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Diesel mit Euro-6-Norm Medienbericht über neue Schummelsoftware bei VW – Konzern dementiert

Von dpa

Der Streit um manipulierte Abgaswerte geht in die nächste Runde. Foto: dpa/Julian StratenschulteDer Streit um manipulierte Abgaswerte geht in die nächste Runde. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Wolfsburg. Nach Recherchen des SWR wurde auch in neuere VW-Diesel-Motoren mit Euro-6-Abgasnorm eine Software eingebaut, die Abgastests automatisch erkennt. Der Konzern dementiert.

Neue Dieselwagen des Volkswagen-Konzerns haben nach Angaben des Autobauers und des Bundesverkehrsministeriums keine Software zur Manipulation von Abgaswerten. Nach aktuellem Stand sei "nichts illegales passiert", sagte ein VW-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Er regierte damit auf einen Bericht des SWR, nach dem auch in neuere Diesel-Motoren mit der Abgabsnorm Euro 6 eine Software eingebaut sei, die erkenne, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet, eine so genannte "Zykluserkennung". Konkret geht es dem SWR-Bericht zufolge um den Nachfolger des Skandalmotors EA189, EA288. 

Die Zykluserkennung war bei älteren VW-Motoren des Typs EA 189 dazu genutzt worden, dass die volle Abgasreinigung nur während des Tests lief, im Alltagsbetrieb auf der Straße dagegen vermindert oder gar ganz abgeschaltet wurde – mit einem dann deutlich höheren Ausstoß an giftigen Stickoxiden (NOx). Die Enthüllung der so funktionierenden Täuschungssoftware hatte im September 2015 "Dieselgate" ausgelöst.

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Das sagt der Verkehrsminister

Aus dem Ressort von Verkehrsminister Andreas Scheuer in Berlin hieß es: "Unzulässige Abschalteinrichtungen konnten nicht festgestellt werden – auch nicht in Gestalt einer unzulässigen Zykluserkennung." Ein VW-Sprecher erklärte, es sei nicht verboten, so genannte "Fahrkurven" festzulegen. Dabei werden bestimmte Eigenschaften eines Autos so eingestellt, dass prinzipiell auch erkannt werden kann, ob es sich gerade in einem Prüfstandstest befindet. Diese Einstellungen dürften von Entwicklern aber nicht dazu genutzt werden, etwa die Abgassteuerung zu beeinflussen. Hinweise darauf, dass so etwas geschehen sein könnte, habe man nicht.

Auch auf SWR-Nachfrage bestritt der VW-Konzern den Vorwurf: Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA288 enthielten "keine Zykluserkennung" und demnach auch keine unzulässige Abschalteinrichtung.

Verdacht schon 2015

Bereits im Herbst 2015 kurz nach dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals mit dem Motor EA189 im Zentrum war der Verdacht aufgekommen, auch das neuere Aggregat EA288 könne von Manipulationen betroffen sein. Schon damals kam VW "nach gründlicher Prüfung" zu dem Ergebnis, dass in beiden EA288-Varianten – mit Euro 6 und der früheren Abgasnorm Euro 5 – "keine Software verbaut ist, die eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne der Gesetzgebung darstellt". 

Vier Jahre später bekräftigt Volkswagen diese Darstellung nun: "Kein Fahrzeug mit dem Dieselmotor EA 288 nach dem heute gültigen Abgasstandard EU6 enthält eine Zykluserkennung." Auch auf SWR-Nachfrage bestritt der Konzern den Vorwurf. Der Motortyp entspreche weiter gültigen Vorschriften und Maßstäben. Es sei "sichergestellt, dass eine Nutzung von Fahrkurven nicht zur Einhaltung von Emissionsgrenzwerten verwendet wird".

In solchen "Fahrkurven" werden bestimmte Eigenschaften eines Autos so eingestellt, dass sich prinzipiell auch erkennen lässt, ob ein Test läuft. VW erklärte, es sei nicht verboten, Fahrkurven festzulegen – die Einstellungen dürften von Entwicklern jedoch keinesfalls dazu genutzt werden, um etwa die Abgassteuerung zu beeinflussen.

SWR beruft sich auf interne Quellen

Hinweise darauf, dass so etwas geschehen sein könnte, habe man nicht: "Die Ergebnisse aller Untersuchungen und Messungen der letzten Jahre bestätigen nach unserem aktuellen Wissenstand die Erkenntnis, dass die Nutzung von Fahrkurven beim EA 288 keinen Einfluss auf die Einhaltung von Emissionsgrenzwerten hat oder hatte." Es gebe keinen Zusammenhang zwischen Fahrkurven und geändertem Abgasverhalten.

Der SWR beruft sich auf interne VW-Unterlagen von Ende 2015, in denen detailliert beschrieben werde, wie eine "Zykluserkennung" im EA288 funktioniere. Bei der vor vier Jahren in den USA aufgedeckten Abgasaffäre, die den VW-Konzern bereits viele Milliarden Euro gekostet hat, geht es rein technisch darum, dass eine VW-Software erkennt, dass das Auto auf Abgas-Prüfständen getestet wird. Die Einstellungen werden dann so geändert, dass die Richtwerte erreicht werden. Draußen auf der Straße im Alltag sind die Werte dann höher, und die Angaben aus der Laborsituation werden deutlich überschritten. Zu den vom SWR angesprochenen internen Unterlagen äußerte sich VW nicht. 

Diese Autos könnten betroffen sein

Laut SWR wurde die Motorreihe EA288 seit 2012 in hunderttausenden Diesel-Fahrzeugen des Konzerns eingebaut – unter anderem im Golf, Tiguan oder Passat. Auch bei verschiedenen Modellen von Audi, Skoda und Seat kommt dieser Motor zum Einsatz.

Das für die Zertifizierung und Kontrolle von Auto-Emissionsstandards zuständige Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nahm zunächst keine Stellung zu den Vorwürfen an VW. Das übergeordnete Bundesverkehrsministerium teilte aber mit, es seien beim EA 288 keine unzulässigen Programme identifiziert worden: "Das Kraftfahrt-Bundesamt hat bereits in 2016 eigene Messungen, Untersuchungen und Analysen durchgeführt." Die Vorwürfe gegen den Autobauer seien überdies "nicht neu".

Tiefste Krise der VW- Geschichte

Die Entdeckung und das Eingeständnis von Betrugsprogrammen ("defeat devices") hatte vor rund vier Jahren zum Beginn der Abgasaffäre bei Volkswagen geführt. Der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn musste gehen, gegen ihn und andere Manager laufen derzeit noch Ermittlungen unter anderem bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. 

Der Konzern stürzte in die tiefste Krise seiner Geschichte – der Skandal verschlang Milliarden an Rechtskosten, der Imageschaden war enorm. Weitere Prüfungen auch bei anderen Herstellern nährten den Verdacht, dass auch dort Abschalteinrichtungen eingesetzt wurden. Bisher hat aber nur VW das mit Blick auf den Motor EA 189 eingeräumt.


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