Transparenz oder Graubereich So arbeiten seriöse Auskunfteien und Inkassounternehmen

Von Christoph Lützenkirchen

Sie geben Einblick in die Arbeit von Auskunftei und Inkasso bei Creditreform: Ralf Zirbes (von links), Armin Trojahn und Jan Unger. Foto: Christoph LützenkirchenSie geben Einblick in die Arbeit von Auskunftei und Inkasso bei Creditreform: Ralf Zirbes (von links), Armin Trojahn und Jan Unger. Foto: Christoph Lützenkirchen

Osnabrück. Auskunftei, Inkasso, Mahnverfahren – für viele Zeitgenossen sind das Schlagworte aus dem Gruselkabinett. Immer wieder werden Geschäfte von windigen Anwälten und Geldeintreibern bekannt. Woran lassen sich die schwarzen Schafe der Branche erkennen? Und wie arbeitet eine Auskunftei, ein Inkassounternehmen mit gutem Ruf? Ein Blick auf Creditreform Osnabrück/Nordhorn.

Nein, die drei freundlichen Herren, die zum Termin in der stattlichen Gründerzeitvilla von Creditreform an der Osnabrücker Parkstraße erschienen sind, entsprechen nicht dem Klischee des dubiosen Geldeintreibers. Vielmehr sind sie darauf bedacht, vom Anspruch ihres Unternehmens zu überzeugen, das sowohl wirtschaftsnah als auch schuldnernah sein will. Der 37-jährige Diplom-Ökonom Jan Unger gehört der Geschäftsführung an. Er und seine Schwester Kim sind persönlich haftende Gesellschafter des Unternehmens. „Deutschlandweit gibt es 129 eigenständige Gesellschaften von Creditreform“, erklärt Unger. „Sie sind jeweils für die Bezirke der verschiedenen Amtsgerichte tätig. Als einziges Unternehmen der Branche, das auch im Bereich Business to Business (B2B) tätig ist, sind wir dezentral organisiert und gesellschaftsrechtlich ausschließlich in deutscher Hand.“ In ganz Deutschland arbeitet Creditreform seinen Angaben zufolge für 130 000 Kunden, davon entfallen 1000 auf die Osnabrücker Creditreform. 

Fünfstellige Zahl von Inkassoverfahren

Seinen Ursprung hat das Unternehmen in einem Verein, den 25 kleine Gewerbetreibende und Händler 1879 in Mainz ins Leben riefen. „Sie wollten sich über Erfahrungen mit ihren Kunden austauschen“, sagt Armin Trojahn, Prokurist und Mitglied der Geschäftsführung von Creditreform. „Heute – 140 Jahre später – machen wir eigentlich nichts anderes“, so der 50-jährige Diplom-Kaufmann weiter. „Unsere Kunden erhalten Informationen zu Geschäftspartnern. In unserem Einzugsbereich, er umfasst die Region Osnabrück-Emsland ohne das südliche Emsland, verzeichnen wir jährlich eine fünfstellige Zahl von Inkassoverfahren.“ Dritter im Bunde ist Ralf Zirbes (51), Chef der Creditreform-Tochter Boniversum, die sich mit der Bonität von Verbrauchern beschäftigt (B2C).

In den Arbeitsfeldern von Creditreform und ihrer Tochter Boniversum geht es um dasselbe Ziel: Man will den Kunden vor Forderungsausfällen schützen und Verluste verhindern. Laut Angaben des Unternehmens liefert Creditreform sieben von zehn Firmenauskünften in Deutschland. Mit 19 Millionen erteilten Firmenauskünften sei man Marktführer in Deutschland.

1000 Rechercheure angestellt

Die Unternehmensgruppe beschäftigt insgesamt 1000 Rechercheure. „In Zusammenarbeit mit der Hochschule Bochum werden sie sechs Monate lang zum Certified Business Analyst (CBA) ausgebildet“, sagt Jan Unger. „Die Vorbildung als Kaufleute bringen sie in der Regel mit.“ Die Wirtschaftsdatenbank von Creditreform enthält laut Unternehmensangaben 4,8 Millionen abrufbare Firmendatensätze. Damit sei sie die weltweit größte Datenbank dieser Art. „Wir führen öffentlich zugängliche Daten mit exklusiven Creditreform-Daten zusammen“, erklärt Prokurist Trojahn. Dazu zählen Bilanzanalysen, Informationen aus Handels-, Vereins- und Genossenschaftsregistern, aber auch Daten zu Zahlungserfahrungen und aus 4,5 Millionen laufenden Inkassoverfahren.

