Studie zum Homeoffice Mehrheit der Beschäftigten will nicht von zu Hause aus arbeiten

Von dpa und afp

Die Zahl der zu Hause arbeitende Menschen steigt – wenn auch langsam. Foto: dpa/Daniel NaupoldDie Zahl der zu Hause arbeitende Menschen steigt – wenn auch langsam. Foto: dpa/Daniel Naupold

Nürnberg. Homeoffice wird oft als die Zukunft des modernen Arbeitens gesehen. Dabei zeigt eine neue Studie, dass eine Mehrheit der Beschäftigten das Büro gar nicht verlassen will.

Die Zahl der Menschen, die im Homeoffice arbeiten, nimmt langsam zu. Laut einer Betriebsbefragung arbeiteten 22 Prozent der Beschäftigten in größeren Betrieben 2017 von zu Hause aus, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilten. 2013 hatte der Anteil der Homeoffice-Beschäftigten noch 19 Prozent betragen. 

Die Zahlen stammen von einer Befragung von Personalverantwortlichen und Beschäftigten in privatwirtschaftlichen Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern. Die erhöhte Flexibilität zeigt sich demnach als zweischneidiges Schwert: Während die Hälfte der Beschäftigten, die von zu Hause aus arbeiten, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben als Vorteil sieht, berichten beinahe ebenso viele von Problemen bei der Trennung von Beruf und Privatleben.

Mehrheit gegen Homeoffice

63 Prozent der Beschäftigten, die Homeoffice nutzen, sind demnach nur stundenweise von zu Hause aus tätig. 22 Prozent gaben an, ausschließlich ganztägig von zu Hause aus zu arbeiten – bei 16 Prozent war es eine Mischung aus beidem.

Nur jeder neunte Beschäftigte aus privatwirtschaftlichen Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten möchte tatsächlich auch von der eigenen Wohnung aus arbeiten. "In der öffentlichen Diskussion wird häufig unterstellt, dass ein Großteil der Beschäftigten zumindest ab und an gerne von zu Hause arbeiten würde", erklären die Autoren der Studie. "Dabei wird regelmäßig übersehen, dass dies gar nicht zutrifft".

Etwa zwei Drittel der Beschäftigten, die nicht von zu Hause aus arbeiten, lehnen diese Möglichkeit grundsätzlich ab. Die wichtigsten Gründe hierfür sind die fehlende Eignung der Tätigkeit, der Wunsch des Vorgesetzten nach Anwesenheit des Beschäftigten und der Wunsch des Beschäftigten nach einer Trennung von Beruf und Privatem.

Wegfall des Arbeitsweges als Vorteil

Von denen Firmen, die Arbeit von zu Hause anbieten, schätzen der Studie zufolge 62 Prozent vor allem die "Flexibilität für Beschäftigte", 55 Prozent von ihnen den Umstand, dass ihre Mitarbeiter damit besser Beruf und Familie vereinbaren können. 45 Prozent sind davon überzeugt, dass Home-Office die Produktivität steigert. Befragte Beschäftigte mit Home-Office-Erfahrung wiederum schätzten neben der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf (52 Prozent) auch die Fahrzeitersparnis für den Weg zur Arbeit (55 Prozent). 

19 Prozent glauben, dass unter regelmäßigem Home-Office-Arbeiten der Kontakt zu ihren Kollegen leidet. Vier Prozent haben das Gefühl, dass ihre Chefs ihnen beim Arbeiten im Home-Office "Minderleistung" unterstellten.

Wie eine andere Befragung ergab, arbeiten in der Gesamtwirtschaft im Schnitt weniger Beschäftigte von zu Hause als in den größeren Betrieben. Zwar bieten 26 Prozent aller Betriebe zumindest einem Teil ihrer Beschäftigten die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, also von zu Hause oder unterwegs – aber nur zwölf Prozent der Beschäftigten nutzen dies auch.


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