Dringend benötigte Ausrüstung Lufthansa liefert Schutzmasken aus China – Entspannung in Sicht?

Von dpa

Wegen der Corona-Krise sind Kliniken und Pflegeheime in Deutschland dringend auf Schutzmasken angewiesen. Foto: imago images/Sven EllgerWegen der Corona-Krise sind Kliniken und Pflegeheime in Deutschland dringend auf Schutzmasken angewiesen. Foto: imago images/Sven Ellger

Frankfurt. Ärzte, Pfleger, Personal im Gesundheitswesen brauchen dringend Schutzmasken. Die Regierung kam mit der Beschaffung bisher kaum hinterher. Ändert sich das jetzt?

Mit Schutzmasken und anderer medizinischer Ausrüstung an Bord ist der erste Lufthansa-Passagierjet als reiner Frachtflieger in Frankfurt gelandet. Die Maschine vom Typ Airbus A330 war von Shanghai in China gut elf Stunden unterwegs gewesen, wie die Lufthansa Cargo am Mittwoch berichtete. 

Neben den Frachträumen des Jets seien auch die Staufächer über den Sitzen und die Kabine genutzt worden für insgesamt 30 Tonnen Fracht. Die modernste Frachtmaschine der LH Cargo fasst zum Vergleich 103 Tonnen. 

Lufthansa-Frachtflieger voll ausgelastet

Die 17 Frachtflieger der Lufthansa-Tochter sind in Folge der Corona-Krise voll ausgelastet, denn es fehlen die sonst mitgenutzten Kapazitäten der Passagierjets. Auf diese entfallen zu normalen Zeiten rund 50 Prozent der Frachtmenge. Die Lufthansa prüft nach eigenen Angaben den Einsatz weiterer Passagiermaschinen.

Die Lufthansa prüft nach eigenen Angaben den Einsatz weiterer Passagiermaschinen für Frachtflüge. Foto: imago images/Marcel Lorenz

Grundsätzlich wird Luftfracht vor allem für höherwertige Güter wie Pharmazeutika eingesetzt. Der Preis pro Kilo beträgt zu normalen Zeiten etwa das 40-fache der Seefracht.

FFP-2-Masken: Preise wieder fast halbiert

Bei der Versorgung von Kliniken und Pflegeheimen mit dringend benötigten Schutzmasken deutet sich langsam Entspannung an. Am Dienstag und Mittwoch wurden je eine Million sogenannte FFP-2-Masken ausgeliefert, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte. Ressortchef Jens Spahn (CDU) sagte der "Zeit", die Preise für solche Masken hätten sich nach einem astronomischen Anstieg wieder fast halbiert. China habe Exportverbote aufgehoben. Die Produktion laufe auf Hochtouren.

Auch Gernot Marx, Sprecher des Arbeitskreises Intensivmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), berichtete von einer Besserung. "FFP-2-Schutzmasken für das Personal werden allmählich wieder geliefert, weil in China die Produktion langsam wieder anläuft", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Versorgung mit Schutzausrüstung: Lieferungen nicht angekommen

Aus der Gesundheits- und Pflegebranche war die Bundesregierung wiederholt dringend um Hilfe bei der Versorgung mit Schutzausrüstung gebeten worden. Um die Beschaffung kümmert sich federführend das Beschaffungsamt der Bundeswehr. Das Gesundheitsministerium verwies allerdings darauf, dass der Markt extrem umkämpft sei. Zuletzt seien sogar bereits zugesagte Lieferungen nicht gekommen.

"Wir hätten uns doch nie vorstellen können, dass so ein Cent-Produkt auf einmal so einen Mangel hat", sagte Spahn in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". Der Minister ging auch auf einen "Spiegel"-Bericht über frühzeitige Warnungen vor einem Maskenmangel ein, die nicht beantwortet worden seien. Er bekomme jeden Tag sehr viele Emails mit den unterschiedlichsten Hinweisen. Wenn es keine Antwort gegeben habe, tue ihm das leid.

Schließungen ambulanter Pflegedienste drohen

Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt appellierte zu kreativen Lösungen aus den verschiedensten Branchen. "Ob Automobilzulieferer oder Textilunternehmen – alle sind aufgerufen, wenn irgend möglich ihre Fertigung umzustellen und in die Produktion von Schutzausrüstung einzusteigen." Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) warnte, wenn der Bedarf an Schutzkleidung nicht schnell gedeckt werde, drohten Schließungen ambulanter Pflegedienste und anderer sozialer Dienste.


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