Unternehmen im Porträt Hawita aus Vechta beliefert Gärtner in aller Welt

Von Christoph Lützenkirchen

Hawita-Mitarbeiter  Andy Mennecke (links) und Azubi Heissam Abdul Rahman bei der Arbeit. Foto: Christoph LützenkirchenHawita-Mitarbeiter Andy Mennecke (links) und Azubi Heissam Abdul Rahman bei der Arbeit. Foto: Christoph Lützenkirchen

Vechta. Wenn man in Shanghai, New York oder Marseille eine Topfpflanze kauft, kommt der Topf möglicherweise aus dem südlichen Niedersachsen – nicht selten auch das Pflanzsubstrat. Die Hawita Gruppe aus Vechta liefere ihre Produkte von Chile bis China in über 65 Länder, sagt ihr Geschäftsführender Gesellschafter Simon Tabeling.

Hawita stellt Produkte für den Gartenbau her; dazu zählen Torfe, Erden, Substrate, Kunststoff-Pflanzgefäße und Vliestöpfe für die Vermehrung. Außerdem betreibt man unter dem Firmennamen Vita Logistik eine eigene Spedition. Laut eigenen Angaben gehören die Vechteraner zu den führenden Unternehmen ihrer Branche in Europa. Sie beliefern zu 80 Prozent Geschäftskunden, der Privatkundenanteil liegt bei 20 Prozent. Knapp die Hälfte seiner Umsatzerlöse erwirtschaftet Hawita auf dem Heimatmarkt Deutschland.

Das Gesamtvolumen bei Torf, Erden und Substraten liegt jährlich zurzeit bei 1,1 Millionen Kubikmetern. Der Anteil der Substrate beträgt dabei 95 Prozent. „Wir schöpfen für unsere Erden und Substrate aus 1500 verschiedenen Rezepturen“, erklärt Tabeling: „Dabei arbeitet unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung eng mit unseren Kunden zusammen. Beispielsweise schickt uns ein Kunde eine Analyse mit Angaben zur Härte des Gießwassers. Danach wird dann das Substrat gemischt.“ Im Vertrieb seien erfahrene Gartenbauingenieure tätig. Für die Substrate verwendet Hawita verschiedenste Zuschlagstoffe. Dazu gehören beispielsweise Kokosfasern, Perlite, Reisspelzen, Quarzsand, Rindenkompost, Grünkompost, Holzfasern, Kalke und verschiedene Dünger.

"Wachstumspotenzial außerhalb Europas"

„Unsere Stärken im Wettbewerb sind unser breites Spektrum an hochwertigen Substraten, unsere vielfältigen Kunststoffprodukte, die professionelle Beratung im Vertrieb und unsere leistungsfähige Logistik“, sagt Tabeling: „Neben dem Erwerbsgartenbau zählen Baumärkte, Gartencenter, teilweise auch der Einzelhandel zu unseren Kunden. Erden und Substrate liefern wir allerdings ausschließlich an den Erwerbsgartenbau und Fachgartencenter.“ Der Umsatz der Firmengruppe liegt zurzeit bei circa 60 Millionen Euro jährlich. Im Jahr 2006 waren es 35 Millionen Euro. Als Simon Tabelings Vater Hans 1991 mit Hawita an den Start ging, beschäftigte das Unternehmen 20 Mitarbeiter. Heute sind es 460. In den letzten Jahren sei es gelungen, in einem stagnierenden Markt zu wachsen, so Tabeling: „In Europa gibt es aber nur noch geringe Zuwachsraten. Großes Potenzial sehe ich im außereuropäischen Markt.“

Der Betriebswirt Simon Tabeling ist 42 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Sein Vater starb vor sieben Jahren im Alter von nur 62 Jahren. Der heutige Geschäftsführende Gesellschafter stieg 2006 in das elterliche Unternehmen ein und arbeitete zunächst für das Tochterunternehmen Technoplant in Emstek. Seit 2010 ist er Mitglied der Geschäftsführung, nach dem Tod seines Vaters alleiniger Geschäftsführer. Das Unternehmen befindet sich im Besitz von zwei Gesellschafterfamilien.

Rohstoffversorgung ist gesichert

Hawita ist heute an acht Standorten vertreten, fünf davon in Deutschland und drei in Lettland. Der erste lettische Standort – die Beteiligung an einem Torfwerk – besteht seit 2001. Ziel war es, die Versorgung des Unternehmens mit Torf langfristig sicherzustellen. An allen drei Standorten von Hawita in Lettland wird Torf abgebaut. „Die Rohstoffversorgung unseres Unternehmens ist für meine und die folgende Generation gesichert“, so Geschäftsführer Tabeling.

Der Einsatz von Torf im Gartenbau wird immer wieder heftig kritisiert. Die Reserven des Rohstoffs seien endlich, heißt es. Beim Abbau des Torfs werde Kohlendioxid freigesetzt. Simon Tabeling hält dagegen: „Nachhaltigkeit ist bei uns ein großes Thema. Alle Torfflächen werden renaturiert, auch die im Baltikum. In Deutschland bauen wir Torf auf 1000 Hektar Flächen ab, die zuvor als Grünland genutzt wurden. Ohne den Torfabbau hätte man die nie renaturiert. Ein renaturiertes Moor wächst wieder. Insofern ergibt sich unter dem Strich durch die Torfnutzung eine höhere Kohlenstoffbindung der entsprechenden Flächen. Intakte Hochmoore gehen wir nicht an.“ 

Bio-Substrate für den Kräuteranbau

Die Substrate des Unternehmens bestehen seinen Angaben zufolge bereits heute zu einem Drittel aus anderen Ausgangsstoffen als Torf. Die Kunststofftochter Technoplant habe eine wiederverwendbare Gärtnerbox entwickelt, die Tüten und Tragetaschen ersetze. Seit Kurzem produziert Hawita auch Bio-Substrate für den Kräuteranbau und Blumengärten. 

Einer der Abnehmer ist die Grummel Gruppe aus Werlte. Der Großhändler bezieht seit mehr als 25 Jahren Erden und Substrate von Hawita und beliefert seinerseits Gartenbaubetriebe im nordwestdeutschen Raum. Geschäftsführer Michael Grummel bezeichnet Hawita als "zuverlässigen Partner mit langfristig gesichertem Zugang zum Rohstoff Torf". „Das Unternehmen produziert qualitativ hochwertige, keimfreie Substrate mit präzisem Nährstoffgehalt; das bedeutet Sicherheit für den Gärtner“, so Grummel.

Am Firmensitz in Vechta investierte Hawita in den letzten sieben Jahren knapp fünf Millionen Euro. Unter anderem wurde eine neue Anlage zum Mischen von Substraten errichtet. Geschäftsführer Tabeling will die Produktivität steigern, aber auch die Arbeitsbedingungen verbessern. „Gute Leute zu finden ist schwer, sie zu halten ist auch nicht einfach“, sagt er: „Wir bemühen uns deshalb um ein gutes Betriebsklima.“ 

Außerdem investiert sein Unternehmen in die Ausbildung des eigenen Nachwuchses. Hawita bildet junge Leute für insgesamt fünf verschiedene Berufe aus: als Industriekaufmann, Verfahrensmechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Kaufmann für Spedition und Logistik sowie Groß- und Außenhandel. Aktuell beschäftigt das Unternehmen sechs Auszubildende.


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