zuletzt aktualisiert vor

Wie die Ostwirtschaft aufholt Von blühenden Landschaften

Von Michael Clasen

Osnabrück. Die DDR-Wirtschaft stand am Rand des Ruins. Nach dem Fall der Mauer gab Altkanzler Helmut Kohl sein berühmtes Versprechen von den „blühenden Landschaften“, doch Hiobsbotschaften von Massenarbeitslosigkeit und Industriebrachen folgten. Im 20. Jahr der Einheit gibt es aber Grund zum Optimismus. Die wichtigsten Fakten:

Wachstum: Das Bruttoinlandsprodukt ist pro Einwohner von 43 Prozent (1991) auf 73 Prozent (2009) des westdeutschen Niveaus gestiegen. Bis 2009 flossen 30,5 Milliarden Euro an Investitionszulagen und 25 Milliarden Euro Bundesmittel für Investitionszuschüsse in die ostdeutsche Wirtschaft.

Arbeitsmarkt: Durch die Währungsunion wurde die DDR-Wirtschaft dem Weltmarkt ausgesetzt. Nach Zahlen des Zentrums für Sozialforschung (ZSH) wurden allein im Jahr 1992 im Osten 27155 Betriebe geschlossen. Massenarbeitslosigkeit war die Folge, die mit Vorruhestand und milliardenschweren Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogrammen entschärft wurde. 1994 lag die Arbeitslosenquote in Ostdeutschland bei 14,8 Prozent, 2005 auf dem Spitzenwert von 18,7 Prozent. Sie war damit immer etwa doppelt so hoch wie im Westen. Doch seit 2005 steigen die Beschäftigtenzahlen in den neuen Ländern stetig. Im September 2010 fiel die Arbeitslosenquote auf 11,0 Prozent (6,2 Prozent im Westen).

Abwanderung: Seit 1991 sind 1,1 Millionen Ostdeutsche abgewandert. Der Trend ist gestoppt, auch weil es nun fast ausreichend Ausbildungsplätze gibt.

Löhne: Das verfügbare Durchschnittseinkommen je Einwohner wuchs von 1991 bis 2007 in den neuen Ländern um 85 Prozent auf 1260 Euro im Monat, im Westen nur um 40 Prozent auf 1603 Euro. Dazu trugen auch Transferleistungen aus dem Westen erheblich bei. Die Verdienste sind unterschiedlich. Auch wenn der Osten aufgeholt hat, das Niveau liegt noch um ein Viertel niedriger als im Westen.

Infrastruktur: Von 1991 bis 2009 wurden in die Bundesfernstraßen 88,3 Milliarden Euro investiert, davon 32 Milliarden in den neuen Ländern. Mehr als 1840 Straßenkilometer wurden gebaut.

Unternehmen: Im Westen werden 73 Prozent der Investitionen von der Wirtschaft getragen, im Osten nur 43 Prozent – mangels größerer Industrieunternehmen. Seit 1990 wurden nach ZSH-Angaben eine halbe Million Betriebe gegründet, darunter börsennotierte Firmen wie die Jenoptik AG in Jena.

Landwirtschaft: Nach der Wende sank die Zahl der Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft im Osten von 923000 auf heute 159000. In der DDR waren 11 Prozent der Beschäftigten in dem Sektor tätig (BRD vier Prozent). Die großen Betriebe bewirtschafteten im Durchschnitt 4500 Hektar und beschäftigten 10 Arbeitskräfte je 100 Hektar in Produktion, Verwaltung und angeschlossenen Bereichen. Zum Vergleich: Westdeutsche Familienbetriebe kamen bereits mit rund 6,5 Arbeitskräften je 100 Hektar aus.Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) wurden erfolgreich privatisiert. Der Sektor ist eine Stütze der ostdeutschen Wirtschaft.