Rothkötter zu 50 Prozent beteiligt Emsländer planen Mega-Mastanlage in Brandenburg

<em>Ein junges Masthähnchen </em>steht in einem Stall in Andrup, Landkreis Emsland. Foto: dpaEin junges Masthähnchen steht in einem Stall in Andrup, Landkreis Emsland. Foto: dpa

Osnabrück. Das Dauerthema Massentierhaltung hat Brandenburg erreicht: Gleich mehrere Megamastanlagen sorgen für Ärger. Bürgerinitiativen warnen schon vor „emsländischen Verhältnissen“. Mittendrin der Rothkötter-Konzern aus Meppen, wie Recherchen unserer Zeitung belegen. Das Unternehmen ist am geplanten Bau einer Stallanlage für 380.000 Hähnchen bei Wittstock beteiligt.

Mehr als 400 Autokilometer liegen zwischen der Rothkötter-Zentrale in Meppen und dem Firmensitz von „ PB Prignitzer Broilermast “ (PB) in Fretzdorf, einem Ortsteil von Wittstock. Und doch eint die beiden Unternehmen mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Ein gemeinsamer Geschäftsführer zum Beispiel. Wilfried Fleming steht sowohl Rothkötter als auch der Prignitzer Broilermast vor.

Auf Nachfrage bestätigt das Unternehmen aus dem Emsland: Rothkötter sei über die Tochterfirma „P&P Farmbetriebe“ an der ostdeutschen Firma mit 50 Prozent beteiligt. Daher sei Fleming „automatisch“ Geschäftsführer, wie es in einer schriftlichen Stellungnahme heißt. Mehr will man in Meppen aber nicht sagen: „Für weiteren Besprechungsbedarf besteht kein Anlass.“

Findet der Rothkötter-Konzern. Doch wem gehören die restlichen 50 Prozent? Ebenfalls einem emsländischen Unternehmen, wie unsere Recherchen zeigen. Die Fortwengel-Holding mit Sitz in Sögel hält die andere Hälfte an dem ostdeutschen Unternehmen. Aber auch Firmenchef und Ko-Geschäftsführer Bernhard Fortwengel will sich nicht weiter zu seinem Engagement im Osten äußern. Beim brandenburgischen Landesamt für Umwelt und Verbraucherschutz in Potsdam ist schon mehr zu erfahren. Demnach liegt der geplante Bau bei Wittstock derzeit auf Eis. Und das, obwohl die Behörde dem Unternehmen mit den Geschäftsführern aus dem Emsland am 19. November 2012 die Baugenehmigung für das Projekt in Groß Haßlow, ebenfalls ein Ortsteil von Wittstock, erteilt hat.

Rechtsstreit mit Behörde

Der Weg der HähnchenStepMap

Die Genehmigung sei „allerdings noch nicht rechtskräftig, da der Antragsteller gegen Nebenbestimmungen geklagt hat“, teilt eine Sprecherin der Behörde unserer Zeitung mit. „Das Ende des Verfahrens ist daher offen.“ Das Verwaltungsgericht wird über die Klage zu entscheiden haben, das könnte aber noch einige Monate dauern.

Andere sind da schon weiter. Rund 6,7 Millionen Plätze gibt es derzeit in brandenburgischen Ställen für Truthähne und Mastgeflügel. 1,2 Millionen sind genehmigt, aber noch nicht gebaut. Weitere 1,2 Millionen warten noch auf eine Genehmigung. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren gab es in Brandenburg 4,9 Millionen Mastplätze. Werden alle geplanten Ställe gebaut, macht das ein Plus von 85 Prozent.

Dagegen regt sich Widerstand in der Bevölkerung. „Wir wollen das hier nicht. Uns soll es hier nicht so gehen wie im Emsland“, sagt Kathrin Voigts. Sie wehrt sich mit einer Bürgerinitiative gegen den Bau einer weiteren Großmastanlage bei Gumtow, rund 30 Kilometer vom geplanten Standort der „Prignitzer Broilermast“ entfernt. „Wir müssen aus den Fehlern lernen“, sagt Voigt mit Blick auf den Westen Niedersachsens.

Dabei ist Brandenburg noch weit von emsländischen Verhältnissen entfernt. Allein im Landkreis Emsland gibt es mittlerweile weit über 30 Millionen Mastplätze für Geflügel – das Fünffache von dem, was im flächenmäßig zehnmal so großen Brandenburg existiert. So weit dürfe es in ihrer Heimat nicht kommen, sagt Voigts. Die Mastanlage in Gumtow befindet sich nur wenige Hundert Meter von ihrem Haus entfernt. Auch in diesem Fall kommt der Investor von weit her: ein Niederländer steckt Millionen-Beträge in die Anlage.

Was bleibt, ist die Frage, wo die Hunderttausenden Masthähnchen aus Brandenburg geschlachtet werden sollen. Einen Schlachthof hat Rothkötter dort nicht, und dass er Tiere für die Konkurrenz mästet, gilt in der Branche als unwahrscheinlich.

Kritiker halten es für möglich, dass die Emsländer mit Hähnchen aus Brandenburg ihren neuen Schlachthof in Wietze, Landkreis Celle, auslasten wollen. Dort ist nämlich nach wie vor nur eine der beiden Schlachtlinien in Betrieb.


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