Gesetz erleichtert Fortbildungen Fit für die digitale Zukunft dank besserer Förderung

Von Christoph Lützenkirchen

Die Steuerfachangestellten Cornelia Rayker und Johanna Kockmeyer der Firma Klöker & Partner machen eine Weiterbildung im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes. Foto: Michael GründelDie Steuerfachangestellten Cornelia Rayker und Johanna Kockmeyer der Firma Klöker & Partner machen eine Weiterbildung im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Zum Jahresbeginn ist das Qualifizierungschancengesetz in Kraft getreten. Die Kosten für bestimmte Fortbildungen für ältere Arbeitnehmer kann das Arbeitsamt nun zu 100 Prozent übernehmen.

Als Johanna Kockmeyer 1979 ihre Ausbildung beim Steuerberater begann, waren Personal Computer noch Stoff für Science-Fiction. Da war ihr Chef Dominik Henle, Steuerberater und Partner bei der Steuerberatungsgesellschaft Klöker & Partner in Osnabrück, noch gar nicht geboren. Der Alltag im Büro basierte damals auf handfesten Akten, Papierbergen und Schreibmaschinen. Heute lernt die 56-jährige Steuerfachangestellte und Mitarbeiterin der Steuerberatungsgesellschaft das papierarme Büro. Denn die Zeiten ändern sich, und das schnell.

Damit Kockmeyer ihren Beruf noch bis zur Rente ausüben kann, muss sie sich auf die rasant voranschreitende Digitalisierung einstellen. In Kooperation mit dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Osnabrück und dem Bildungsträger educatus aus Aschaffenburg hat Henle eine innerbetriebliche Fortbildung für Johanna Kockmeyer, ihre Kollegin Cornelia Rayker und weitere neun Mitarbeiter organisiert. Er will sie fit für das Büro der Zukunft machen.

Dabei profitiert Henle von einem Gesetz, das erst Anfang 2019 in Kraft trat. „Die Förderung über das neue Qualifizierungschancengesetz deckt die Raumkosten ab, die Aufwendungen für Referenten, Lehrmittel, zusätzliche Fahrten, zusätzliche Kinderbetreuung, Verpflegung und gegebenenfalls die auswärtige Unterbringung“, sagt Dominik Henle. Das Antragsverfahren für die Förderung sei absolut kundenfreundlich. Im Wesentlichen teile man den Namen des Mitarbeiters, sein Geburtsdatum und seine Ausbildung mit. Außerdem ist eine Frist von vier Jahren einzuhalten: Die muss der Berufsabschluss des Betreffenden mindestens zurückliegen. Und in diesem Zeitraum darf er nicht an einer nach dem Gesetz geförderten Fortbildung teilgenommen haben.

Hürden sollen niedrig bleiben

Vonseiten der Arbeitsagentur bemühe man sich, die bürokratischen Hürden niedrig zu halten, bestätigt Susanne Jaeger, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit. „Durch das neue Gesetz haben wir jetzt noch mehr Möglichkeiten zu unterstützen“, so Jaeger. „Wir beraten Arbeitgeber und Arbeitnehmer, dazu gehören auch Gespräche im Nachgang zu einer Qualifizierungsmaßnahme und Vor-Ort-Termine.“

Auch Matthias Kreutz, Geschäftsführer educatus, lobt das neue Gesetz. Die Arbeitsagenturen könnten seitdem eine höhere Förderung für Fortbildungsmaßnahmen gewähren. In der Vergangenheit seien für Teilnehmer ab einem Alter von 45 Jahren maximal 75 Prozent der Kosten der Maßnahme durch die Förderung abgedeckt gewesen. „Mit dem neuen Gesetz sind es bis zu 100 Prozent. Das macht die Förderung für Arbeitgeber noch attraktiver“, erklärt Kreutz. Mit seinem Institut für Erwachsenenbildung hat er sich auf die Steuerberatungsbranche spezialisiert. Regelmäßige Fortbildungen seien hier unabdingbar, so Kreutz: „Von den Mitarbeitern in den Kanzleien wird immer mehr erwartet, der Lernbedarf ist konstant hoch.“

Im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes wird die Fortbildung von Beschäftigten unabhängig von ihrer Ausbildung, dem Lebensalter und der Größe des Betriebes, in dem sie tätig sind, gefördert. Ziel ist es, Beschäftigte einzubeziehen, deren Arbeit künftig technologisch ersetzt werden könnte oder die in sonstiger Weise vom Strukturwandel betroffen sind. Allein für die Qualifizierung Beschäftigter wurden 1,1 Milliarden Euro in den Finanzhaushalt 2019 der Bundesagentur für Arbeit eingestellt. Zur Orientierung: Im Vorjahr gab die Bundesagentur für die gesamte berufliche Weiterbildung etwa 1,3 Milliarden Euro aus.

Meister- und Technikerausbildung nicht förderfähig

Gefördert werden allerdings nur Maßnahmen, deren Qualität durch fachkundige Stellen nach der „Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung“ (AZAV) zertifiziert ist. Nicht förderfähig sind Weiterbildungen nach dem „Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz“, wie etwa Meister- und Technikerausbildungen. „Außerdem muss die Qualifizierung so angelegt sein, dass sie nicht nur auf den aktuellen Arbeitsplatz des jeweiligen Mitarbeiters gemünzt ist, sondern ihm auch auf künftigen Stellen nützt“, erläutert Susanne Jaeger. „Schließlich muss der zeitliche Umfang der Maßnahme mehr als 160 Stunden betragen.“

educatus-Geschäftsführer Kreutz bezeichnet die Qualitätsanforderungen des Gesetzgebers an zertifizierte Bildungsträger als „bewusst hoch“. Für die Maßnahmen müsse ein messbarer Nutzenfaktor nachgewiesen und nachhaltig umgesetzt werden. Bei Klöker & Partner hat das offenbar geklappt. Jedenfalls blickt Johanna Kockmeyer zufrieden auf die Fortbildung durch educatus zurück. Im kleinen Kreis unter vertrauten Kollegen habe man sehr aktiv miteinander gearbeitet, berichtet sie. Das papierarme Büro kann kommen, Kockmeyer ist vorbereitet.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN