Unternehmen aus Diepholz artec liefert Softwaresysteme in alle Welt

Von Klaus-Peter Jordan

Zuversichtlich: die Artec-Gründer Ingo Hoffmann (l.) und Thomas Hoffmann beim Börsengang 2006. Foto: ArtecZuversichtlich: die Artec-Gründer Ingo Hoffmann (l.) und Thomas Hoffmann beim Börsengang 2006. Foto: Artec

Diepholz. Mühlenstraße 15, 49356 Diepholz. Ein unscheinbares Geschäftshaus im Zentrum der Kreisstadt. Die Büroräume für die 27 Mitarbeiter muten eher wie Wohnräume an. Ingo Hoffmann spricht über Technik. Er erzählt begeistert über die Möglichkeiten der von ihm entwickelten Produkte. Der 64-jährige Diplom-Ingenieur ist Vorstand des Softwareunternehmens artec technolo-gies AG in Diepholz – und Entwickler aus Passion.

Die Begeisterung seines Bruders Thomas ist ebenso groß – allerdings eher für Zahlen. Stolz berichtet er, dass artec fremdkapitalfrei ist und mit einer Eigenkapitalquote von rund 90 Prozent aufwarten kann. Der 57-jährige Betriebswirt ist ebenfalls Vorstand bei artec und für die Finanzen zuständig.

1988 gründeten die beiden Brüder Hoffmann eine Han-delsgesellschaft, aus der 1995 eine Sicherheitsfirma wurde und im Jahr 2000 die artec technologies AG hervorging. Aus dieser Zeit stammt das erste Standbein der Firma, das heute noch 60 Prozent des Jahresumsatzes von rund 2,2 Millionen Euro ausmacht: Videoüberwachungssysteme.

Standbein Nummer zwei – und der besondere Stolz der Hoffmänner – sind Software- und Systemlösungen für die Übertragung sowie Aufzeichnung von TV, Video, Radio, Audio und Metadaten in Netzwerke und Internet. Hierauf haben die Diepholzer ein Patent. Und hierfür ging man 2006 an die Börse. „Denn um dies zu entwickeln, reichten unsere Gewinne damals nicht“, erklärt Thomas Hoffmann. 3,25 Millionen Euro brachte der Börsengang ein, bei dem artec von der Oldenburgischen Landesbank AG unterstützt wurde. Namhafte Kunden bedienen sich bereits der Plattform mit dem Namen „Xentaurix“: WDR, MDR, Deutsche Welle, ABC, CBC, Euronews, T-Online und Qatar News Agency. Für die arabische Nachrichtenagentur hat artec ein digitales Archivierungssystem entwickelt, mit dem täglich 200 TV- und Hörfunksender in Echtzeit erfasst und archiviert werden. „Die Redaktion kann online auf die TV-Inhalte zugreifen, über eine Suchfunktion sekundengenau nach bestimmten Worten oder Begriffen in dem Archiv recherchieren und sich den dazugehörigen Videoausschnitt ansehen. Dabei werden mittels Spracherkennungssoftware fremdsprachliche Beiträge unmittelbar übersetzt“, schwärmt Ingo Hoffmann. Im Juli hat man einen Folgeauftrag aus Katar akquirieren können.

Potenzielle Kunden sieht man bei weiteren Fernsehsendern, Nachrichtenagenturen und Telekommunikationsunternehmen. Aber auch bei Unternehmen, die Märkte beobachten wollen. In nächster Zeit soll vor allem Geld in Vertrieb und Marketing investiert werden. Die Technik sei verkaufsfähig, jetzt müsse sie weltweit an den Mann gebracht werden.

„Die artec technologies AG hat sich kontinuierlich auf den nationalen und internationalen Märkten erfolgreich entwickelt“, sagt Bernd Öhlmann, oberster Wirtschaftsförderer von Diepholz. „Die Firma macht deutlich, dass Hightech-Unternehmen nicht nur in Metropolen, sondern auch in Kleinstädten erfolgreich sein können.“

Im ersten Halbjahr 2013 stieg der Umsatz um 14 Prozent auf 0,952 Millionen Euro. „Und es zeichnet sich ein starkes zweites Halbjahr ab“, so die Hoffmänner. Allerdings schiebt man weiterhin einen Verlustvortrag vor sich her von nicht unerheblichen 2,6 Millionen Euro. Der Aktienkurs dümpelt derweil auf niedrigstem Niveau. „Jetzt muss das versprochene Wachstum geliefert werden“, fordert das Nebenwerte-Journal. Das wissen auch Ingo und Thomas Hoffmann.


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