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Osnabrücker Maschinenbauer Diosna besteht seit 125 Jahren Start mit eisernen Bettstellen

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Osnabrück. Mit „vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit“ empfiehlt Friedrich Dierks die Dienstleistungen seiner neu gegründeten Fabrik und Handlung für „eiserne Gartenmöbel und Bettstellen“, für Öfen und Haushaltsgeräte. Das Schreiben an seine verehrte Kundschaft datiert vom 1. „October“ 1885.

Dierks wagt den Schritt in die Selbstständigkeit, weil er aufgrund seiner „vielfältigen Thätigkeit in diesen Branchen und ein für meine Zwecke ausreichendes Capital“ die Zeit für reif hält. Seine „gegründete Hoffnung auf einen glücklichen Erfolg“ des Unternehmens soll ihn nicht täuschen. Die Firma Diosna ist heute Marktführer bei Bäckereiknetern in Deutschland, exportiert in diesem Bereich 60 Prozent ihrer Produktion aus Osnabrück in die weite Welt und beschäftigt 200 Mitarbeiter. Zur Kundschaft gehören etwa Dr. Oetker, Edeka, Barilla, Rewe, Coppenrath & Wiese, Harry Brot oder regionale Größen wie Wellmann.

Zum Lieferumfang des Betriebes mit der damals aktuellen Adresse Sandbachstraße „Nr. 1 B + C“ gehören von Beginn an auch Maschinen für die Land- und Hauswirtschaft, Molkereieinrichtungen, Acker-, Haus- und Küchengeräte sowie Kochmaschinen, wie die Werbung anpreist. Schon das erste Reklameblättchen weist in die Richtung der Branche, mit der die Firma Dierks & Co Osnabrück (Diosna) inzwischen groß geworden ist.

Dierks und sein Gründungspartner Justus Möllmann erkennen um die Jahrhundertwende das Potenzial, das sich für eine Maschinenfabrik im Bereich der Bäckereien bietet. Damals ist das Teigkneten „reine Knochenarbeit“, wie der aktuelle Diosna-Geschäftsführer Wolfgang Eißer weiß. Die Entwicklungen der Hasestädter und das Patent der Firma von 1911 für den ersten Hubkneter bringen den Durchbruch, entlasten die Bäcker der Region. Die Maschine schlägt ein, wird ein Erfolg und legt den Grundstein für die erfolgreiche Geschichte des mittelständischen Betriebes.

Der schweren und entbehrungsreichen Kriegszeit folgen die goldenen 1920er-Jahre, Dierks & Söhne nimmt einen ständigen Aufschwung. Das Verkaufsgebiet wird größer. Reisen nach Bremen, Holland oder Dänemark zur Akquirierung neuer Kunden sind Highlights für den Chef und enge Mitarbeiter.

1944/45 werden die direkt an der Bahn gelegenen Firmengebäude fast vollständig zerstört, eine Rumpfmannschaft baut den Betrieb mit bloßen Händen wieder auf. Die Nachfrage ist da. Nur das Material ist so knapp, dass die Verkäufer von der Geschäftsleitung angewiesen wurden, nicht zu viele Kneter zu verkaufen – die Lieferzeit für die begehrten Maschinen liegt bei zwei Jahren. Genehmigungen der Briten zur Materialbeschaffung ermöglichen schließlich das undenkbare Wirtschaftswunder auch bei Diosna.

Bei Fachausstellungen, etwa in Dortmund, bilden sich lange Warteschlangen vor dem Eingang. Der Einfachheit halber nehmen die Diosna-Vertreter ihre Aufträge gleich vor dem Eingang auf, in der Ausstellung selbst ist das Gedränge des Publikums riesengroß, berichtet Benno Brink, Leiter des Geschäftsbereichs Knettechnik. Der Umsatz zwischen 1950 und 1958 verfünffacht sich, das Unternehmen fasst nun auch Fuß mit Mischern für die Kunststoffindustrie. Es ist ein neues Standbein.

Eine bis heute unverändert wichtige Säule verschaffen sich die Osnabrücker ab Mitte der 1960er-Jahre mit Konstruktion und Produktion von Granulatmischern für die Pharmabranche. Hier beträgt die aktuelle Exportquote gut 90 Prozent.

Bei den Neuentwicklungen profitiert die Knettechnik für die Brot-, Kuchen- und Gebäckproduktion von den Erfahrungen der Ingenieure und Praktiker im Pharmabereich, erläutert Firmenchef Eißer. Etwa 20 kluge Köpfe in der Konstruktionsabteilung machen sich Gedanken über Verfeinerungen der Angebotspalette, seit dem ersten Diosna-Patent sind viele dazugekommen. Dabei werden natürlich auch neue Entwicklungen der Brotkultur etwa im Inland, in Österreich oder der Schweiz mit dem Einfluss mediterraner Waren mit einbezogen, wie Theo Koch, Vertriebsleiter Industrie, anmerkt.

Mitte der 1990er-Jahre verkauft die Familie Dierks ihre Firma, die heute im französischen Breteche-Konzern beheimatet ist. 2004 bezieht die Diosna-Belegschaft neue, helle Werkshallen im Osnabrücker Gewerbegebiet Am Tie im Stadtteil Gretesch. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist Diosna auch in Russland und anderen osteuropäischen Staaten erfolgreich am Markt.

Den für einen Maschinenbaubetrieb seltenen 125. Geburtstag feiert Diosna heute am 3. September mit geladenen Gästen und am Abend mit Mitarbeitern und deren Angehörigen.


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