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Interview mit unserer Zeitung Allianz sieht kein Ausfallrisiko bei italienischen Staatsanleihen

Der Anteil italienischer Staatsanleihen an den Kapitalanlagen der Allianz liegt bei über zwei Prozent, aber der Versicherer sieht kein großes Ausfallrisiko. Foto: Harry MelchertDer Anteil italienischer Staatsanleihen an den Kapitalanlagen der Allianz liegt bei über zwei Prozent, aber der Versicherer sieht kein großes Ausfallrisiko. Foto: Harry Melchert

Der Versicherungskonzern Allianz sieht bei italienischen Staatsanleihen kein Ausfallrisiko. Das sagte der designierte Allianz-Finanzvorstand Maximilian Zimmerer unserer Zeitung.

Der Anteil italienischer Staatsanleihen an den Kapitalanlagen der Allianz Lebensversicherung liege bei über zwei Prozent. "Hier sehe ich aber kein Ausfallrisiko. Ich halte die Zinsen sogar für hochattraktiv", sagte Zimmerer. Auch deutsche Aktien hält er - abgesehen von Banken - für derzeit sehr günstig bewertet".

Das Interview im Wortlaut:

Der Garantiezinssatz in der Lebensversicherung sinkt zum Jahreswechsel von 2,25 auf 1,75 Prozent. Wie wirkt sich das auf Ihre Kunden aus?

Unsere Kunden werden nichts davon spüren, weil wir ihnen einschließlich der laufenden Überschussbeteiligung 4,0 Prozent für 2012 gutschreiben werden. Dazu kommt noch der Schlussüberschuss von 0,5 Prozent. Wir sind also weit weg vom Garantiezins.

Und wie wirkt sich die Euro- und Staatsschuldenkrise auf die Gesamtverzinsung Ihrer Versicherung aus?

Man kann sagen: unwesentlich. Die gesunkenen Zinsen bei Bundesanleihen werden nahezu ausgeglichen dadurch, dass in vielen EU-Staaten die Zinsen gestiegen sind. Dass es zwischen den Anleihen von Staaten der Euro-Zone Zinsunterschiede von über vier Prozent gibt, ist sehr ungewöhnlich. Ich lasse bei dieser Betrachtung Griechenland weg, sonst wären die Unterschiede noch viel größer. Nicht nur aus Renditegründen, sondern auch aus Sicherheitserwägungen sollte man bei Staatsanleihen breit streuen. Als Lebensversicherer neigen wir dazu, auf Sicherheit zu setzen, und engagieren uns weniger in Staaten, die hohe Zinsaufschläge zahlen. Wir investieren zum Beispiel nicht mehr neu in den sogenannten PIIGS-Staaten.

Wie hoch ist Ihr dortiges Engagement?

Die Staatsanleihen von Portugal, Irland, Griechenland und Spanien machen einen Anteil von 0,2 Prozent unserer Kapitalanlagen aus. Bei Italien liegt der Anteil über zwei Prozent. Hier sehe ich aber kein Ausfallrisiko. Ich halte die Zinsen sogar für hochattraktiv.

In welchem Ausmaß wäre die Allianz an dem von der EU beschlossenen Schuldenschnitt-Konzept für Griechenland beteiligt?

Wahrscheinlich mit gut 70 Millionen Euro. Die haben wir schon abgeschrieben, sodass sich daraus keine Belastungen mehr ergeben. Wir haben 150 Milliarden Euro an Kapitalanlagen in der Lebensversicherung. Da entsprechen 70 Millionen einem Anteil von unter 0,05 Prozent. Das ist signifikant weniger als eine Tagesschwankung bei unseren Aktienengagements.

Und welche Rolle spielen Aktien im Finanzportfolio der Allianz?

Der Großteil unserer Kapitalanlagen – zwischen 85 und 88 Prozent – besteht aus festverzinslichen Papieren. Im Moment haben wir gut drei Prozent Immobilien. Rein börsennotierte Aktien machen nur etwa gut fünf Prozent aus, der Rest sind Beteiligungen und alternative Investments in Windparks oder Solaranlagen sowie Infrastrukturinvestments.

Bereitet Ihnen der Verfall der Aktienkurse 2011 Probleme?

Der DAX steht bei minus 16 Prozent im Jahresverlauf. Wenn Sie das auf die Quote von gut fünf Prozent beziehen, ergibt sich ein negativer Effekt von 0,8 Prozent auf unsere gesamten Kapitalanlagen. Die Kursverluste wurden durch die Euro-Krise verursacht, den meisten Unternehmen geht es sehr gut. Deutsche Aktien sind derzeit sehr günstig bewertet. Wenn Sie die Banken ausklammern, weisen die übrigen Werte im DAX ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter zehn und eine Dividendenrendite von 5,5 Prozent auf.

