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30.07.2019, 21:36 Uhr KOMMENTAR

Versickerungen bei Erdölbohrungen: Dunkelziffer unbekannt?

Ein Kommentar von Nina Kallmeier


Wir groß ist das Ausmaß der Umweltschäden in Emlichheim? Eine Untersuchung soll es zeigen. Foto: Sebastian Widmann/dpaWir groß ist das Ausmaß der Umweltschäden in Emlichheim? Eine Untersuchung soll es zeigen. Foto: Sebastian Widmann/dpa
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Osnabrück. Von Januar 2014 bis Oktober 2018 sind aufgrund von Korrosionsschäden an den Rohren bis zu 220 Millionen Liter giftiges Lagerstättenwasser der Erdölbohrung am Emlichheimer Feld ins Erdreich gelaufen - auch ins Grundwasser. Das ganze Ausmaß der potenziellen Umweltschäden ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht abzusehen. Denn es könnte durchaus noch mehr Lagerstättenwasser sein, das in der Grafschaft Bentheim im Boden versickert ist. Auch der aktuelle Wert von 220 Millionen Litern ist nur ein Näherungswert. Ein Kommentar.

Vier Jahre lang hat niemand etwas bemerkt. 220 Millionen Liter giftiges Lagerstättenwasser sind nahe der niederländischen Grenze im Boden versickert. Das ist ein Skandal, der Konsequenzen nach sich ziehen muss.

Die Ankündigung des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums, von den Erdöl- und Erdgasförderunternehmen Informationen über Werkstoffe der Bohrrohre und Maßnahmen zur Verhinderung von Korrosionsschäden zu verlangen, ist ein erster, längst überfälliger Schritt. Aber auch routinemäßige Untersuchungen sollten engmaschiger sein.

 Denn die Tatsache, dass dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) als Aufsichtsbehörde keine weiteren Austritte von Lagerstättenwasser bekannt sind, heißt nicht, dass es sie nicht gibt. Nach jahrzehntelanger Förderung von Erdöl und Erdgas gleichen die Böden insbesondere in der Grafschaft Bentheim, aber auch dem Emsland einem Schweizer Käse. Und die Materialien, die für die Rohrleitungen verwendet wurden, dürften an vielen Stellen die gleichen sein, die jetzt in Emlichheim korrodiert sind. Im Untergrund schlummert also noch einiges an Potenzial für Umweltschäden. Und selbst in Emlichheim ist das tatsächliche Ausmaß unbekannt – selbst sieben Monate nach dem Anfangsverdacht. Das muss bei einem so potenziell folgereichen Ereignis schneller gehen. Man sollte meinen, dass Wintershall DEA und das LBEG in der Lage sind, nach so langer Zeit Ergebnisse vorzulegen. 


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