Burkhard Balz im Interview Bundesbank-Vorstand Balz: PSD2 sorgt für mehr Wettbewerb

Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz sieht viele Veränderungen im unbaren Zahlungsverkehr. Foto: dpaBundesbank-Vorstand Burkhard Balz sieht viele Veränderungen im unbaren Zahlungsverkehr. Foto: dpa

Osnabrück. Bezahlen per Smartphone, Instant Payment oder neue EU-Regeln für das Online-Banking - im Thema Zahlungsverkehr steckt Musik. Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Bundesbank, erklärt im Interview, warum die PSD2-Richtlinie für mehr Wettbewerb sorgen wird und was Bargeld für ihn mit Freiheit zu tun hat.

Herr Balz, die EU-Zahlungsrichtlinie PSD2 soll für mehr Sicherheit und Wettbewerb im digitalen Zahlungsverkehr sorgen. Sie selbst haben als Europaparlamentarier daran mitgearbeitet. Was hat es mit dem Wettbewerbsaspekt auf sich?

Die PSD2 wird in der Tat für mehr Wettbewerb sorgen, weil es zukünftig auch Dritten gestattet sein wird, von Kontodaten zu profitieren. Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass jeder Kontoinhaber zustimmen muss, damit andere Banken und Dienstleister auf die Daten zugreifen können. Aber es ist ganz klar, dass es dadurch zu mehr Wettbewerb kommt. Das gilt für die Banken untereinander, aber auch für neue Anbieter wie Fintechs, die sich auf einzelne Bereiche fokussieren und den Kunden maßgeschneiderte Angebote machen können.

Zukünftig gibt schon bei der Anmeldung im Banking eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Für die Verbraucher wird es dadurch unbequemer. Ist dieser Aufwand nicht übertrieben?

Das Entscheidende bei den Bankdienstleistungen ist, dass man Vertrauen in die Systeme hat. Es war dem Gesetzgeber wichtig, das Vertrauen zu stärken, indem die Authentifizierung sicherer wird. Der Sicherheitsaspekt ist in den vergangenen Jahren deutlich wichtiger geworden, weil immer mehr Betrugsfälle aufgetreten sind. Deswegen halte ich stärkere Sicherheitsvorkehrungen für richtig.

Die Finanzaufsicht BaFin gewährt Online-Shops einen Aufschub für die Umsetzung von Teilen der PSD2. Wie bewerten Sie das?

Ich begrüße die Entscheidung der BaFin-Kollegen. Aus meiner Sicht ist es vernünftig, hier einen sanften Übergang in die neue Authentifizierungswelt zu schaffen. Dafür hat die BaFin die Voraussetzungen geschaffen. 

Im unbaren Zahlungsverkehr ist viel Bewegung. Immer mehr Banken in Deutschland, darunter alle Sparkassen und Volksbanken bieten die elektronische Sofortüberweisung an. Wie wird sich das Instant Payment aus Ihrer Sicht entwickeln?

Ich glaube, dass das Thema Instant Payments die neue Normalität darstellen wird und dass wir jetzt schon auf einem sehr guten Weg in Deutschland sind. Die Banken, die heute noch nicht dabei sind, werden relativ zügig nachziehen. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die gesamte Branche diesen Service anbietet.

Manche Banken verlangen für die Sofortüberweisung eine Gebühr. Hemmt das nicht die Entwicklung?

In der Spitze verlangen einzelne Institute zwar noch mehrere Euro für eine Sofortüberweisung. Natürlich muss jede Bank und jede Sparkasse selbst entscheiden, wie sie diesen Service bepreisen will. Allerdings stehen die Anbieter auch hier untereinander im Wettbewerb. Meine Erwartung ist, dass die Gebühren in Zukunft eher moderat ausfallen werden.

Für welche Anwendungsszenarien ist das Instant Payment wichtig?

Im Grunde genommen für alle Transaktionen. Sowohl Privatkunden als auch Unternehmenskunden können davon profitieren. Aus meiner Sicht ist diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Sie haben riesige Vorteile im Bereich des e-Commerce. Wenn die im Internet bestellte Ware binnen Sekunden bezahlt ist, dann kann die Ware direkt versendet werden. Und das Ganze funktioniert, ohne dass Dienstleister wie Paypal zwischengeschaltet werden müssen. Instant Payments ermöglichen es den Banken, im Wettbewerb mit Anbietern wie Paypal Boden gut zu machen. Deshalb haben sie Instant Payments jetzt eingeführt, obwohl sie nicht gesetzlich dazu verpflichtet sind.

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Während das kontaktlose Zahlen mit der Karte immer alltäglicher wird, sieht man noch selten Menschen mit dem Smartphone bezahlen. Wann wird das Mobile Payment in Deutschland seinen Durchbruch erleben?

Das Bezahlen per Smartphone hat meiner Meinung nach große Chancen, schnell angenommen zu werden. Das Mobiltelefon hat man eigentlich immer dabei. Sobald Sie per Smartphone zahlen können, müssen Sie keine Karte oder Bargeld mehr mitführen. Ich halte Mobile Payment für eine Bezahlform, die in Deutschland auch sehr schnell in der Breite akzeptiert werden wird.

Deutschland gilt als Bargeldnation, nach wie vor. Glauben Sie, dass die Deutschen ihre Vorliebe für Münzen und Scheine mit der Zeit verlieren werden?

Für mich persönlich bedeutet Bargeld ein großes Stück an Freiheit. Manche Käufe möchte man vielleicht lieber anonym bezahlen, ohne dass sie auf Kontoauszügen auftauchen. Ein Beispiel dafür wäre das Geschenk für die Ehefrau. Deshalb ist es wichtig, dass es bei allen digitalen Bezahlformen auch in Zukunft in Deutschland Bargeld geben wird. Ich persönlich sehe auch keine besonders starken Argumente für eine Obergrenze bei Barzahlungen, wie sie von Zeit zu Zeit diskutiert wurde.

Bleiben wir beim Bargeld: Im Frühjahr ist die zweite Banknotenserie, die sogenannte Europa-Serie, mit dem Start der 100er- und 200er-Serie komplettiert worden. Ist der Start der neuen Serie aus Ihrer Sicht ein Erfolg?

Absolut. Die Serie ist von der Bevölkerung in der Eurozone außerordentlich gut angenommen worden. Sie ist gut gestaltet und vor allem sind neue Sicherheitsmerkmale aufgenommen worden. Für Geldfälscher wird es damit deutlich schwieriger. Insofern sind wir in der Bundesbank mit dem Ablauf sehr zufrieden.


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