Hamburger Optikerkonzern Fielmann – mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise

Vorstandschef Marc Fielmann.Vorstandschef Marc Fielmann.
Uwe Koch/ Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de

Hamburg. Wieder will das Hamburger Unternehmen den Brillenmarkt revolutionieren – dank künstlicher Intelligenz und Smartphone.

Die Hamburger Fielmann AG findet überraschend schnell einen Ausweg aus der Corona-Krise. Im ersten Quartal 2021 kletterten Absatz, Umsatz und Gewinn deutlich, nachdem die Pandemie die Bilanz für 2020 eingetrübt hatte. Die flinke Erholung sei Ergebnis des „robuste Geschäftsmodells“ sowie „herausragender Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte Vorstandschef Marc Fielmann am Donnerstag.

Trotz Corona bleiben die Läden offen

Als „systemrelevanter Dienstleister im Gesundheitswesen“ darf die Optikerkette ihre Läden hierzulande und im Ausland auch während der Pandemie offen halten. Von Januar bis März dieses Jahres stieg der Umsatz um acht Prozent, der Gewinn kletterte um mehr als das Doppelte auf 28,5 Millionen Euro. Fielmann: „Der Umsatz liegt damit schon wieder über Vorkrisenniveau.“ 

Zwölf Prozent weniger Brillen verkauft

2020 hatte das noch ganz anders ausgesehen, die Corona-Einschränkungen sorgten beim deutschen Marktprimus für Rückgänge auf breiter Front. Fielmann verkaufte zwölf Prozent weniger Brillen, der Vorsteuergewinn sackte um ein knappes Drittel auf 175 Millionen Euro. Fielmann setzte 1,6 Milliarden Euro um (- 7,6 Prozent) und erhöhte nach dem Zukauf des spanischen Anbieters Spaniens, Óptica & Audiología Universitaria die Mitarbeiterzahl auf 21.800.

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Trotz der Konjunkturdelle habe es keinen Stellenabbau gegeben, berichtete der Vorstandschef. Das Unternehmen, das zu drei Vierteln der Familie gehört, habe außer dem Kurzarbeitergeld keine weitere staatliche Corona-Unterstützung in Deutschland beansprucht. Für kurzarbeitende Beschäftigte stockt der Konzern die Zahlungen auf 100 Prozent auf.

„Die Brille aus dem Online-Shop war bisher ein Zufallsprodukt.“Marc Fielmann, Vorstandsvorsitzender

Wie einst Firmengründer Günther Fielmann, macht sich nun auch sein Sohn und Nachfolger Marc daran, den Brillenmarkt aufzumischen. Das Unternehmen sei dabei, den Kauf von Korrekturbrillen über das Internet zu ermöglichen – und zwar in gewohnter hoher Qualität. Bisher vertreibt Fielmann nur Kontaktlinsen und Sonnenbrillen über das Netz. „Die Brille aus dem Online-Shop war bisher ein Zufallsprodukt“, erläuterte der 31-Jährige. Die Optikerkette sei dabei, dies durch innovative Messtechnik und künstliche Intelligenz zu ändern. Kunden erhielten die Möglichkeit, die nötigen Daten ihrer Augen und ihres Gesichts ohne Fachkenntnisse zu Hause selbst zu erfassen.

Virtuell ausprobieren, per Kamera Sehstärke messen

Schon jetzt können sich Brillenträger dank Augmented Reality am heimischen Computer Modelle aus dem Hause Fielmann virtuell auf die Nase setzen und das Aussehen kontrollieren. Seit diesem Monat lässt sich via Smartphone-App auch eine Zentrierung der Gläser vornehmen. Und auch das letzte Puzzlestück des digitalen Brillenkaufs ist zum Greifen nah. Sehtests zur Ermittlung der Dioptrinwerte – die Refraktion – würden in Kürze online möglich sein, versprach Fielmann. 

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Dafür hätten firmeneigene Forscher eine patentierte Technologie entwickelt, mit der Kunden per Kamera ihre Sehstärke selbst ermitteln. Die entsprechenden Testreihen seien absolviert, in einigen Wochen solle die Zertifizierung vorliegen. „Dann werden wir die Online-Refraktion in unsere digitalen Kanäle integrieren.“ 

Am Ziel einer deutlichen Ausweitung des Filialnetzes im In- und Ausland hält das Unternehmen gleichwohl fest. Online-Verkäufe würden langfristig nur rund zehn Prozent des Umsatzes ausmachen, vermutet der Vorstandschef.

Nachdem es wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr keine Dividende gegeben hatte, können sich die Aktionäre nun wieder auf eine Jahreszahlung freuen. Sie erhalten 1,20 Euro je Anteilsschein. 


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