Wichtigsten Fragen und Antworten Tabletten per Knopfdruck? Gericht verbietet Docmorris-Apothekenautomaten

Von dpa

Darf Docmorris im nordbadischen Hüffenhardt den bundesweit ersten Apothekenautomaten betreiben? Foto: dpa/Uwe AnspachDarf Docmorris im nordbadischen Hüffenhardt den bundesweit ersten Apothekenautomaten betreiben? Foto: dpa/Uwe Anspach
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Hüffenhardt. Docmorris darf den bundesweit ersten Apothekenautomaten nicht betreiben – zumindest vorerst. Das entschied nun das Oberlandesgericht Karlsruhe. Dabei spricht auch einiges für das Pilotprojekt.

Gemessen am Wirbel, den er verursacht, ist der Apparat recht unauffällig: In den umgebauten Räumen einer früheren Apotheke ist neben einem Bezahlterminal und einem Bildschirmtisch hinter Glas nur ein Stück Förderband zu sehen. Von dort fällt das gewünschte Medikament nach unten in den Ausgabeschacht. Theoretisch zumindest. Der Docmorris-Apothekenautomat im 2000-Seelen-Ort Hüffenhardt (Neckar-Odenwald-Kreis) spuckt aber nichts aus – und nach dem Willen des Oberlandesgericht Karlsruhe bleibt es auch dabei. Der Betrieb des bundesweit ersten Automaten dieser Art wurde gerichtlich untersagt. Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe bestätigte am Mittwoch das vom Landgericht Mosbach verhängte Verbot. 

Damit waren Klagen des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg und von Apothekern aus der Umgebung erfolgreich. Docmorris könnte aber noch zum Bundesgerichtshof ziehen, das Unternehmen hatte diesen möglichen Schritt bereits vor der Verkündung in Betracht gezogen. 

Warum gibt es den Automaten?

Seit vier Jahren gibt es keine Apotheke mehr in Hüffenhardt gut 20 Kilometer nordwestlich von Heilbronn. Wer Kopfschmerztabletten oder Blutdruckmittel braucht, muss fast sechs Kilometer weit fahren. "Die nächste Apotheke ist in Haßmersheim", sagt Hüffenhardts Bürgermeister Walter Neff (SPD). Der Rathauschef findet es deshalb gut, dass die europaweit tätige Versandapotheke aus den Niederlanden in der nordbadischen Gemeinde eine "Videoberatung mit Arzneimittelabgabe" eingerichtet hat. Das angeschlossene Lager bietet Platz für mehr als 8000 Schachteln.

Am 19. April 2017 konnten Kunden erstmals per Video Kontakt mit einem Apotheker im niederländischen Heerlen aufnehmen und Medikamente aus dem Automaten erhalten. Doch zwei Tage später war wieder Schluss: Das Regierungspräsidium Karlsruhe stoppte das Projekt. Vom 26. April an gab es aus dem Automaten noch einige Wochen nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel. Dann setzte das Landgericht Mosbach dem im Juni ein Ende: Es sah einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. 

Blick in die DocMorris Apotheke mit einem Bildschirm für eine Videoberatung und einem Ausgabeautomaten in Hüffenhardt. Foto: dpa/Ralf Seidel

Was spricht gegen das Projekt?

Verschreibungspflichtige Medikamente dürften nur von Apotheken an Verbraucher abgegeben werden. Das Gericht folgte auch nicht dem Versandhandel-Argument von Docmorris; die Abholung von Arzneimitteln von einem Lagerort, an dem der Kunde diese kurz davor angefordert habe, sei kein zulässiger Versandhandel.

Warum ist der Fall so wichtig?

Für Apotheker ist es ein Präzedenzfall. Sie kritisieren schon länger, dass Versandhändler in immer neue Felder vordringen wollen. Aus ihrer Sicht will sich Docmorris "Wettbewerbsvorteile auf Kosten der Arzneimittelsicherheit" verschaffen. Sie warnen vor gesundheitlichen Schäden wegen fehlender Überwachung.

Valentin Saalfrank von der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht im Deutschen Anwaltverein verweist auf jährlich rund 500.000 Notaufnahmen im Krankenhaus wegen unerwünschten Arzneimittelwirkungen durch vermeidbare Medikationsfehler. Deshalb plädiert er dafür, die Abgabe nur hochqualifizierten natürlichen Personen zu überlassen, die eine Betriebserlaubnis haben – anstelle von Kapitalgesellschaften, die zur Gewinnmaximierung verpflichtet seien. "Dass das, was in Hüffenhardt geschehen soll, keine Abgabe apothekenpflichtiger Arzneimittel im Wege des Versandes darstellt, ist offensichtlich", meint der Medizinrechtler. Vielmehr sei es das strafbare Betreiben einer Apotheke ohne Apothekenbetriebserlaubnis.

Was sagt die Politik?

Docmorris trifft auch in der Politik auf Widerstand: Ein Referentenentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für ein "Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken" betont das Verbot von Arzneimittel-Automaten außerhalb von Apotheken.

Hüffenhardts Rathauschef Neff versteht nicht, warum diese nicht als Alternative für den ländlichen Raum zugelassen werden sollen, wo kein Apotheker mehr hin will. "Man könnte es doch als Pilotprojekt laufen lassen." 


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