Landwirtschaft Niedersachsens Agrarexport boomt

<em>Fleisch und Fleischprodukte</em> sind der größte Posten der niedersächsischen Agrar-Exportbilanz der ersten sechs Monate. Foto: dpaFleisch und Fleischprodukte sind der größte Posten der niedersächsischen Agrar-Exportbilanz der ersten sechs Monate. Foto: dpa

Osnabrück. Milch, Getreideprodukte und vor allem Fleisch – die niedersächsische Landwirtschaft und die Nahrungsindustrie exportieren mehr Ware ins Ausland denn je. Im ersten Halbjahr 2013 stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,3 Prozent. Die Landwirtschaftslobby unterstützt diesen Trend und will den Export noch steigern. Umweltschützer warnen vor schädlichen Folgen in Zielländern, aber auch für die heimischen Landwirte.

Im Fünfjahresvergleich ist der Exportzuwachs noch deutlicher: Gemessen an den ersten sechs Monaten des Jahres 2008, legten die Agrarausfuhren um ganze 25 Prozent zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verkauften hiesige Unternehmen von Januar bis Juni Ware im Wert von fast fünf Milliarden Euro ins Ausland. Niedersachsen ist damit die Nummer zwei unter den Bundesländern: Nordrhein-Westfalen (7,7 Milliarden Euro) steht im Halbjahresvergleich an der Spitze, Bayern liegt mit 4,2 Milliarden Euro auf Platz drei.

Der Ausstoß der niedersächsischen Fleischindustrie ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um 0,3 Prozent zurück, lieferte in der Halbjahresrechnung aber dennoch den mit Abstand größten Posten: fast 1,3 Milliarden Euro. Der stark gesteigerte Export von Milch und Milchprodukten kam auf 948 Milliarden Euro, den drittgrößten Anteil machten mit 613 Millionen Euro Backwaren und Getreideerzeugnisse aus.

Einen Rückgang erlebten die Produzenten lebender Schweine und Rinder: Ihr Export brach um 19 Prozent (Schweine) und 12 Prozent (Rinder) ein. Grund sind vor allem verschärfte Importvorschriften der wichtigen Abnehmerländer Russland und China. Die Geflügelmäster hingegen konnten ihre Ausfuhr lebender Tiere um 59 Prozent steigern.

Christian Meyer, der Grünen-Landwirtschaftsminister Niedersachsens, freut sich über die Exporterfolge der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Er merkt aber an, im Segment der Bioprodukte stamme immer noch die Hälfte der im Bundesland verbrauchten Ware aus dem EU-Ausland. „Deshalb wollen wir neben der konventionellen auch die ökologische Landwirtschaft etwa durch Verbesserung bei den Förderbedingungen stärken“, sagte Meyer unserer Zeitung. Ziel der Landesregierung sei es, „auch den Inlandsumsatz durch verstärkten Absatz von tier- und umweltgerecht erzeugten Qualitätsprodukten zu steigern“.

Während der Landesbauernverband, Landvolk und der Arbeitgeberverband Agrar, Genossenschaften, Ernährung Niedersachsen den Export-Boom gutheißen, übt die Umweltschutzorganisation BUND deutliche Kritik. Der niedersächsische BUND-Agrarexperte Tilman Uhlenhaut warnte im Gespräch mit unserer Zeitung vor wirtschaftlichen und sozialen Schäden in belieferten Entwicklungsländern etwa in Afrika. Aber auch viele heimische Landwirte, so Uhlenhaut, werde die immer stärker für den Export ausgebaute Agrarindustrie in den Ruin treiben. Seite 6


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