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10.09.2019, 16:09 Uhr KOMMENTAR

Autobranche weht der Wind ins Gesicht

Ein Kommentar von Klaus Wieschemeyer


Der neue Elektroauto ID.3 soll zur Volkswagen-Ikone werden. Foto: Silas Stein/dpaDer neue Elektroauto ID.3 soll zur Volkswagen-Ikone werden. Foto: Silas Stein/dpa

Frankfurt. Die Autobranche steckt in einem dramatischen Umbruch. Das hat VW-Chef Diess erkannt. Ob seine Strategie die richtige ist, muss sich aber erst noch zeigen.

Wenn Autobosse auf Messen in Superlativen schwelgen, ist erstmal Skepsis angesagt. Beispiel: Vor zehn Jahren stellte VW auf der IAA ein angeblich fast serienreifes 1-Liter-Auto vor. Bis heute gibt es den Wagen nicht. Wenn die Volkswagen-Oberen heute das neue Elektroauto ID.3 bereits auf eine Stufe mit Legenden wie dem Käfer und Golf stellen, ist dies bestenfalls eine kühne Zukunftshoffnung. In Zeiten großer Modellvielfalt und kurzer Lebenszyklen lassen sich künftige Klassiker schwer vorhersagen.

Dass die Autobranche im Umbruch steckt, ist hingegen unübersehbar. Herstellern und Zulieferern bläst der Wind ins Gesicht. Und schwindende Gewinne sind nur ein Problem: Für viele Großstädter und Klimaschützer scheint der Individualverkehr auf vier Rädern längst zum Feindbild geworden. Und auch die Politik, die jahrzehntelang großzügig über erhöhte Emissionen hinwegsah, nimmt die Konzerne mit immer schärferen Grenzwerten und Flottenzielen an die Kandare.

VW-Chef Herbert Diess hat erkannt, dass sich sein Haus wandeln muss und es mit einem neuen Logo nicht getan ist. Will VW weiter eine maßgebliche Rolle spielen, müssen die Produkte sympathisch, bezahlbar,  innovativ und umweltfreundlich sein. Ob die Konzentration auf E-Autos die richtige Strategie ist, wird hingegen erst die Zeit zeigen. Davon hängt ab, ob VW künftig ebenso stark oder stärker dasteht als heute. 


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