Onlinegeschäft boomt Firmen im Norden: Exportumsätze über Amazon steigen deutlich

Exportumsätze von kleinen und mittleren Unternehmen über Amazon steigen deutlich. Foto: Uli Deck/SymbolbildExportumsätze von kleinen und mittleren Unternehmen über Amazon steigen deutlich. Foto: Uli Deck/Symbolbild

Osnabrück. Rund 160 Milliarden US-Dollar haben Drittanbieter weltweit im vergangenen Jahr über den Onlineriesen Amazon umgesetzt - und die Zahlen steigen pro Jahr laut Amazon-Chef Jeff Bezos durchschnittlich um 52 Prozent. Ein Blick auf kleine und mittlere Unternehmen im Norden zeigt mit Blick auf das Auslandsgeschäft: Hierzulande steigen die Exportumsätze über die Onlineplattform deutlich. Dass die Kartellbehörden Amazon im Blick haben, ist laut Handelsverband „richtig und wichtig“.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Norden haben im vergangenen Jahr über Amazon Exportumsätze in Höhe von 275 Millionen Euro generiert. Das zeigen Zahlen, die der US-Handelsriese am Freitag veröffentlicht hat. Davon entfallen 180 Millionen Euro auf Firmen in Niedersachsen (+20 Prozent), 70 Millionen auf Schleswig-Holstein und 25 Millionen (+25 Prozent) auf Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern. "Das Exportgeschäft macht etwa ein viertel unseres Umsatzes aus. Besonders unsere Kohlebürsten für Elektromotoren sind weltweit beliebt und werden von Kunden aus Australien bis in die USA gekauft", wird Andreas Schulz, Geschäftsführer von Maschinen Teufel aus Röbel, im Südwesten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte zitiert. Bundesweit lagen die Exportumsätze deutscher KMU im vergangenen Jahr laut Amazon bei 2,5 Milliarden Euro.

Besonders starkes Umsatzwachstum in Hamburg

Europaweit verkaufen laut Handelsriesen mehr als 130.000 kleine und mittlere Unternehmen Produkte über die eigenen Marktplätze. Exportspitzenreiter ist demnach Großbritannien, wo KMUs Waren im Wert von mehr als 2,8 Milliarden Euro über Amazon verkauften. Deutschland folgt auf Rang 2. Im Bundesländervergleich kommen laut Unternehmen die Export-Champions laus Nordrhein-Westfalen, das prozentual stärkste Umsatzwachstum bei internationalen Verkäufen über die Internetplattform verzeichnete Hamburg.  

Diese Entwicklung sieht man beim Handelsverband Deutschland (HDE) nicht per se kritisch, wie Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, deutlich macht: 


„Es geht darum, mit den gleichen gesetzlichen Regelungen wie im Offline-Bereich auch online einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten."


Im Jahr 2017 seien fast die Hälfte der Online-Umsätze in Deutschland über Amazon gelaufen. "Ein Viertel – also die Hälfte des Amazon-Umsatzes in Deutschland – wurde dabei über den Online-Marktplatz umgesetzt. Das sind beeindruckende Zahlen – das zeigt aber eben auch, dass viele Mittelständler ihre Chance im Internet und auf Marktplätzen suchen“, so Tromp gegenüber unserer Redaktion.

Kartellrecht: digitalen Ökosystemen Rechnung tragen

So wie Frank Olsen, Geschäftsführer eines Spielzeughändlers mit Sitz in Wedel. "In vier Jahren hat sich unser Umsatz verfünffacht. Die Hälfte des Umsatzes erwirtschaften wir dabei über Kunden außerhalb Deutschlands." Ab einer gewissen Marktmacht einzelner Marktplatzanbieter werde es aber in der Tat kritisch, so Tromp. „Deshalb ist es richtig und wichtig, dass die Kartellbehörden diesen Bereich im Blick haben.“ Das Wettbewerbs- und Kartellrecht müsse der Tatsache der digitalen Ökosysteme Rechnung tragen. 

Wäre es an der Zeit, seitens des Handels oder der Politik eine eigene Marktplatz-Alternative auf den Weg zu bringen? Solchen Vorschlägen erteilt Tromp eine Absage.


„Das muss der Markt entwickeln. Der Staat ist meist kein guter Unternehmer.“


Wenn die nächste große Idee zur Digitalisierung des Einkaufens aus Deutschland komme, dann gehe das ganz von alleine, ist er überzeugt. „Dafür muss die Politik aber auch die entsprechenden Freiräume schaffen. Diskussionen um Algorithmen-TÜVs beispielsweise sind da innovationshemmend und schädlich.

Und nicht überall dominiert Amazon das Marktplatzgeschäft. Laut Nachrichtenagentur Reuters will sich der US-Handelsriese bis Mitte Juli aus China zurückziehen. Dort dominieren die chinesischen Handelsplattformen Alibaba und JD.com das Geschäft. Deutsche KMU beschäftigen Amazon zufolge mehr als 75.000 Mitarbeiter für den Verkauf über die Onlineplattform, davon mehr als 2700 in Schleswig-Holstein, 6200 in Niedersachsen und mehr als 500 in Mecklenburg-Vorpommern.


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