Wird die Allianz Leben ihre Ziele 2011 erreichen?

Wir werden sie übertreffen. Aufgrund eines starken Rückgangs der Einmalbeiträge, mit dem wir gerechnet haben, werden wir nicht die Beitragseinnahmen des Vorjahres erreichen, aber signifikant besser aussehen als geplant. Unser Neugeschäft bei Versicherungen mit laufenden Beiträgen ist mit einer zweistelligen Rate gewachsen. Eine solche Entwicklung hatten wir seit zehn Jahren nicht. Auch beim Überschuss werden wir mindestens die Planung erreichen.

Wie erklären Sie Kunden Ihrer Krankenversicherung die teils massiven Beitragsanhebungen in einer Zeit, in der die gesetzlichen Kassen Überschüsse erzielen?

In der gesetzlichen Krankenversicherung wurde der Beitragssatz um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent vom Einkommen angehoben. Außerdem profitieren die gesetzlichen Kassen von einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit und dem Anstieg der Lohneinkommen. In der privaten Krankenversicherung steigen die Beiträge nicht automatisch mit den Gehaltserhöhungen. Gleichwohl sind Beitragserhöhungen notwendig, um den steigenden Leistungsausgaben Rechnung zu tragen. Das Gesundheitssystem hat in etwa eine doppelt so hohe Inflationsrate wie die allgemeine Volkswirtschaft. Die Allianz hat ihre Beiträge 2011 nur sehr moderat, im Durchschnitt um weniger als ein Prozent, angehoben. Wir müssen auch erkennen, dass die privaten Versicherer nicht die gleichen Möglichkeiten haben wie die gesetzlichen, auf die Kosten einzuwirken. Uns bleibt es zum Beispiel verwehrt, mit großen Krankenhausträgern über Effizienzreserven und Qualitätsanforderungen zu verhandeln.

Ist der inflatorische Effekt also bei Ihnen höher als in der gesetzlichen Krankenversicherung?

Das ist eindeutig so. Das liegt unter anderem daran, dass es in der gesetzlichen Krankenversicherung in der Vergangenheit mehrfach zu Kürzungen beim Leistungskatalog gekommen ist. Wenn Sie eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben, ist der Leistungskatalog auf Dauer festgelegt. Aber ich will einen zweiten Effekt nicht verschweigen: die gesunkenen Zinsen an den Kapitalmärkten. Wenn wir daraus weniger Ertrag erzielen, gibt es weniger Dämpfungsmasse für den Kostenanstieg in der Krankenversicherung.

Wie ist die Kundenentwicklung der Allianz Krankenversicherung?

In den letzten Jahren war die Zahl der vollversicherten Kunden rückläufig. Unterstützt durch Produktneuerungen, konnten wir das Neugeschäft 2011 in der Vollversicherung deutlich ausbauen. Ein sehr starkes Plus gibt es in der Zusatzversicherung, wo wir das Neugeschäft nahezu verdoppelt haben. Die stärksten Impulse gab es in der Pflegezusatzversicherung. Die Zusatzversicherungen machen allerdings in der privaten Krankenversicherung nur ein Viertel Beitragseinnahmen aus.

Bade-Orgien mit Prostituierten in Budapest, Besuch im Rotlichtviertel von Rio: Auswüchse bei sogenannten Incentive-Reisen in Ihrer Branche haben 2011 für Schlagzeilen gesorgt. Wie reagieren Sie darauf?

Ich bin überzeugt, dass die genannten Auswüchse nicht zum Standard in der Branche gehören. Vertriebsreisen gibt es im Übrigen nicht nur bei Versicherungen. Prinzip solcher Reisen ist, dass die besten Vermittler einmal im Jahr mit der Geschäftsleitung zusammenkommen, das Management über die Unternehmensentwicklung berichtet und die besten Vertreter auszeichnet. Für einen Vorstand ergibt sich dabei die Gelegenheit, sich intensiv mit den Vertretern auszutauschen, über Produkte, Service und Einzelfälle zu sprechen, auch über solche, in denen man als Problemlöser tätig werden kann. Corporate Governance ist ein großes Thema. Dies gilt auch für Vertriebsreisen. Der Aufwand für solche Veranstaltungen und der Rahmen müssen angemessen sein. Eine regelmäßige Überprüfung ist notwendig. Es ist durch geeignete Mechanismen sicherzustellen, dass auch außerhalb des offiziellen Tagungsprogramms die Maßstäbe eingehalten werden, für die wir als Unternehmen stehen.


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