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Abzüge für viele Neurentner Mehrheit mit 60 ausgeschieden

Von Norbert Meyer

ARCHIV - Ein Rentner geht am Düsseldorfer Rheinufer entlang und stützt sich dabei auf seinen Stock (Archivfoto vom 18.02.2004). Mit ihrem Ruf nach Rente erst ab 69 Jahren hat die Bundesbank mitten im Wahlkampf einen Proteststurm ausgelöst. «Das ist Quatsch», sagte Bundesarbeitsminister Scholz (SPD). Auch Gewerkschaften und Sozialverbände wiesen den Vorstoß umgehend zurück. Foto: Barbara Sax dpa (zu dpa 4134 vom 21.07.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++Noch ein weiter Weg ist es zur Rente mit 67. Der Trend zur vorzeitigen Inanspruchnahme des Altersruhegeldes mit Abschlägen macht deutlich, dass viele Deutsche lieber heute als morgen aus dem Erwerbsleben ausscheiden möchten – oder hinausgedrängt werden. Foto: dpaARCHIV - Ein Rentner geht am Düsseldorfer Rheinufer entlang und stützt sich dabei auf seinen Stock (Archivfoto vom 18.02.2004). Mit ihrem Ruf nach Rente erst ab 69 Jahren hat die Bundesbank mitten im Wahlkampf einen Proteststurm ausgelöst. «Das ist Quatsch», sagte Bundesarbeitsminister Scholz (SPD). Auch Gewerkschaften und Sozialverbände wiesen den Vorstoß umgehend zurück. Foto: Barbara Sax dpa (zu dpa 4134 vom 21.07.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++Noch ein weiter Weg ist es zur Rente mit 67. Der Trend zur vorzeitigen Inanspruchnahme des Altersruhegeldes mit Abschlägen macht deutlich, dass viele Deutsche lieber heute als morgen aus dem Erwerbsleben ausscheiden möchten – oder hinausgedrängt werden. Foto: dpa

Berlin. Politisch wird die noch von der SPD in Regierungsverantwortung betriebene Entscheidung für die Rente mit 67 seit Jahren heiß diskutiert, faktisch entscheidet sich die große Mehrheit der gesetzlich Versicherten in Deutschland für ein viel früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben.

Fast jeder zweite Neurentner (45,2 Prozent) machte im vergangenen Jahr von der Möglichkeit Gebrauch, mit Abschlägen bei der Altersrente vorzeitig in den Ruhestand zu wechseln. Im Schnitt erhielten diese Personen mehr als drei Jahre (39,4 Monate) vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze von derzeit 65 Jahren die erste Monatszahlung von 791,63 Euro, die wegen der vorzeitigen Inanspruchnahme um 117 Euro niedriger ausfiel. Dies sind Zahlen, die Journalisten kürzlich von der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRB) bei einem Presseseminar vorgelegt wurden.

Daraus zu folgern, die meisten Deutschen seien bis zum Alter von etwa 62 Jahren berufstätig, wäre jedoch ein grober Trugschluss. Ende 2008 zahlten mehr als drei Viertel (76 Prozent) der damals 62-Jährigen weder Pflicht- noch freiwillige Beiträge in die staatliche Rentenversicherung ein. Nur 15 Prozent der Personen des Geburtsjahrgangs 1946 waren noch versicherungspflichtig beschäftigt.

Bei den 60-Jährigen lag dieser Anteil zwar noch bei 24 Prozent, aber ebenso viele im Jahr 1948 Geborene waren auch schon Rentner. Weitere 24 Prozent waren „passiv Versicherte“, also Personen, die zumeist aufgrund von Nicht-Beschäftigung keine Rentenbeiträge mehr entrichten. Zusammen mit neun Prozent Arbeitslosen beziehungsweise Hartz-IV-Empfängern ergibt dies eine Mehrheit von deutlich über 50 Prozent der 60-Jährigen in Deutschland, die offensichtlich nicht mehr berufstätig waren.

Zählt man geringfügig Beschäftigte mit, dann überwiegt ab dem Alter von 59 Jahren in Deutschland die Zahl der nicht oder nicht mehr Erwerbstätigen diejenige der noch im Beruf stehenden Personen. Doch auch schon mit 55 Jahren ist nur noch jeder Zweite (49 Prozent) versicherungspflichtig beschäftigt.

Dazu passt, dass von den rund 673000 Neurentnern des vorigen Jahres nur jeder Fünfte bis zum Renteneintritt einer versicherungspflichtigen Tätigkeit nachgegangen war. Jeder Dritte dagegen hatte zwar irgendwann früher in seinem Berufsleben Beiträge in die Rentenkasse entrichtet und dadurch Ansprüche erworben, vor dem Renteneintritt jedoch nicht mehr. In vielen Fällen führt schon dies allein zu niedrigen Rentenzahlungen – ganz unabhängig vom Trend zur Frühverrentung.

Schon mit 50,3 Jahren und damit rund sechs Jahre früher als im Jahr 1960 erfolgt heute im Bundesdurchschnitt der Eintritt in die Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. ImmerhinBei jedem fünften Versicherten erfolgt der Rentenzugang über eine Erwerbsminderungsrente. Insgesamt stellt die DRB fest, dass „der Anteil an Rentenzugängen mit vorgezogenem Rentenbeginn in der Vergangenheit stark zugenommen“ hat. Ein weiteres wichtiges Fazit lautet: Eine versicherungspflichtige Beschäftigung unmittelbar vor Altersrentenbeginn ist eher die Ausnahme als die Regel.Wer sich über die geringe Höhe der durchschnittlichen Monatszahlung für Neurentner bei vorgezogener Altersrente wundert, sollte daran denken, dass die Standardrente in den alten Bundesländern derzeit bei 1224 Euro und in Ostdeutschland bei 1085,85 im Monat liegt. Um diese Rente zu erhalten, muss ein Versicherter 45 Jahre lang stets ein Entgelt in Höhe des Durchschnittsentgelt aller Versicherten bezogen haben.