Klöker-Brüder starten durch Hertie feiert in Osnabrück Comeback im Internet

Von Michael Clasen


Osnabrück. Hertie feiert sein Comeback im World Wide Web: Die Osnabrücker Unternehmer Jan und Nils Klöker haben die alte Traditionsmarke mit einem Online-Kaufhaus mit mehr als 500000 Artikeln im Internet wiederbelebt. Nach über einem Jahr Vorbereitung wurde das Shopping-Portal an diesem Sonntag freigeschaltet.

„Die Marke Hertie stand über 100 Jahre für Qualität und Zuverlässigkeit. Diese Attribute sollen auch in Zukunft für Hertie stehen“, erklärte Jan Klöker (36) unserer Zeitung. „Wir erwarten von dem bevorstehenden Weihnachtsgeschäft einen enorm hohen Zuspruch, insbesondere durch das sehr große und umfangreiche Spielwarensortiment“, sagte Nils Klöker (33). Beide rechnen sich große Wachstumschancen mit der Wiederbelebung der Traditionsmarke im Internet aus.

Hertie - das war einmal eine der größten deutschen Warenhauskette mit Tausenden Beschäftigten. Es gab kaum eine Einkaufsstraße, in der nicht der Name prangte. Dann folgte der langsame Niedergang. Übernahme, Insolvenz, Schließung: 2009 machten schließlich die letzten Filialen dicht. Im August 2012 kaufte die Firma HDK AG die Markenrechte aus der Insolvenzmasse heraus. Hinter dem Osnabrücker Unternehmen stehen die Klöker-Brüder. 1996 eröffneten die beiden den Online-Shop „telefon.de“. Es folgten „tepgo.de“, „serviette.de“ und weitere Online-Unternehmen. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen mehr als 50 Männer und Frauen.

Das neue Hertie-Sortiment umfasst zum Start nach Firmenangaben rund 500 000 Artikel - von Haushaltswaren, Büchern, Computern, Spielwaren, Geschenkartikeln, Heimtextilien bis hin zu Parfüms. Kunden sollen zu Beginn eine Null-Prozent-Finanzierung nutzen können. Die Firma will zügig die Millionen-Artikel-Grenze überschreiten. „Wir konnten in kürzester Zeit Kontakte zu Hunderten von neuen Lieferanten aufbauen“, erklärte Jan Klöker. Viele seien erfreut gewesen, dass mit „Hertie endlich ein zusätzlicher, starker und ernstzunehmender Handelspartner die Online-Bühne“ betritt. Auch dass die Firma seine Wurzeln ausschließlich in Deutschland habe und nicht von ausländischen Großkonzernen und Investoren gesteuert werde, sei von der deutschen Handelswelt begrüßt worden. „Die Branche hat offensichtlich die Gefahr der immer größer werdenden Einkaufsmacht der wenigen großen Mitbewerber im Online-Handel erkannt,“ meint Nils Klöker.

Die beiden Unternehmer bauen auf Studien, wonach in ein paar Jahren bereits jeder zweite Euro im Online-Handel ausgegeben wird. „Statt in teure Ladenflächen zu investieren, wie es auch Hertie in der Vergangenheit getan hat, investieren wir in qualifizierte Mitarbeiter, guten Service und ein optimales Preis-Leistungsverhältnis für die Kunden“, beschreibt Jan Klöker ihre Strategie. Durch den Verzicht auf teure Ladenflächen sei der Online-Handel „in der glücklichen Lage viel mehr Sortiment in Breite und Tiefe anzubieten als der klassische Handel“. Beim neuen Hertie gebe es keine Ladenschlusszeiten, keine Parkplatzsuche, kein Tüten schleppen. „Deshalb heißt unser neuer Slogan einfach nur „Viel Spaß beim Einkaufen“, sagte Nils Klöker.