Konflikt zwischen China und USA Ökonomen sehen Weltwirtschaft durch Zollstreit bedroht

Von dpa und Manuel Glasfort

Neuwagen der US-amerikanische Automarke Jeep sind auf einem Parkplatz in der Nansha-Handelszone am Hafen im chinesischen Guangzhou geparkt. Im Vordergrund (r) stehen zwei Neufahrzeuge von Mercedes Benz. Foto: dpaNeuwagen der US-amerikanische Automarke Jeep sind auf einem Parkplatz in der Nansha-Handelszone am Hafen im chinesischen Guangzhou geparkt. Im Vordergrund (r) stehen zwei Neufahrzeuge von Mercedes Benz. Foto: dpa

Frankfurt. Längst ist vom „Handelskrieg" die Rede. Die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt schaukeln sich gegenseitig hoch. Schon jetzt sind die Auswirkungen für die Weltkonjunktur immens.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China könnte nach Einschätzung von Volkswirten die internationalen Wirtschaftsbeziehungen dauerhaft beschädigen. „Die goldenen Jahre der Globalisierung sind vorbei“, kommentiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Die Konjunktur im Exportland Deutschland wird weiter vor sich hindümpeln.“ Vor einem Jahr, am 15. Juni 2018, verhängte US-Präsident Donald Trump erste Strafzölle auf Waren aus China. Es war der Auftakt zu einem sich hochschaukelnden Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. China reagierte mit Gegenmaßnahmen.„Eiserner Vorhang“

Ökonom fürchtet neuen Eisernen Vorhang

Nach Ansicht von Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater wird der Handelskonflikt zwischen China und den USA wahrscheinlich zu einer geteilten Weltwirtschaft führen. „Es wird wieder eine Art eisernen Vorhang geben, dieses Mal zwischen Fernost und West. Er wird aber anders aussehen als der letzte und auch viel durchlässiger sein“, sagte der Chefökonom des Wertpapierhauses der Sparkassen im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ganz strikt wird er im Hochtechnologie-Bereich sein, ob das nun Biotechnologie, Hightech-Güter oder digitale Dienstleistungen sind.“ Für die Hersteller einfacher Waren werde sich dagegen wenig ändern. Die Weltwirtschaft sieht der Experte vor gravierenden Veränderungen. „Das Tempo der Globalisierung hatte schon vor Trump nachgelassen, jetzt wird der Rückwärtsgang eingelegt.“

Ökonom Gabriel Felbermayr sieht in der Verunsicherung durch Trumps Handelspolitik aktuell das größte Risiko für die Weltkonjunktur. „Das Hauptproblem ist die Unsicherheit, die Trump schafft. Man weiß nicht, welches Land demnächst in sein Visier gerät“, sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW/Kiel). „Verunsicherte Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher verschieben möglicherweise Anschaffungen.“ Dieser Schaden sei „wahrscheinlich deutlich größer als der, der tatsächlich durch Zölle verursacht wird“, sagte Felbermayr. Den Schaden für den Welthandel durch Zölle schätzt er langfristig auf circa 90 Milliarden Euro jährlich – sollten die Abgaben zwischen China und USA dauerhaft auf dem aktuellen Niveau bleiben. „Angesichts eines Welthandelsvolumens von 15 Billionen Euro ist das vergleichsweise wenig“, rechnete der IfW-Präsident vor.

"Globale Wachstumsbremse"

Der Präsident des Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin), Marcel Fratzscher, nennt den Handelskonflikt eine „massive globale Wachstumsbremse“: „Die wirtschaftlichen Konflikte der USA schaffen enorme Unsicherheit, die Gift für jedes Unternehmen ist.“ Zu leiden hätten vor allem exportabhängige Volkswirtschaften wie Deutschland.

Die Exportnation Deutschland spürt zunehmend Gegenwind, worauf ifo-Präsident Clemens Fuest hinweist: „Die Spannungen vermehren weltweit die Unsicherheit und belasten so die Konjunktur. Diese Belastung trifft auch Deutschland. Zölle und Handelshemmnisse zwischen China und den USA betreffen direkt deutsche Unternehmen, die in diesen Ländern produzieren, zum Beispiel deutsche Autobauer in den USA.“ Profitieren von umgelenkten Handelsströmen könnten nach Einschätzung mancher Ökonomen - zumindest vorübergehend - andere asiatische Länder, beispielsweise die Textilindustrie in Pakistan oder Vietnam.

„Die größten Verlierer weltweit sind die Verbraucher“, konstatiert Dekabank-Volkswirt Kater. „Wenn Preise für Güter und Dienstleistungen steigen und einige Angebote überhaupt nicht mehr verfügbar sind, dann trifft das am Ende die privaten Haushalte in allen Ländern“, erklärt Kater. „Handelskriege kann man nur insoweit gewinnen, dass man meint, die geringeren Schäden davonzutragen.“ mgl/dpa 


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