Zoff um Springers Wahlgeschenk Verspätete Post durch kostenlose „Bild“?

<em>Schwer bepackt unterwegs</em> sind auch in unserer Region viele Post-Zusteller. Foto: dpaSchwer bepackt unterwegs sind auch in unserer Region viele Post-Zusteller. Foto: dpa

Osnabrück. Rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland haben am Tag vor der Bundestagswahl eine „Bild“-Zeitung gratis erhalten. Der Springer-Verlag wollte mit dieser werbefinanzierten Ausgabe für den Gang an die Wahlurnen werben. Für die Zusteller der Deutschen Post bedeutete dies erhebliche Mehrarbeit, wie auch ihr Arbeitgeber einräumt. Allerdings widerspricht er Angaben, wonach dadurch normale Post verspätet zugestellt wurde. Die SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) sieht das anders.

„Mit Unverständnis und Verärgerung“ hätten die Mitglieder des AfA-Bezirksvorstandes Weser-Ems auf ihrer Sitzung in der vorigen Woche festgestellt, dass die kostenlose Verteilung der Bild-Zeitung am 21. September „zu massiven Einschränkungen bei der Postzustellung geführt“ habe, berichtete SPD-Bezirksgeschäftsführer Olaf Abdinghoff-Feldkemper.

Dadurch, dass die Gratis-Zeitung auf Anweisung vorrangig verteilt werden musste, blieb nach seinen Angaben nicht nur normale Post liegen. Die Zusteller hätten die Verteilung der Zeitung auch mit einem „erweiterten Überstundenkorridor“ bewältigen müssen. Zum zusätzlichen Arbeitspensum am Samstag sei ein nochmals um zwei Stunden erweiterter Überstundenkorridor am Montag gekommen, „um die nicht ausgelieferte Post von Samstag nachzuarbeiten“. Wolfgang Evers von der Gewerkschaft Verdi erklärte, das Personalkorsett der Post sei „eng geschnürt“. Die Gewerkschaft habe daher durch Betriebsvereinbarungen mit der Arbeitgeberseite „Schutzmechanismen“ für die Beschäftigten mit Blick auf die Arbeitszeit vereinbart. Die Verteilung einer Zeitung an alle Haushalte an einem Tag bedeute eine riesige Menge an Mehraufwand, erklärte der Verdi-Sprecher.

Post-Sprecherin Maike Wintjen widersprach den unserer Zeitung auch aus Zustellerkreisen bestätigten Angaben der SPD-Arbeitsgemeinschaft. Normale Post, zu der etwa Briefe und Päckchen gehörten, sei wegen der „Bild“-Zeitung nicht liegengeblieben, sagte sie. Preisbegünstigte Sendungen wie etwa Infobriefe möglicherweise schon.

Die Frage, ob am Tag nach der Bundestagswahl Überstunden angeordnet worden seien, wollte die Sprecherin der Deutschen Post nicht beantworten.


Auch im westlichen Niedersachsen wurde die „Bild“-Zeitung am 21. September kostenlos verteilt. Eine Aufgabe, die das ohnehin stark belastete Zusteller-Personal der Deutschen Post angeblich nicht ohne Folgen für die Kunden bewältigen konnte.

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