Firma aus GMHütte im Porträt Wiethe spielt in der 1. Liga der Content-Agenturen

Von Christoph Lützenkirchen

Im Fotostudio in Bremen können bis zu 1000 Produkte täglich fotografiert werden. Dafür arbeitet Wiethe mit Models zusammen. Foto: WietheIm Fotostudio in Bremen können bis zu 1000 Produkte täglich fotografiert werden. Dafür arbeitet Wiethe mit Models zusammen. Foto: Wiethe

Georgsmarienhütte. Anfangs arbeitete die Content-Agentur Wiethe für Handwerker, inzwischen beliefert das Unternehmen aus Georgsmarienhütte die großen Namen aus der Modebranche mit Fotomaterial. Dafür betreibt Wiethe ein riesiges Fotostudio in Bremen, in dem pro Tag bis zu 1000 Artikel abgelichtet werden können.

500.000 Bilder. Allein für die Online-Vermarktung von Produkten des Kunden Adidas schießt die Firma Wiethe aus Georgsmarienhütte bei Osnabrück jährlich so viele Fotos. „Fotos und Videos ersetzen den Verkäufer auf der Fläche“, sagt Markus Wiethe, Chef der Digital- und Content-Agentur: „Sie sollen gleichzeitig inspirieren und informieren. Unser Ziel ist es, mit unserer Arbeit die sogenannte 'Conversion Rate' zu steigern. Darunter versteht man den Anteil der Besucher eines Onlineshops, der den Shop als Käufer wieder verlässt. Das zweite Ziel ist eine geringere Retourenquote.“ Neben Adidas zählen Marken wie Tom Tailor, Mavi, Mustang, Rösle, Miele, G-Star Raw oder Kaffee Partner zum Kreis der insgesamt 35 Kunden von Wiethe.

Sitz der 1993 gegründeten Firmengruppe ist Georgsmarienhütte, die Fotos und im wachsenden Umfang auch Videos entstehen aber am zweiten Standort in Bremen. Dort unterhält Wiethe ein 4500 Quadratmeter großes Fotostudio, in dem 115 der insgesamt 135 Mitarbeiter des Unternehmens beschäftigt sind. Wenn ein Kunde am Montag 1000 Artikel übergebe, würden die bis Donnerstag oder Freitag in seinem Shop präsentiert, erklärt Markus Wiethe. Das Team des Studios könne pro Tag bis zu 1000 Artikel verarbeiten. Dafür arbeite man mit rund 2000 verschiedenen Models zusammen. Aufgrund der hohen Komplexität fänden sich in ganz Europa vielleicht fünf Anbieter, die diese Leistung erbringen könnten, so Wiethe. Die Qualität der Fotos und Videos muss stimmen, doch auch die Geschwindigkeit der Verarbeitung ist von entscheidender Bedeutung. Dem Agenturchef zufolge lässt sich ein neues Produkt nur wenige Wochen zum vollen Preis verkaufen.

Markus Wiethe hat das Unternehmen aufgebaut. Foto: Wiethe

Angefangen hat Markus Wiethe 1993 ganz klein. Der gelernte Industriekaufmann hatte neben einem Wirtschaftsstudium für eine Werbeagentur gearbeitet. Er brach das Studium ab und machte sich als Unternehmensberater selbstständig. Seine Kunden waren anfangs mittelständische Unternehmen, beispielsweise Autolackierer oder Tischler. 1997 dann der Durchbruch: „Wir gewannen den Modehersteller Scotch&Soda als Kunden, das war unser Einstieg in das Fashion Business“, erinnert sich Wiethe: „Nach und nach kamen dann weitere große Fashionlabel hinzu, darunter beispielsweise Marco Polo, Adidas oder Hugo Boss.“ Ab dem Jahr 2000 beschleunigte sich das Wachstum. 

