Bundesregierung spricht von Überangebot Kälber für einen Euro - Preise stark eingebrochen

Von Dirk Fisser, 09.11.2019, 01:01 Uhr
Ein Kalb auf einem Bauernhof. Foto: dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Osnabrück. Was bekommt man für einen Euro? In vielen Eisdielen nicht einmal mehr eine Kugel Eis. Für einen Euro werden dieser Tage aber zum Teil Kälber verkauft.

Der Preis für Kälber ist in Deutschland in den vergangenen Monaten "stark eingebrochen". Das schreibt die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Demnach bekamen Landwirte im Oktober im Schnitt gerade 8,49 Euro für ein Kuhkalb – im Mai lag der Preis noch bei gut 25 Euro und schon das war deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Einzelne Abrechnungen von Landwirten, die unserer Redaktion vorliegen, weisen sogar Preise von einem Euro pro Kalb aus – inklusive Mehrwertsteuer.

Foto: dpa/Mohssen Assanimoghaddam


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Das Bundeslandwirtschaftsministerium beruft sich auf Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Demzufolge bekamen Bauern auch für Bullenkälber deutlich weniger Geld: Im Oktober lag der durchschnittliche Preis bei unter 50 Euro. Im Mai waren es noch fast 105 Euro. Die Bundesregierung begründet den Preiseinbruch mit einem Überangebot an Kälbern.

Wohin mit den Kälbern?

Um die Milchproduktion auf den Betrieben am Laufen zu halten, werden Kühe künstlich befruchtet. Nicht für jedes Kalb – und besonders nicht für männliche - ist aber Platz auf den Milch-Bauernhöfen. Jene Tiere werden dann verkauft. Gerade in Norddeutschland haben sich viele Landwirte auf die Milchproduktion spezialisiert. Überzählige Kälber verkaufen sie an  Mäster. Diese päppeln die Tiere auf, bis sie schlachtreif sind. 

Doch der Wirtschaftszweig ist ordentlich ins Stocken geraten. Schuld sind daran unter anderem die beiden zurückliegenden Dürresommer. Die Preise für Futter stiegen angesichts vertrockneter Felder derart an, dass viele Mäster ihre Ställe lieber leer ließen als ein finanzielles Risiko einzugehen. 

Foto: Jan Woitas


Milchviehhalter fanden und finden keine Abnehmer. Im Süden Deutschlands kommt hinzu, dass in manchen Regionen die sogenannte Blauzungenkrankheit ausgebrochen ist. Landwirte aus diesen Regionen haben Probleme, ihre Tiere zu vermarkten. Das drückt den Durchschnittspreis.  

Export ins Ausland stockt

Und auch der Export ins Ausland stockt. Die Antwort der Bundesregierung zeigt, dass der Verkauf von Kälbern ins EU-Ausland stark zurückgegangen ist. Hintergrund sind wohl Bedenken in vielen Veterinärbehörden. Sie genehmigen die Exporte junger Kälber nicht. Es bestehen Zweifel, ob Tiere gerade auf langen Transporten etwa Richtung Spanien ordnungsgemäß versorgt und damit qualfrei exportiert werden können.

In der Branche ist das umstritten. Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Bauernverbandes, sagte zu den ausbleibenden Genehmigungen: „Das führt direkt und unmittelbar zu einem starken regionalen Angebotsüberhang und zu diesem Preisverfall. Dieses Verhalten der Behörden halten wir für untragbar.“

Darum sind gerade Kuhkälber so billig

Dass besonders die Preise für Kuhkälber derart stark zurückgehen, begründet Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen damit, dass die weiblichen Tiere gerade der spezialisierten Milchrassen nur schwer gewinnbringend gemästet werden können. 

Allerdings handele es sich dabei nur um wenige Tiere – in Niedersachsen würden etwa 30 bis 40 pro Woche verkauft, die häufig auch noch unfruchtbar seien. Denn die meisten Kuhkälber würden aufgezogen und in der Milchproduktion eingesetzt.

Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen, kritisiert die Entwicklung als symptomatisch: „In der industriellen Milchproduktion verkommen die nicht benötigten Kälber zu wertlosen Nebenprodukten.“

Allerdings haben nach Angaben des Marktexperten Hortmann-Scholten die Preise jüngst wieder gedreht: Zuletzt sei ein Anstieg zu verzeichnen gewesen – zumindest bei den Bullenkälbern. Denn die Tiere die jetzt von Mästern eingestallt würden, kämen rund um Ostern als Kalbsfleisch auf die Festtagstische. Dann sei die Nachfrage traditionell sehr groß.

Foto: imago/CHROMORANGE Chips 1033001938


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