Holt-Prozess in Osnabrück Windkraftbetrug: Diese beiden Frauen brachten das Holt-Imperium zum Einsturz

Der Prozess um den mutmaßlichen Millionenbetrug mit erfundenen Windparks ist vor dem Landgericht Osnabrück fortgesetzt worden.Der Prozess um den mutmaßlichen Millionenbetrug mit erfundenen Windparks ist vor dem Landgericht Osnabrück fortgesetzt worden.
Swaantje Hehmann

Osnabrück. Internationale Energiekonzerne und Anwaltskanzleien sind auf den mutmaßlichen Millionenbetrug von Hendrik Holt und anderen reingefallen. Was eine Gemeindemitarbeiterin und Hartnäckigkeit mit den Ermittlungen zu tun haben.

Es war einer der wenigen emotionalen Momente im Prozess gegen Hendrik Holt und andere, die internationale Energiekonzerne mit erfundenen Windparks um Millionenbeträge betrogen haben sollen: „Ich nehme das persönlich“, sagte eine Kommunalbeamtin der 12.000-Einwohner-Gemeinde Barßel im Landkreis Cloppenburg, die als Zeugin geladen war. Gemeint war ein Schreiben, dass sie angeblich im Namen der Gemeinde unterschrieben und an die Firma Holt geschickt haben soll. Der Inhalt: Eine positive Einschätzung zu einem Windkraftprojekt in der Gemeinde Barßel.

Es ist das Schreiben– eine Fälschung schlechter Qualität auf einem veralteten Briefbogen, zumal sie für Baufragen nicht zuständig sei, wie die Beamtin vor Gericht beschrieb –, das die Ermittlungen im mutmaßlichen Millionenbetrug letztlich in Gang gesetzt hat. Denn anders als andere, denen gefälschte Unterlagen im Zusammenhang mit Aktivitäten des Holt-Imperiums aufgefallen aber offenbar egal waren, erstattete sie Anzeige.

Lesen Sie auch: Holt-Prozess in Osnabrück: Die Lokalpolitik im Zeugenstand

Deutsche Windguard fragte nach

Dass die Kommunalbeamtin überhaupt erfuhr, dass ein Schreiben mit ihrer gefälschten Unterschrift in Umlauf war, liegt an einer Mitarbeiterin des Vareler Unternehmens Deutsche Windguard. Sie sollte im Auftrag eines Kunden Windkraftprojekte prüfen.

Anders als Anwaltskanzleien, kamen ihr die im Datenraum hinterlegten Dokumente zu Projekten vor allem im Landkreis Cloppenburg und Emsland seltsam vor. Dabei ging es jedoch nicht um gefälschte Nutzungsverträge, die schon öfter im Verfahren ein Thema waren. „Die Verträge zu prüfen war nicht meine Aufgabe“, so die Projektmanagerin am Donnerstag vor Gericht.

Gert Westdörp

Ihr Interesse weckten die Gemeindeschreiben und Naturschutzgutachten. Auf letzteren habe fast immer ein ähnliches Datum und eine ähnliche Unterschrift für jedes Projekt gestanden. Und trotz des Hinweises, dass einige Projekte nicht in einem Vorranggebiet lagen, habe der Hinweis in den Unterlagen gestanden, die Projekte hätten Aussicht auf Erfolg. „Das habe ich nicht so gesehen und hätte mich gerne dazu mit dem Gutachter ausgetauscht“, sagte die Deutsche Windguard-Mitarbeiterin aus.

Lesen Sie auch: Holt-Prozess in Osnabrück: Hätte der mutmaßliche Betrug früher auffliegen können?

Rundruf in den Gemeinden schon 2018 - vor Treffen in Herzlake

Dazu kam es jedoch nicht. Einen Rückruf des Umweltgutachters der Holts habe sie nicht bekommen. Zeitgleich griff die Mitarbeiterin zum Telefonhörer und rief in den Gemeinden an. Obwohl der Chef einer weiteren Gesellschaft der Windguard-Gruppe sie darauf aufmerksam machte, dass dies nicht ihre Aufgabe sei – und sie die Nachfragen einstellen solle.

In den Gemeinden habe sie immer wieder das gleiche gehört: Die in den Schreiben aufgeführten Mitarbeiter wussten von nichts, Windenergieprojekte waren nicht geplant, Mitarbeiter waren nicht zuständig oder in einem Fall zum Zeitpunkt der Unterschrift bereits in Rente.

Swaantje Hehmann
Einer der Hauptbeschuldigten: Hendrik Holt.

All diese Nachfragen liefen bereits im Jahr 2018 – bevor im Juli 2019 ein Treffen zwischen Umweltgutachter, Hendrik Holts Mutter und Partnern in der Gemeinde Herzlake stattfand und Samtgemeindebürgermeister Ludwig Pleus Mutter Holt mit einem gefälschten Schreiben konfrontierte, das ihm die Staatsanwaltschaft zugeschickt hatte, wie Dieter Pohlmann, der als Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters bei dem Treffen anwesend war, vor Gericht aussagte.

Lesen Sie auch: Als Hendrik Holt Diplomat werden wollte und auf Schwindler hereinfiel

Auch bei der Deutschen Windguard hatte man 2019 noch einmal mit den Holts zu tun. Wieder sollte ein Portfolio mit Windkraftprojekten geprüft werden, wie die Projektmanagerin aussagte. Dieses sei fast identisch gewesen mit dem, das sie 2018 bereits geprüft hatte. Da sie sich zu dem Zeitpunkt im Urlaub befand, habe die Aufgabe jedoch ein Kollege übernommen. Dieses Mal sei verboten worden, bei den Gemeinden anzurufen, so berichtete die Projektmanagerin.

Der Prozess wird am 21. Dezember fortgesetzt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der NOZ MEDIEN und mh:n MEDIEN