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Verknappung Seltener Erden alarmiert deutsche Wirtschaft – China beherrscht den Markt „Gefahr für unser Industrieland“

Von Uwe Westdörp

Osnabrück. Die Wirtschaft ist alarmiert: „Wenn wir nichts gegen den Mangel bei wichtigen Rohstoffen tun, werden unsere Wertschöpfungsketten brechen. Das ist eine Gefahr für unser Industrieland“, warnt Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI). Sorgen bereitet Keitel vor allem ein möglicher Engpass bei Seltenen Erden.

Das sind 17 Metalle wie Scandium, Yttrium, Lanthan, Praseodym, Thulium und Lutetium, die unter anderem aufgrund ihrer besonderen elektrischen und magnetischen Eigenschaften sowie wegen ihrer hohen Reaktionsfreudigkeit für die Herstellung vieler Produkte unentbehrlich sind: Handys, Laptops, Laser, Akkus, Computer-Monitore, DVD-Player, Windräder, Elektromotoren und vieles andere mehr.

Auch für das Militär und die Raumfahrt spielen die Spezialrohstoffe eine wichtige Rolle. Und so sorgen die aktuellen Nachrichten aus China für höchste Aufregung. Die Volksrepublik, die quasi ein Monopol auf die Seltenen Erden hat, will die Regeln für den Export verschärfen. Das Handelsministerium in Peking hat dazu strengere Richtlinien für Exporteure erlassen. Unter anderem müssen diese Unternehmen nun mehr internationale Qualitätsstandards sowie lokale und nationale Umweltschutzregeln erfüllen.

Es war für die rohstoffhungrigen Industrieländer binnen weniger Tage bereits die zweite schlechte Nachricht aus China. Erst Anfang November hatte die chinesische Regierung angekündigt, von zehn der seltenen Erden Reserven anlegen zu wollen. Und bereits im Jahr 2006 hat die Volksrepublik damit begonnen, ihre Exporte jährlich um fünf bis zehn Prozent zu reduzieren.

Zwar liegen nur ungefähr ein Drittel der weltweiten Vorkommen an Seltenen Erden in China, 2008 stammten aber 97 Prozent der weltweiten Versorgung aus der Volksrepublik. Einer der Gründe dafür sind die niedrigen Löhne in China. Zudem haben Umweltschutzauflagen in der Volksrepublik bisher nicht annähernd eine so große Rolle wie anderswo. Weltweit wurden viele Förderungen eingestellt, während China den Wert der Spezialrohstoffe immer stärker zu schätzen lernte.

Die Abhängigkeiten sind groß: Aus chinesischer Förderung kamen im Jahr 2008 insgesamt 65,1 Prozent der deutschen Einfuhren an Seltenen Erden, daneben 12 Prozent von den Philippinen. Die Volksrepublik lieferte aber auch mehr als 70 Prozent der in Deutschland verbrauchten Menge an Germanium, Mangan, Molybdän, Ferrowolfram, Wolframoxid und Baryt. Diese gehören ebenso wie die Seltenen Erden zu einer Gruppe von insgesamt 14 Rohstoffen, die die EU als kritisch eingestuft hat, weil sie eine hohe ökonomische Bedeutung gerade für die Hightech-Industrie haben und zugleich ein hohes Lieferrisiko bergen.

Neben China ist Russland wichtiger Rohstofflieferant: Von dort kommt nicht nur ein wachsender Anteil des in Deutschland verbrauchten Gases. Das Land steuert auch fast die Hälfte des hierzulande verarbeiteten Roheisens bei, 32 Prozent des Aluminiums und immerhin ein Viertel des Palladiums. In Afrika ist Hauptlieferland Südafrika, in Südamerika Chile.Deutschland verfügt zwar über ein beachtliches Potenzial an heimischen Rohstoffen wie Steinen, Kali- und Steinsalz oder Braunkohle, ist aber bei Erdöl und Erdgas stark und bei den metallischen Rohstoffen nahezu vollständig auf Erzimporte sowie auf die Nutzung von Recyclingrohstoffen angewiesen. 2009 summierte sich der Wert der Rohstoffimporte Deutschlands auf 86 Milliarden Euro. Davon entfielen knapp 16 Milliarden Euro auf Metallrohstoffe. 2010 wird der Wert der Rohstoffimporte deutlich ansteigen.

Fast schon bizarr klingt vor diesem Hintergrund, dass Seltene Erden in China auch zur Düngung von Böden und zur wachstumsfördernden Fütterung von Nutztieren genutzt werden.Nutzpflanzen sollen deutlich höhere Erträge erbringen, Nutztiere weisen ein schnelleres Wachstum und eine besserer Futterverwertung auf.

Und morgen: Wofür die Metalle der Seltenen Erden verwendet werden.