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14.07.2019, 18:22 Uhr KOMMENTAR

Tödliche Logik auf dem Mittelmeer beenden

Ein Kommentar von Manuel Glasfort


Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt einen Seenotretter (l) der zu einem Flüchtlingsboot schaut. Die im Mittelmeer dümpelnden Schiffe mit geretteten Migranten an Bord, das Gezerre darum, in welchen Hafen sie fahren dürfen - für die Vereinten Nationen sind das unwürdige Zustände. Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpaDie von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt einen Seenotretter (l) der zu einem Flüchtlingsboot schaut. Die im Mittelmeer dümpelnden Schiffe mit geretteten Migranten an Bord, das Gezerre darum, in welchen Hafen sie fahren dürfen - für die Vereinten Nationen sind das unwürdige Zustände. Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Osnabrück. Die Debatte über die Seenotrettung im Mittelmeer reißt nicht ab, und das ist auch gut so. Denn Europa muss endlich einen Weg finden, dreierlei zu erreichen: den Schutz der Außengrenze, ein Ende des Sterbens auf dem Mittelmeer und eine gerechte Verteilung von aufgenommenen Flüchtlingen. Die Lösung der Verteilungsfrage ist aber – anders als Heiko Maas glaubt – der letzte und nicht der erste Schritt.

Klar ist: Menschen aus Seenot zu retten, ist eine Pflicht, juristisch wie moralisch. Es verbietet sich, Migranten einfach ertrinken zu lassen. Genauso verbietet es sich, die Geretteten zurück in das Bürgerkriegsland Libyen zu bringen. So weit sollte der Konsens in Europa noch reichen. Alles andere ist verhandelbar. 

FDP-Chef Christian Lindner hat recht, wenn er fordert, dass staatliche Stellen die Rettung Schiffbrüchiger übernehmen müssen. Richtig ist auch, dass eine Rettung kein Ticket nach Europa beinhalten darf. Knapp 30.000 Migranten sind seit Jahresbeginn auf dem Seeweg nach Europa gekommen, fast 700 bezahlten den Versuch mit ihrem Leben. Aktuell hat derjenige die besten Karten, nach Europa zu gelangen, der sich in Gefahr begibt – eine tödliche Logik.

Um sie zu durchbrechen, müssten gerettete Migranten nach Ägypten, Tunesien oder Marokko gebracht werden, wo über ihre Asylanträge entschieden werden müsste. Zugegeben: Das ist einfacher gesagt als getan, bisher hat sich die EU in diesen Staaten nur Absagen eingehandelt. Doch Europa muss hier hartnäckig bleiben, wenn es eine dauerhafte Lösung will. Der Status Quo ist keine Alternative.


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