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Köster-Tochter beantragt Insolvenz

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Der Osnabrücker Baukonzern Köster prüft, ob nach der Pleite seiner Dortmunder Beteiligungsgesellschaft Wiemer & Trachte rechtliche Schritte gegen den ehemaligen französischen Eigentümer Vinci S. A., den alten Vorstand und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft DBO eingeleitet werden sollen. Das sagte ein Sprecher der Köster AG gestern unserer Zeitung.

Am Vortag war bekannt geworden, dass das Dortmunder Bauunternehmen Insolvenz wegen Überschuldung beantragt hatte. Köster hatte im September 2006 für rund zehn Millionen Euro 60 Prozent an Wiemer & Trachte erworben; zweiter Gesellschafter ist die saudi-arabische Bugsan Holding. Durch den Insolvenzantrag bestehe keine Gefahr für den Osnabrücker Baukonzern, sagte der Köster-Sprecher. Beide Gesellschaften seien rechtlich unabhängig.

Nach Querelen zwischen Vorstand und Gesellschaftern wurde noch Ende 2006 die Unternehmensführung von Wiemer & Trachte ausgetauscht. Dem alten Vorstand werden Misswirtschaft und schwerwiegende Unstimmigkeiten in der Rechnungslegung vorgeworfen. Der Verdacht sei durch Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers erhärtet worden, heißt es in einer Pressemitteilung des Dortmunder Unternehmens. Erste Ergebnisse von PwC deuteten darauf hin, dass Teile des Eigenkapitals verbraucht sein könnten. Wegen der Überschuldung und der nicht kalkulierbaren weiteren Risiken sei es für die Gesellschafter kaufmännisch unverantwortlich, weitere Mittel in die ungewisse Zukunft des Unternehmens zu investieren. Der Betrieb auf den Baustellen wird aber zunächst fortgesetzt.

Wiemer & Trachte ist seit mehr als 100 Jahren im Hoch- und Tiefbau, im Roh- und Schlüsselfertigbau, bei Ingenieur- und Spezialtiefbauarbeiten ebenso wie im Industrie- und Wohnungsbau tätig. Mit rund 1200 Mitarbeitern wurde 2006 ein Umsatz von etwa 400 Millionen Euro erzielt. Das Unternehmen ist vornehmlich im Rhein-Ruhr-Gebiet aktiv. Köster erzielte 2005 - neuere Zahlen liegen nicht vor - einen Gruppenumsatz von 560 Millionen Euro. Bei der Köster AG werden rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, bei der Tochtergesellschaft Baresel AG in Stuttgart weitere 400.

Die Löhne der Mitarbeiter bei Wiemer & Trachte seien noch nicht gesichert, hieß es in Dortmund. Die Gewerkschaft IG BAU erklärte, kurz nach der Übernahme durch Köster seien Bauhöfe geschlossen, Kräne und Bauwagen verkauft und anschließend teuer wieder angemietet worden. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkaufserlös "nicht ordnungsgemäß verwendet wurde".


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