Kern der Bonitätsbewertung ist der Bonitätsindex. Für seine Berechnung werden fünfzehn Merkmale herangezogen, darunter die Zahlungsweise, das Branchenrisiko oder die Auftragslage. „Mit den Firmen, über die wir berichten, streben wir aber auch einen direkten Austausch an“, betont Jan Unger. „Je transparenter sie sind, desto präziser wird das Scoring.“ Zum Selbstverständnis von Creditreform gehört es, dass man sich über die Auskunftserteilung an potenzielle Geschäftspartner eines Unternehmens als „Multiplikator der Unternehmensbonität“ betrachtet.

Im Unterschied zur Creditreform Wirtschaftsauskunft geht es bei der Tochter Boniversum um die Bonität von Millionen Verbrauchern. Die Datenbanken des Unternehmens sind mit einer gewaltigen Zahl von Informationen bestückt. Unter anderem enthalten sie 125 Millionen Adressen, 116 Millionen personenbezogene Informationen und mehr als 75 Millionen personenbezogene Negativmerkmale wie Haftanordnungen oder eidesstattliche Versicherungen. Zu seinen Kernleistungen zählt Boniversum neben der Bonitätsprüfung unter anderem die Validierung von Adressen oder die Betrugsprävention. 

Internethandel spielt wichtige Rolle

Ein wichtiger Aufgabenbereich ist der Handel über das Internet. „Wir bewerten die Konsumenten in Echtzeit“, sagt Ralf Zirbes. „Sobald ein Käufer bei einem Onlineshop die Zahlarten Rechnung oder Lastschrift auswählt, erfolgt die Anfrage an unsere Datenbanken. Die Rückmeldung muss sehr schnell kommen, denn unsere Kunden haben die Erfahrung gemacht, dass Konsumenten den Vorgang abbrechen, wenn sie länger als anderthalb bis drei Sekunden warten müssen. Die Entscheidung über die Freigabe trifft der Händler, in seinem System ist eine entsprechende Risikomatrix hinterlegt.“

Laut Zirbes enthalten die Datenbanken von Boniversum nicht die fertigen Scores, sondern alle Einzeldaten wie Adressen, gerichtliche Merkmale oder Inkassodaten. Erst durch die Abfrage werde ein Scorewert gebildet. Auf die Frage, wie denn die Qualität der Daten, mit denen Boniversum arbeitet, überprüft wird, gibt der Boniversum-Geschäftsführer eine pragmatische Antwort: „Die besten Prüfer unserer Daten sind unsere Kunden. Sie wollen vor allen Dingen Umsatz machen und nicht unnötig viele Transaktionen ablehnen.“

Egal ob Creditreform oder Boniversum, die Kunden beider Unternehmen nutzen deren Daten für ihr Risikomanagement. Angestellte Geschäftsführer seien dazu sogar verpflichtet, erklärt Armin Trojahn. „Sie können sonst in Haftung genommen werden. Wenn das noch mehr Verantwortliche in Unternehmen tun würden, ließen sich viele Ausfälle und Probleme verhindern.“ Wenn alle Vorsorge nichts genutzt hat, führt für geschädigte Unternehmen kaum noch ein Weg am Inkasso vorbei. Creditreform könne sich als Auskunftei „intelligent in dem Feld bewegen“, so Trojahn. „Das bedeutet, dass wir dem Kunden unter Umständen auch den Rat geben, eine Forderung abzuschreiben.“ Im Übrigen sind die Verfahrensschritte vorgezeichnet. Als Erstes erfolgen schriftliche Mahnungen. Sind die erfolglos, suchen Inkassodienstleister das persönliche Gespräch. Es folgt ein gerichtliches Mahnverfahren und zum bitteren Ende die Zwangsvollstreckung. 

Laut Informationen des Berliner Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen beschäftigt die Inkassowirtschaft in Deutschland über 20 000 Menschen. Diese würden offene Forderungen für mehr als 500.000 Gläubiger einziehen und damit jährlich zwischen fünf und zehn Milliarden Euro Zahlungsausfälle verhindern.


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