Maestro wird abgeschafft Giro-, Debit- und Kreditkarte: Was die Bankkarten können – und was nicht

Die meisten Deutschen haben mindestens eine Bankkarte in ihrem Portemonnaie.Die meisten Deutschen haben mindestens eine Bankkarte in ihrem Portemonnaie.
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Osnabrück. Maestro wird abgeschafft. Zudem erheben immer mehr Banken bei der Girocard eine Gebühr und geben stattdessen Debit- und Kreditkarten raus. Welche Bankkarte was kann und welche Sie wofür brauchen - ein Überblick.

Was früher einmal die EC-Karte war, nennt sich heute Girocard und steckt in Deutschland in nahezu jedem Portemonnaie. Rund 100 Millionen Girocards sind hierzulande im Umlauf. Daneben gibt es Debitkarten und Kreditkarten sowie Funktionen wie Maestro und V-Pay, deren Logos die Girocard zieren. Doch künftig müssen sich Bankkunden auf Veränderungen einstellen, denn Maestro wird abgeschafft. Zudem erheben immer mehr Banken Gebühren für die beliebte Girocard. Was bedeutet all das für den Verbraucher? Und welche Bankkarte braucht man überhaupt für welchen Einsatzzweck? Ein Überblick:

Was ist eigentlich eine Girocard?

Die Girocard ist eine Debitkarte. Sie ermöglicht kontaktloses Zahlen an entsprechenden Geräten, der jeweilige Betrag wird im Anschluss direkt von dem zugehörigen Girokonto abgebucht. „Die Girocard ist ein effizientes, deutsches Debit-Zahlungssystem. Sie hat allerdings zwei Nachteile“, sagt Jürgen Moormann, Professor für Bank- und Prozessmanagement an der Frankfurt School of Finance & Management. „Erstens kann sie nicht im E-Commerce, also für Zahlungen im Internet, benutzt werden. Und zweitens funktioniert sie nur in Deutschland, da die Abwicklung über die von der Deutschen Kreditwirtschaft autorisierten Netzbetreiber erfolgt.“

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Was bedeutet die Maestro-Funktion?

„Damit die Girocard trotzdem im Ausland verwendet werden kann, setzen deutsche Banken auf die Maestro-Funktion von Mastercard, sie kooperieren also mit internationalen Kartenfirmen“, so Moormann. Das Pendant vom Konkurrent Visa nennt sich V-Pay. Auf der Girocard finden sich daher meistens zwei Logos: Girocard und eben V-Pay oder Maestro.

Was bedeutet das Maestro-Aus für Verbraucher?

Ab dem 1.Juli 2023 dürfen keine neuen Karten mehr mit Maestro-Funktion ausgegeben werden. „Für den Verbraucher hat das vorerst keine Auswirkungen“, sagt Moormann. Denn bis Mitte 2023 dürfen Girokarten weiterhin mit der Maestro-Funktion ausgestellt und bis zum Ablauf des Gültigkeitsdatums auch genutzt werden. Erst danach werden Banken damit beginnen, abgelaufene oder verlorene Karten zu ersetzen.

Warum wird die Funktion abgeschafft?

Der US-Anbieter begründet die Abschaffung damit, dass die Funktion nicht ausreichend für den Onlinehandel ausgelegt und daher nicht mehr zeitgemäß sei. Payment-Experte Moormann sieht jedoch vor allem den Wettbewerb als Grund für das Maestro-Aus: „Mastercard und Visa wollen ihre Position im deutschen Markt ausbauen und dementsprechend ihre eigenen Karten an die Leute bringen.“ Der Bundesbank zufolge wurden im Corona-Jahr 2020 im stationären Handel 48 Prozent der Umsätze mit der Girocard erledigt. Der Marktanteil von Mastercard- und Visa-Karten ist hingegen deutlich niedriger.

Mastercard will Experten zufolge künftig mehr am Umsatz im Handel verdienen. Denn Händler, die Kartenzahlung anbieten, müssen eine Gebühr bezahlen. Bei Mastercard und Visa fällt diese höher aus. Die Girocard hingegen sei nicht nur kostengünstig und breit akzeptiert, sagt Moormann. „Sie sorgt zudem für Wettbewerb, indem sie es den Kartenkonzernen schwerer macht, sich mit ihren Produkten durchzusetzen“.

Wird die Girocard verschwinden und bargeldloses Zahlen teurer?