Früh auf den E-Commerce-Zug aufgesprungen

Früh erkannte Wiethe das Potenzial des E-Commerce. Für Kunden wie Tommy Hilfinger entwickelte die Agentur ein Komplettangebot. „Wir kümmerten uns um den Shop, die Logistik, die Abrechnung und den Content. Praktisch haben wir den gesamten Online-Auftritt des Kunden im Sinne eines erfolgsbeteiligten Partners gestaltet“, sagt Wiethe. Aus seiner langjährigen Arbeit für Tommy Hilfiger und Tom Tailor kennt Dieter Holzer, Vorstandsvorsitzender des Modeherstellers Marc O’Polo, Markus Wiethe und sein Unternehmen seit 15 Jahren. „Gemeinsam haben wir die Entwicklung im E-Commerce und der Online-Bilderfassung vorangetrieben“, so Holzer. Charakteristisch für Markus Wiethe sei seine Agilität, die habe ihn und sein Unternehmen stark gemacht. Man treffe bei der Wiethe Group auf Menschen, die Freude daran hätten, Lösungen für neue Herausforderungen in einem dynamischen Markt zu finden. Die setze Wiethe dann konsequent, schnell und mit kommerziellem Verständnis um.

Trotz zwischenzeitlicher Dependancen in Hamburg und Berlin ist die Agentur dem Standort Georgsmarienhütte treu geblieben. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Loyalität zu einem Unternehmen in Großstädten schwächer ausgeprägt sei, sagt Markus Wiethe. Gute Leute würden dort oft abgeworben. „In Bremen und Osnabrück sind wir in unserem Bereich dafür einer der reizvollsten Arbeitgeber“, glaubt er: „Das liegt daran, das wir viele Jobs haben in denen Struktur und Kreativität gefordert sind.“ Das Durchschnittsalter seiner Mitarbeiter liegt bei 28 Jahren. Wiethe selbst ist 48. Das Verhältnis von Frauen zu Männern beträgt 70 zu 30. Zehn Prozent der Mitarbeiter sind Auszubildende. Von ihnen werden laut Wiethe etwa 60 Prozent später eine Festanstellung im Unternehmen finden.

Schwierige Jahre

Jahrelang ging es für Markus Wiethe und sein Unternehmen nur bergauf, doch die Geschäftsmodelle in der Branche wandeln sich schnell. 2016 geriet die Firmengruppe in eine bedenkliche finanzielle Schieflage. Das Konzernergebnis rutschte im Geschäftsjahr 2016 mit minus 4,4 Millionen Euro erstmals ins Negative, wie aus dem Konzernabschluss hervorgeht. Das über viele Jahre erfolgreiche Geschäftsmodell des Betriebs von Full-Service-Web-Shops sei in dieser Größe am Markt nicht mehr gefragt, heißt es dort. Man wolle sich zukünftig voll auf das Thema Content fokussieren. 

Bei einer Bilanzsumme in Höhe von knapp 8 Millionen Euro war die Wiethe Group zum Stichtag 31. Dezember 2016 mit 1,11 Millionen Euro bilanziell überschuldet. Doch ein externes Gutachten bescheinigte dem Unternehmen im Sommer 2017 eine positive Fortführungsprognose. Tatsächlich gelang es, den Fehlbetrag im Geschäftsjahr 2017 auf rund 90.000 Euro zu verringern. Die Umsatzerlöse beliefen sich auf 14,4 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr hofft man auf einen Jahresüberschuss in Höhe von 750.000 Euro.

Expansionspläne im Ausland

Markus Wiethe hat seinen Optimismus trotz der Rückschläge nicht verloren. Laut einer aktuellen Focus-Studie liege das Wachstum seines Unternehmens seit 2016 über dem Branchendurchschnitt, sagt er. Man wolle in den nächsten Jahren in weitere europäische Länder und die USA expandieren. Als wichtiges Zukunftsthema bezeichnet er die Computer Generated Imagery (CGI). Im Rahmen eines Projekts mit dem Titel ‚Digital End to End‘ arbeite man daran, den gesamten Prozess eines Kleidungstückes vom Design über die Produktion bis hin zur Contenterstellung digital abzubilden. „Noch stehen wir dort am Anfang, sehen aber, dass CGI auf diesem Gebiet viele Möglichkeiten bietet“, so Wiethe.


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