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12.09.2019, 16:06 Uhr KOMMENTAR

Notenbank auf Abwegen

Ein Kommentar von Manuel Glasfort


Umstrittene Figur: EZB-Präsident Mario Draghi verschärft seinen geldpolitischen Kurs noch ein letztes Mal, ehe er sein Amt an Christine Lagarde abgibt. Foto: AFPUmstrittene Figur: EZB-Präsident Mario Draghi verschärft seinen geldpolitischen Kurs noch ein letztes Mal, ehe er sein Amt an Christine Lagarde abgibt. Foto: AFP

Osnabrück. Der Zauberer, so nennen sie Mario Draghi an den Finanzmärkten. Gestern hat der EZB-Chef den Zauberstab ein letztes Mal geschwungen und seinen Kurs des billigen Geldes verschärft. Die üblen Nebenwirkungen sind nicht mehr zu übersehen.

Kurz vor seiner Ablösung haftet dem Italiener nicht nur in Sparkassenkreisen der Ruch der schwarzen Magie an. Verfolgen Draghi und der EZB-Rat die richtigen Ziele? Sind die Mittel erlaubt – und zielführend?

Die EZB hat unter Draghis Ägide einen verheerenden Kurs eingeschlagen, der längst mehr schadet als nützt. Den Banken brechen die Zinserträge weg und künftig müssen die Institute noch höhere Strafzinsen für geparktes Geld zahlen. Die Kosten werden sie an ihre Kunden weiterreichen, für die sich das Sparen schon lange nicht mehr lohnt. Das Billiggeld bläht die Preise an den Immobilien- und Aktienmärkten auf, während die Anleihekäufe die Staaten von Reformdruck entlasten. Am schlimmsten sind aber die sozialen Folgen dieser Politik. Während Vermögende sich über steigende Hauspreise und Aktienkurse freuen können, geht die Altersvorsorge von Durchschnittsverdienern den Bach runter.

Ob diese Politik wirklich die Wirtschaft anregt, ist fraglich. Klar ist dagegen, dass sie den Ruf der Notenbank bedroht. Deren Unabhängigkeit ist ein hohes Gut, aber sie bringt auch große Verantwortung mit sich. Ist das Vertrauen der Bürger erst verspielt, lässt es sich nicht so schnell wieder herbeizaubern.


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