auch Thorsten Gröger, IG-Metall-Chef für den Bezirk Nienburg-Stadthagen, heraus.

Von der ZF Friedrichshafen AG war keine Stellungnahme zu erhalten. Der Konzern beschränkte sich auf die Versendung einer knappen Mitteilung, in der es unter anderem heißt: „Der Vorstand erhielt den Auftrag, die Eckpunkte dieser Transaktion, welche in allen Belangen positive Entwicklungen sicherstellen sollen, in einer verbindlichen Vereinbarung mit dem Kaufinteressenten TMT abzusichern.“

ZF fertigt in Damme teilweise im Dreischicht-Betrieb unter anderem Airbag-Gehäuse, Behälter für Servopumpenöl, Kunststoff-Verbund-Pedalerien, Hydrolager für die Motoraufhängung sowie Komponenten für Getriebeschaltungen und Lenkradverstellungen. Die Gummi-Kunststoff-Sparte von ZF erzielte 2012 mit knapp 3400 Mitarbeitern einen Umsatz von 718 Millionen Euro (plus sechs Prozent). Ins Werk Damme sind nach Angaben eines Unternehmenssprechers in den vergangenen drei Jahren knapp 30 Millionen Euro investiert worden.


Der chinesische Firma TMT (Times New Material Technology) ist als Aktiengesellschaft an der Börse in Schanghai notiert. Durch die Absicht, das Geschäftsportfolio um neue Produkte und den Zukauf eines anderen Unternehmens zu erweitern, ist der Aktienhandel nach chinesischem Recht momentan unterbrochen. Innerhalb von drei Monaten muss den Behörden angezeigt werden, ob die Verhandlungen, in diesem Fall mit ZF, zu Ergebnissen geführt haben. TMT ist eine Tochtergesellschaft des Konzerns CSR-Corporation, der zu großen Teilen dem chinesischen Staat gehört. TMT ist Anbieter von Gummi-Metall-Dämpfungsmaterial für den Bereich Zug und Schiene sowie Windkraftanlagen. Das Geschäft mit Automobilteilen soll stark ausgebaut werden. Das Unternehmen beschäftigt knapp 2700 Mitarbeiter (Stand: 31.12. 2013) und erzielte 2012 einen Umsatz von umgerechnet 457 (2011: 422) Millionen Euro.

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