Transporter und Lkw Verkehrsrisiko Rostkarre: Neue Tüv-Ergebnisse zu Nutzfahrzeugen

Ein Mitarbeiter des Tüv Süd kontrolliert den Unterboden und das Fahrwerk eines Lkw. Sie werden oft auf Verschleiß gefahren, berichtet der Tüv. Foto: dpa/Andreas GebertEin Mitarbeiter des Tüv Süd kontrolliert den Unterboden und das Fahrwerk eines Lkw. Sie werden oft auf Verschleiß gefahren, berichtet der Tüv. Foto: dpa/Andreas Gebert

Berlin. Obwohl Nutzfahrzeuge nach 2017 beim Tüv dieses Jahr insgesamt besser abschnitten, fiel statistisch jeder fünfte Transporter oder Lkw durch die Prüfung.

In Deutschland zugelassene Nutzfahrzeuge sind in den vergangenen beiden Jahren nach Einschätzung des Tüv insgesamt sicherer geworden. "Die technische Sicherheit von Lastkraftwagen hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren trotz steigender Beförderungsleistung spürbar verbessert", sagte Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim Tüv-Verband, bei der Vorstellung des aktuellen Tüv-Reports Nutzfahrzeuge

Demnach bestand zwar jedes fünfte Nutzfahrzeug (19 Prozent) mit erheblichen technischen Mängeln die Hauptuntersuchung nicht. Allerdings waren es im Tüv-Report 2017 noch 22 Prozent und 2015 gar 25 Prozent.


Die Mängelquote nimmt insgesamt ab

"Eine bessere, vorausschauende Pflege der Nutzfahrzeuge durch optimierte Leasing- und Wartungsverträge in Kombination mit einer hohen Prüfdichte tragen zu der positiven Entwicklung bei den Mängelquoten bei", urteilte Goebelt. Lkw ab 3,5 Tonnen müssen in Deutschland alle zwölf Monate zur Hauptuntersuchung. Bei Fahrzeugen, die älter als drei Jahre sind, erfolgt zum Halbjahr zusätzlich eine Sicherheitsprüfung.

Tüv-Report Nutzfahrzeuge

Für den Tüv-Report Nutzfahrzeuge sind vom Tüv-Verband rund 1,85 Millionen Hauptuntersuchungen der Jahre 2017 und 2018 ausgewertet worden. Die Ergebnisse werden für vier Gewichtsklassen dargestellt:
  • leichte Transporter mit weniger als 3,5 Tonnen  
  • leichte Lkw mit 3,5 bis 7,5 Tonnen  
  • mittelschwere Lkw mit 7,5 bis 18 Tonnen 
  • schwere Lkw ab 18 Tonnen
Der Tüv-Report Nutzfahrzeuge erscheint alle zwei Jahre.

Laut Tüv-Report 2019 wiesen 14 Prozent aller untersuchten Fahrzeuge geringe Mängel auf, 67 Prozent waren mängelfrei. Der Anteil der Nutzfahrzeuge ohne Mängel ist damit im Vergleich zu 2017 um 5 Prozentpunkte gestiegen. 

Meist Probleme mit Licht, Achsaufhängung oder Bremsen

Trotz dieses positiven Trends sind aus Sicht des Tüv-Verbands auf den Straßen immer noch zu viele Lastkraftwagen mit erheblichen technischen Defiziten unterwegs, die zu Unfällen führen und Menschen gefährden können. Immerhin 1300 Nutzfahrzeuge wurden von den Prüfern als verkehrsunsicher eingestuft und an Ort und Stelle aus dem Verkehr gezogen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn tragende Teile weitgehend durchgerostet sind.

Die häufigsten Mängel sind Defekte an der Beleuchtung sowie an den Achsaufhängungen der Fahrzeuge. Zudem traten häufiger Korrosionen und Probleme mit Bremstrommeln oder Bremsscheiben auf.Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband (VdTÜV)

Vier von fünf Nutzfahrzeugen sind leichte Transporter

Etwa vier von fünf der in Deutschland zugelassenen rund 3,15 Millionen Nutzfahrzeuge sind laut dem Tüv-Report leichte Transporter wie Mercedes Sprinter, Ford Transit, Fiat Ducato oder VW Transporter. Von ihnen gibt es heute deutlich mehr auf der Straße: Laut Kraftfahrt-Bundesamt stieg der Fahrzeugbestand im Vergleich zu 2010 um 41 Prozent, weil der Lieferverkehr boomt.

Der Anteil der Kleintransporter mit erheblichen Mängeln liegt mit einem Anteil von 20 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Die Durchfallquoten steigt dabei mit dem Alter der Fahrzeuge kräftig an. Fallen in diesem Segment nach zwei Jahren 7 Prozent durch die HU, sind es nach sechs Jahren schon 18 Prozent und nach zehn Jahren 30 Prozent. "Neben Mängeln bei der Beleuchtung und Ölverlust macht bei den älteren Kleintransportern häufig die Achsaufhängung Schwierigkeiten", sagte Goebelt.

Kleinere Lkw mit niedrigerer Durchfallquote

Besser als in den Vorjahren schneiden auch die leichten und mittelschweren Lkw über alle Altersstufen ab. Die leichten Lkw von 3,5 bis 7,5 Tonnen weisen mit 18 Prozent die niedrigste Durchfallquote der vier Gewichtsklassen aus. 2017 waren es noch vier Prozent mehr.

Schwere Lkw werden oft auf Verschleiß gefahren und weisen teils erhebliche Sicherheitsmängel auf, warnt der Tüv. Symbolfoto: imago images/Frank Sorge

Große Lkw am stärksten beansprucht

Entgegen diesem Trend haben die schweren Lkw ab 18 Tonnen schlechter abgeschnitten. Die Durchfallquote ist im Vergleich zu 2017 um 1,6 Punkte auf 19,7 Prozent gestiegen. "Die Pflegementalität der Nutzer lässt mit dem Alter der Fahrzeuge nach und ältere Fahrzeuge werden auf Verschleiß gefahren", berichtet Goebelt. "Das ist vor allem in boomenden Wirtschaftszweigen wie der Baubranche der Fall." Mit einer durchschnittlichen Laufleistung von 200.000 Kilometern pro Jahr sind schwere Lkw die mit Abstand am stärksten beanspruchten Nutzfahrzeuge. 


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