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Druck auf Konzern steigt Bayer bekräftigt Jahresziele - Glyphosat-Klagewelle rollt

Von dpa

Das Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen. Foto: Oliver Berg/dpaDas Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen. Foto: Oliver Berg/dpa

Leverkusen. Der Streit um das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verhagelt Bayer die Freude über positive Quartalszahlen. Die Klagewelle gegen das Bayer-Tochterunternehmen Monsanto in den USA reißt nicht ab.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer macht im Tagesgeschäft Fortschritte - in den USA aber wird das Dax-Unternehmen von der Glyphosat-Klagewelle geradezu überrollt.

Binnen drei Monaten bis Mitte Oktober hat sich die Zahl der Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken durch Unkrautvernichter mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat mehr als verdoppelt. Der Druck auf Bayer, sich in einem Vergleich mit der Gegenseite zu einigen, dürfte damit steigen. Die Geschäfte des Dax-Konzerns dagegen entwickelten sich im dritten Quartal dank der hohen Nachfrage nach Agrarprodukten und wachstumsstarken Medikamenten besser als gedacht.

Bis zum Stichtag 11. Oktober lagen in den USA 42 700 Klagen vor, wie Bayer am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen in Leverkusen mitteilte. Der nochmals beschleunigte Anstieg überraschte allerdings wenig, da die Klägeranwälte zuletzt noch einmal Mandanten geworben hatten. Bayer hat seit August 2018 drei Prozessniederlagen in den USA hinnehmen müssen und war jeweils zu hohen Strafen verurteilt worden. Dass glyphosathaltige Monsanto-Produkte Krebs verursachen, weist das Unternehmen mit Verweis auf zahlreiche Studien aber weiterhin zurück. Bayer ist in allen drei Verfahren in Berufung gegangen. Bis eine Entscheidung fällt, könnte es Monate dauern.

Parallel laufen aber auch Vergleichsverhandlungen, Massenklagen werden in den USA oftmals mit Vergleichen beigelegt. Voraussetzung dafür sei neben der finanziellen Angemessenheit aber auch die Sicherheit eines weitestmöglichen Abschlusses des Glyphosat-Komplexes, betonte Konzernchef Werner Baumann im Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Ein Abschluss der Causa Glyphosat würde dem Management einen wieder stärkeren Fokus auf das Tagesgeschäft ermöglichen. Hier lief es im dritten Quartal nach Zuwächsen im Pharma- und Agrarbereich etwas besser als von Analysten erwartet. Im dritten Quartal profitierte Bayer von der Nachfrage nach Medikamenten wie dem Gerinnungshemmer Xarelto. Zudem lief es im Agrar-Geschäft, in dem der 2018 übernommene US-Saatgutkonzern Monsanto aufging, wieder besser.

Der Konzernumsatz stieg in den drei Monaten bis Ende September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,1 Prozent auf 9,83 Milliarden Euro. Vor Währungs- und Portfolioeffekten hätte das Plus 5,4 Prozent betragen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 7,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu. Der Überschuss fiel zwar um 64 Prozent auf rund eine Milliarde Euro, allerdings hatte der Verkauf von Teilen des Saatgutgeschäfts an die BASF dem Dax-Konzern im Vorjahr einen Sondergewinn beschert.

Bayer-Chef Werner Baumann peilt 2019 einen Umsatzanstieg vor Wechselkurseffekten sowie Zu- und Verkäufen von Unternehmensteilen um rund vier Prozent auf 43,5 Milliarden Euro an. Der Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen soll etwa 11,5 Milliarden Euro erreichen.


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