Ohne Maestro-Funktion werde die Girocard für den Verbraucher unattraktiver. Mittel- bis langfristig werde das beliebte Zahlungsmittel daher wohl verschwinden, sagt Moormann. „Setzt Europa der zunehmenden Marktmacht der US-Anbieter Mastercard und Visa nichts entgegen, wäre womöglich die Folge, dass Händler bei Kartenzahlungen künftig dauerhaft höhere Gebühren zahlen müssen, die sie dann wiederum an die Konsumenten weitergeben könnten.“

Es gibt zwar auch Banken, die ihre Girocard mit dem Konkurrenzsystem V-Pay von Visa ausgestattet haben, dass ebenfalls den Auslandseinsatz ermöglicht. Branchenkenner erwarten allerdings, dass auch Visa bald nachzieht und V-Pay einstellt.

Hinzu kommt, dass einige Banken ihre Kunden weg von der Girocard hin zu Zahlungskarten der US-Anbieter erziehen wollen. Bei der ING, der größten Direktbank in Deutschland, wird beispielsweise ab Anfang März 2022 für die Girocard 0,99 Euro pro Monat fällig. Auch bei der Direktbank DKB müssen Neukunden für die Girocard 0,99 Euro monatlich zahlen. Bei der Consors Bank kostet die optional hinzubuchbare Girocard bei Kontoeröffnung ab März 1,00 Euro pro Monat. Im Gegenzug geben die Institute kostenlose Debitkarten von Visa oder Mastercard heraus.

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„Wir vermuten, dass die Institute die Girocard bepreisen, um ihren Kunden neue Verträge für Debitkarten von Mastercard oder Visa anzubieten“, sagt Heike Nicodemus, Expertin bei der Zeitschrift «Finanztest» der Stiftung Warentest gegenüber der Deutschen Presseagentur. Möglicherweise sei das für die Institute kostengünstiger.

Brauche ich überhaupt eine Girocard?

„Wer in Deutschland bargeldlos bezahlen will, ist oft − zumindest noch − auf die Girocard angewiesen“, sagt Bankenexperte Moormann. Der Grund: Viele vor allem kleine Händler, aber auch Gastronomen, Apotheker oder Tankstellenbesitzer fürchten die höheren Gebühren von Mastercard und Visa, weswegen sie als Kartenzahlung nur die Girocard akzeptieren.

Was ist der Unterschied zwischen einer Debit- und Kreditkarte?

„Die Grenzen verschwimmen“, sagt Moormann. Debitkarten von Mastercard oder Visa ähneln auf den ersten Blick Kreditkarten. Sie haben die bei Kreditkarten typische Nummer, untergliedert in vier Blöcke à vier Ziffern, dazu noch den Sicherheitscode und das Gültigkeitsdatum.

Der wichtigste Unterschied aber ist, dass das ausgegebene Geld bei Debitkarten zeitnah vom Konto abgebucht wird. Bei der Kreditkarte hingegen erfolgt die Abbuchung erst später. Die Umsätze werden auf einem eigenen Kreditkartenkonto gesammelt und meist einmal im Monat in einem Betrag fällig. „In Deutschland werden Karten von Anbietern wie Visa oder Mastercard meistens als Debitkarten ausgegeben“, sagt Moormann. Zu erkennen ist dies durch eine entsprechende Kennzeichnung auf der Kartenrückseite.

Wofür brauche ich eine Debit- oder Kreditkarte?

Wer im Netz einkaufen will, braucht dafür oft eine Kreditkarte oder Debitkarte von Mastercard oder Visa. Gleiches gilt oftmals beim Bezahlen mit dem Smartphone: In den Systemen von Apple und Google können Verbraucher beide Karten hinterlegen. Schwieriger wird es, wenn man viel unterwegs ist: Bei Hotelreservierungen und Mietwagenbuchungen, für die eine Kaution geblockt werden muss, wird in der Regel nur eine Kreditkarte akzeptiert.

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Gibt es noch Alternativen beim bargeldlosen Bezahlen?

„Entweder wird der Zahlungsverkehr künftig noch stärker von den Amerikanern dominiert oder es gelingt, die European Payments Initiative EPI auf den Markt zu bringen“, sagt Moormann. Bei diesem Projekt wollen Banken den US-Schwergewichten Apple, Google, PayPal, Visa und Mastercard eine europäische Lösung für den elektronischen Zahlungsverkehr entgegensetzen. Die Entscheidung für oder gegen den Aufbau zieht sich allerdings noch hin. „Europa hat im Payment-Bereich lange Jahre geschlafen. Das ist nun die letzte Chance, ansonsten sind wir endgültig abgehängt“, so Moormann.


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