Verbände kritisieren "Symbolpolitik" Böller- und Feuerwerksverbot: Pyrotechnik-Branche fürchtet "Todesstoß"

Auch beim Jahreswechsel 2021/2022 wird es an vielen öffentlichen Plätzen ein Feuerwerksverbot geben.Auch beim Jahreswechsel 2021/2022 wird es an vielen öffentlichen Plätzen ein Feuerwerksverbot geben.
Felix Kästle/dpa

Berlin. Die Pyrotechnikverbände in Deutschland fürchten, dass wegen des erneuten Feuerwerksverbots zu Silvester Tausende Menschen Ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Sie kritisieren die Maßnahme als "Symbolpolitik".

Bund und Länder haben beschlossen, den Verkauf von Böllern und Feuerwerk sowie Versammlungen zu Silvester in diesem Jahr erneut zu verbieten. An publikumsträchtigen Plätzen soll es ein Feuerwerksverbot geben. Mit diesen Maßnahmen will die Politik die Corona-Pandemie eindämmen und zusätzliche Belastungen für Krankenhäuser durch Feuerwerksverletzungen verhindern. stiller ausfallen. Die Polizeigewerkschaften hatten bereits Anfang November ein erneutes Verbot von Feuerwerkskörpern gefordert.

Von dem Feuerwerksverbot betroffene Unternehmen sollen Kompensationen durch Staatshilfen erhalten.

Feuerwerksverbot: Branche befürchtet "Todesstoß"

Die Pyrotechnik-Branche reagierte geschockt und mit Unverständnis. Ingo Schubert, Vorstand des Bundesverbands für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (BVPK) , sagte: "Das heute angekündigte Verkaufsverbot von Silvesterfeuerwerk besiegelt das Ende zahlreicher Unternehmen und treibt eine ganze Branche in den Ruin." Der Verband prüfe rechtliche Schritte gegen das Verbot. Der BVPK ist nach eigener Aussage die mitgliederstärkste Vereinigung im Bereich Feuerwerk im deutschsprachigen Raum.

Hauke-Christian Dittrich/dpa
Solche Hinweise dürften Verbraucher nach 2020 auch in diesem Jahr in den Einkaufsprospekten finden. (Archivfoto)

Mehrere Unternehmen mussten laut BVPK nach dem Verkaufsverbot im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden, weil sie durch das Raster der verschiedenen staatlichen Hilfeleistungen gefallen wären. Der erneute Stopp bedeute nicht nur einen Einnahmeausfall, sondern sorge für hohe Rückabwicklungskosten, die die Mehrheit der Händler nicht stemmen könnten. 

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Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI) sprach vom wahrscheinlichen "Todesstoß" für die Feuerwerksbranche in Deutschland. Der VPI befürchtet, dass 3000 Beschäftigten die Arbeitslosigkeit drohe.

Verband: Feuerwerksverbot "reine Symbolpolitik"

Beide Branchenverbände kritisierten die Maßnahme als unwirksam im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Sie widersprachen der Darstellung der Politik, dass Silvesterfeiern zu weiteren Belastungen in den Kliniken führten. Ingo Schubert sagte: "Das Verkaufsverbot von Kleinfeuerwerk ist reine Symbolpolitik." 

Die vorliegenden Zahlen zeigten, dass durch ein Verbot "weder Notaufnahmen spürbar entlastet werden, noch Infektionsraten effektiv gemildert werden." Die Politik verspiele Vertrauen, indem sie eine Maßnahme veranlasse, die keinen nennenswerten Beitrag im Kampf gegen die Corona-Pandemie leiste. 

Stimmen Sie ab: Ist das Feuerwerksverbot die richtige Entscheidung?

Der VPI-Vorsitzende Thomas Schreiber sagte: "Wir fragen uns, ob die Politik überhaupt noch weiß, was sie da tut." Trotz steigender Infektionszahlen dürfe müsse die Politik sich an Fakten halten. Die Zahle der Krankenhausbesuche in der Silvesternacht seien nur in fünf Prozent aller Fälle auf Feuerwerk zurückzuführen, sagte der Verband mit Bezug auf den kommunalen Krankenhausbetreiber Vivantes. 

Erhöht das Böllerverbot sogar die Verletzungsgefahr?

Das Verkaufsverbot führe dazu, dass sich Menschen nun mit Feuerwerkskörpern aus dem Ausland eindecken könnten, die hierzulande nicht zugelassen wären. Das erhöhe das Verletzungsrisiko.


Daniel Bockwoldt/dpa
Immer wieder demonstrieren Feuerwehren mit Puppen, welche Verletzungen illegale Böller anrichten können.


Laut Beschlusspapier der Ministerpräsidentenkonferenz gilt das Versammlungsverbot bundesweit an Silvester und am Neujahrstag. Die Kommunen sollen die Bereiche genauer definieren, in denen das Verbot zum Zünden von Feuerwerkskörpern gilt. 

Bereits zum Jahreswechsel 2020/2021 hatte es wegen der Pandemie ein bundesweites Verkaufsverbot für Feuerwerk gegeben, zugleich galt ein An- und Versammlungsverbot für Silvester und Neujahr. Außerdem richteten viele Städte und Gemeinden Bereiche ein, in denen das Zünden von Feuerwerk untersagt war. Hintergrund war neben der Sorge vor Infektionen die Hoffnung, eine zusätzliche Belastung der Krankenhäuser durch Böllerunfälle zu vermeiden. (Mit Material von dpa)


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