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18.07.2019, 18:34 Uhr KOMMENTAR ZU STREAMINGDIENST

Netflix: Vom Jäger zum Gejagten

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


"Stranger Things" ist eine der erfolgreichsten Netflix-Eigenproduktionen. Hier posieren die Schauspieler bei der Weltpremiere der 3. Staffel Ende Juni in Santa Monica. Foto: R. Wagner/imago images/Future Image"Stranger Things" ist eine der erfolgreichsten Netflix-Eigenproduktionen. Hier posieren die Schauspieler bei der Weltpremiere der 3. Staffel Ende Juni in Santa Monica. Foto: R. Wagner/imago images/Future Image

Osnabrück. Der US-Streamingdienst Netflix hat im zweiten Quartal deutlich weniger Neukunden gewonnen als erhofft und ist dafür von den Anlegern abgestraft worden. Die Aktie des Streamingdiensts verlor im nachbörslichen Handel satte zwölf Prozent. Netflix kämpft mit einer zunehmenden Konkurrenz durch Angebote von Großfirmen wie Walt Disney und Apple – der Jäger ist zum Gejagten geworden. Ein Kommentar.

Mit einer guten Idee vom kleinen Pionier zum großen Spieler am Markt zu werden, das gibt es immer wieder – man denke an den Walkman oder Tesla. Oder eben an Netflix, den weltweit dominierenden Abo-Videodienst. Mit seinen 152 Millionen zahlenden Kunden lehrt Netflix die klassischen Fernsehsender das Fürchten.

Doch ähnlich wie bei Tesla mit Volkswagen oder BMW steigen wegen des Erfolges von Netflix jetzt auch beim Streaming die ganz großen Spieler wie Disney, Apple oder WarnerMedia in das Geschäft ein und greifen mit ihrer gewaltigen Finanzkraft an. Und weil Netflix obendrein noch die Preise kräftig erhöht hat, hat die Aktie ebenso kräftig nachgegeben. So weit, so marktwirtschaftliche Normalität.

Erschwerend kommt bei Netflix aber hinzu, dass die erwachten Riesen ihre Inhalte bisher auch über den Streaming-Pionier angeboten haben – die fünf erfolgreichsten Serien waren teure Zukäufe: „Friends“, „Grey´s Anatomy“, „The Office“, „NCIS“ und „Criminal Minds“. Gehen diese Serien zu anderen Anbietern, gehen die Zuschauer mit.

Diese Zeichen der Zeit hat Netflix erkannt und investiert kräftig in eigene Serien wie „Stranger Things“ oder „Orange Is The New Black“ – weshalb Börsenprofis den Anlegern raten, die Netflix-Aktie zu halten. Bemerkenswert ist jedoch: Netflix bleibt frei von nervigen Werbeblöcken. Bleibt die Frage, wie lange das mit Milliarden von Zwangsgebühren verwöhnte und keineswegs werbefreie öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen sich noch politisch verteidigen lässt.


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