Linke appelliert an Bundesregierung Tarifbindung im niedersächsischen Handel geht zurück

Nur vergleichsweise wenige Einzelhandelsbetriebe sind tarifgebunden. Das Bild zeigt eine H&M-Filiale in Göttingen. Foto: imago/Ina PeekNur vergleichsweise wenige Einzelhandelsbetriebe sind tarifgebunden. Das Bild zeigt eine H&M-Filiale in Göttingen. Foto: imago/Ina Peek

Osnabrück. Die Tarifflucht im Handel geht weiter. Nicht einmal mehr jeder dritte Betrieb in Niedersachsen war 2018 tarifgebunden. Die Linke im Bundestag fordert die Bundesregierung auf, aktiv zu werden.

Immer weniger Handelsbetriebe in Niedersachsen sind tarifgebunden. Die Zahl Unternehmen mit Tarifbindung ist zwischen 2009 und 2018 von etwa 15000 auf etwa 12000 gesunken. Damit unterlag zuletzt nicht einmal mehr jeder dritte Handelsbetrieb (30 Prozent) der Tarifbindung, nach 36 Prozent neun Jahre zuvor. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Linken-Abgeordnete Jutta Krellmann appellierte an die schwarz-rote Koalition, tätig zu werden. „Tarifverträge müssen für allgemeinverbindlich erklärt werden können, auch gegen den Willen der Arbeitgeber. Starke Gewerkschaften und starke Betriebsräte bleiben der beste Schutz gegen Lohndumping.“

Die Bundesregierung beruft sich auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einer Forschungseinrichtung der Bundesanstalt für Arbeit. Die Zahlen zeigen auch, dass die Tarifbindung der Handelsbetriebe in Niedersachsen nach wie vor weiter verbreitet ist als anderswo. Im Ländervergleich teilte Niedersachsen sich mit 30 Prozent den zweiten Platz mit Nordrhein-Westfalen hinter Spitzenreiter Rheinland-Pfalz (36 Prozent). Der Bundesdurchschnitt lag im vergangenen Jahr bei 22 Prozent. Dabei gilt: Da die Tarifbindung mit der Betriebsgröße zunimmt, sind 36 Prozent der Beschäftigten in einem tarifgebundenen Handelsbetrieb beschäftigt.

Nach Angaben von Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, geben diese Zahlen ein unvollständiges Bild wieder. Demnach gelten die Tarifverträge sogar für Dreiviertel der Beschäftigten, da viele tariflose Betriebe sich bei Löhnen und Gehältern an den Tarifverträgen orientierten.


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