zuletzt aktualisiert vor

Scharfe Kritik an Missbrauch von Leiharbeit – Appell an McAllister „Skandal wie bei Schlecker“

Meine Nachrichten

Um das Thema Wirtschaft Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

hab Hannover. Gewerkschaften und Grüne haben einen wachsenden Missbrauch von Leiharbeit in Niedersachsen angeprangert und dabei insbesondere auch den Klinikkonzern Ameos kritisiert.

Die Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Metall und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Hartmut Meine und Siegfried Sauer, beklagten gestern in Hannover, dass immer mehr Betriebe das Instrument der Leiharbeit nutzten, um Stammbelegschaften durch billige Zeitarbeitskräfte zu ersetzen.

Diese Leiharbeiter erhielten bei gleicher Qualifikation bis zu 35 Prozent weniger Lohn und müssten weitere Verschlechterungen wie etwa kürzeren Urlaub in Kauf nehmen. Mittlerweile sei hier ein „großer Niedriglohnsektor mit prekären Arbeitsbedingungen“ entstanden. Die Zahl der Leiharbeiter in Niedersachsen bezifferten Meine und Sauer auf 71000, davon die Hälfte im Dienstleistungssektor.

In Einrichtungen der Diakonie und der Caritas hätten inzwischen bis zu 70 Prozent der Beschäftigten einen Leiharbeiter-Status, kritisierten die Gewerkschaften. Massiv auf Zeitarbeit setze auch der Konzern Ameos, der vor Jahren unter anderem das Landeskrankenhaus Osnabrück erworben hatte.

Der Vorsitzende des Ameos-Gesamtbetriebsrats, Michael Krömker, schilderte gestern in Hannover, neue Mitarbeiter außerhalb des Ärztebereichs würden inzwischen über eine firmeneigene Sozialdienstleistungsgesellschaft Holstein nur noch als Leiharbeiter eingestellt. In Osnabrück hätten bereits zehn Prozent des Personals diesen Status mit zum Teil 28 Prozent weniger Lohn, rund 1500 Euro geringerem Weihnachtsgeld und vier Tage kürzerem Urlaub.

Scharfe Kritik an dieser Praxis übten auch die Grünen im Landtag. „Wir haben es hier mit einem Skandal wie bei Schlecker zu tun – und das, obwohl CDU und FDP vor dem Verkauf der Kliniken den Beschäftigten gleiche Arbeitsbedingungen unter dem neuen Träger zugesichert hatten“, wetterte der arbeitsmarktpolitische Sprecher Enno Hagenah.Die Drogeriekette Schlecker war in die Schlagzeilen geraten, weil sie ihr Stammpersonal in eine Zeitarbeitsfirma überführte und den Mitarbeitern statt 12,70 Euro Stundenlohn nur noch 6,78 Euro gewährte.

Die Grünen wollen nun in einer parlamentarischen Anfrage wissen, welche Möglichkeiten die Landesregierung sieht, „die Missstände bei Ameos zu beseitigen“ und gleiches Geld für gleiche Arbeit zu erreichen.

IG Metall und Verdi forderten Ministerpräsident David McAllister (CDU) auf, mit einer Bundesratsinitiative der missbräuchlichen Anwendung von Leiharbeit einen Riegel vorzuschieben. Es müssten gesetzliche Regelungen geschaffen werden, um die zunehmende Verdrängung von Stammbelegschaften durch dauerhafte Leiharbeitskräfte zu unterbinden.

Laut Meine will die IG Metall in Tarifverhandlungen für die Stahlindustrie verlangen, dass Löhne von Leiharbeitern auf das übliche Tarifniveau aufgestockt werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN