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17.05.2019, 18:43 Uhr TRUMP VERTAGT ZOLL-ENTSCHEIDUNG

Autobauer sollten sich nicht zu früh freuen

Ein Kommentar von Manuel Glasfort


Fast jedes zehnte in Deutschland hergestellte Auto wird in die USA exportiert. Foto: dpaFast jedes zehnte in Deutschland hergestellte Auto wird in die USA exportiert. Foto: dpa

Osnabrück. Der US-Präsident vertagt seine Entscheidung über Sonderzölle auf Autoimporte um ein halbes Jahr – und man meint fast, die Stoßseufzer der Erleichterung aus Wolfsburg, Stuttgart und München hören zu können. Wenn sich die Autobauer da mal nicht zu früh freuen.

Seit Beginn seiner Amtszeit hat Trump keinen Zweifel gelassen, dass er ohne Rücksicht auf Verluste für US-Interessen eintreten würde – oder was er dafür hält. Und auch wenn ihn der Rest der Welt für seine aggressiven Methoden verflucht, hat er damit schon häufiger seine Gegner zu Kompromissen bewegt, auch die deutschen Autobauer. Dass Trump nicht nur blufft, hat er gerade erst im Streit mit China bewiesen, als er die Zölle auf chinesische Produkte erhöhte. Sollten die Gespräche mit der EU nicht zu seiner Zufriedenheit ausfallen, wird er keinen Moment zögern, die Sonderzölle unter dem lächerlichen Vorwand der nationalen Sicherheit zu verhängen. Für deutsche Autobauer sind das finstere Aussichten. 

Berlin müsste eigentlich seinen Einfluss in der EU geltend machen, um eine Einigung herbeizuführen. Von einem Handelspakt für Industriegüter zwischen EU und USA würde nicht zuletzt auch Deutschland profitieren. Doch allzu große Hoffnungen sollte niemand auf die zerstrittene und antriebslose Regierungsmannschaft setzen.


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