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07.10.2019, 18:05 Uhr KOMMENTAR

Offshore-Probleme liegen an Land

Ein Kommentar von Klaus Wieschemeyer


In diesen Kunststoffrohren sollen Erdkabel Strom transportieren. Gegen solche Erdverkabelungen regt sich Widerstand. Foto: Roland Weihrauch/dpaIn diesen Kunststoffrohren sollen Erdkabel Strom transportieren. Gegen solche Erdverkabelungen regt sich Widerstand. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Hannover. Windstrom aus dem Meer könnte längst ein Schlüssel zur Lösung der deutschen Energieprobleme sein. Doch neben der Politik blockieren oft die Bürger vor Ort den notwendigen Ausbau.

Und sie bewegt sich doch: Jahrelang haben die norddeutschen Länder die Bundespolitik vergeblich vor einer Krise der Windkraft und dem Wegfall zehntausender Arbeitsplätze gewarnt. Nun scheint die Botschaft in Berlin angekommen. Das hat zwar weniger mit den gefährdeten Jobs als mit dem neu entdeckten Aktionismus der Politik in der Klimadebatte zu tun, doch die Branche kann Hoffnung schöpfen. 

Zumindest auf dem Meer könnten die Pläne gewaltiger Windfarmen bald Wirklichkeit werden. Die Kinderkrankheiten aus der Anfangszeit der Offshore-Windkraft sind überwunden, längst produzieren neue Anlagen Strom zu Marktpreisen. Und nach Einführung einer CO2-Abgabe dürften die Erneuerbaren ihre Kohle- und Gaskonkurrenten klar übertrumpfen. 

Die Probleme der Branche liegen längst eher an Land als auf See: Soll der Strom aus dem windreichen Norden in den industriestarken Süden kommen, müssen Leitungen gelegt werden. Das stößt ebenso auf erbitterten Widerstand wie Versuche, neue Windparks an Land aufzubauen. Zwar fordern immer mehr Menschen mehr grüne Energie. Doch die Leitung oder den Rotor dazu möchte wiederum kaum jemand vor seinem Haus haben. 

Soll die Energiewende doch noch gelingen, müssen sowohl die Bundespolitiker als auch die Bürger vor Ort von der Bremse gehen. Dies ist die größte Herausforderung für die Windbranche. 


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