Nach Übernahme von MKM Kupferverarbeiter KME zuversichtlich für 2019

Das neue Logo von KME prangt bereits vor der Zentrale des Kupferherstellers in Osnabrück. Dem Schriftzug ist die "Möbiusschleife" des übernommenen Rivalen MKM vorangestellt. Foto: Manuel GlasfortDas neue Logo von KME prangt bereits vor der Zentrale des Kupferherstellers in Osnabrück. Dem Schriftzug ist die "Möbiusschleife" des übernommenen Rivalen MKM vorangestellt. Foto: Manuel Glasfort

Osnabrück. Die Übernahme des Konkurrenten MKM und der Verkauf des Messinggeschäfts nach China sind unter Dach und Fach - jetzt stellt der Kupferverarbeiter KME sich neu auf. Vorstandschef Ulrich Becker blickt optimistisch auf das Geschäftsjahr 2019, obwohl mit der Automobilwirtschaft ein wichtiger Abnehmer schwächelt.

Osnabrück Hinter KME-Chef Ulrich Becker liegen ereignisreiche Wochen und Monate. Der Chef des Osnabrücker Kupferverarbeiters KME hat zwei wichtige Deals eingefädelt, die dem traditionsreichen Unternehmen neuen Schwung verleihen sollen. Die Übernahme des Konkurrenten MKM aus Sachsen-Anhalt für 80 Millionen Euro wurde vor wenigen Wochen abgeschlossen, auch der Verkauf des Messing- und Rohrgeschäfts an die chinesische Hailiang Gruppe ist in trockenen Tüchern.

„Wir haben unser gesamtes Produktions- und Angebotsportfolio fokussiert“, resümierte Becker am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion. Er verspricht sich von der MKM-Übernahme eine bessere Positionierung am Weltmarkt. „Durch unsere drei Werke in Osnabrück, Hettstedt und Italien haben wir die Möglichkeit, unsere Produktion nach ganz bestimmten Stärken der Anlagen zu konzentrieren. Das führt zu Kostenvorteilen und Vorteilen in der Qualität“, erläuterte der KME-Chef. 

"Die Überlappungen sind minimal"

Alle drei Werke könnten sich nun auf bestimmte Produktsegmente spezialisieren. „Und das war auch das Ziel dieser Übernahme. Es gibt gewisse Überlappungen, die sind aber minimal.“ In Zukunft soll das Osnabrücker Werk für das Thema Legierungen zuständig sein, während bei MKM in Hettstedt der industrielle Kupferbereich angesiedelt sein wird. Das Werk in Italien soll baunahe Walzprodukte herstellen, beispielsweise zugeschnittene Bleche.

Die KME Gruppe hat schwierige Jahre mit mehreren Kürzungsrunden hinter sich. Die neue KME beschäftigt nach Beckers Angaben gut 4000 Mitarbeiter, davon rund 1700 in Osnabrück und 1200 in Hettstedt. „Durch die Integration von MKM werden Funktionen zusammengefasst werden“, sagte Becker. Entsprechende „Personalmaßnahmen“ wolle man zu gegebener Zeit verkünden. Er sehe momentan aber keinen Grund für „wesentliche Stellenkürzungen“ am Standort Osnabrück.

Neues Logo als Zeichen des Zusammenwachsens

Als sichtbares Zeichen für den Zusammenschluss mit MKM präsentierte KME jüngst ein neues Logo: dem leicht veränderten KME-Schriftzug ist nun die sogenannte „Möbiusschleife“ von MKM vorangestellt. Auch hinter den Kulissen schreitet die Eingliederung von MKM nach Beckers Worten voran. Der Integrationsplan stehe vollkommen und mehr als die Hälfte der Schritte seien bereits umgesetzt. „Entscheidend ist, dass am Ende eine gemeinsame Kultur, ein gemeinsames Wertesystem und vor allem eine gemeinsame Strategie entstehen. Und das wird sicher ein längerer Prozess werden.“

Der Kupfermarkt hat seine langjährige Krise noch nicht vollständig überwunden. Becker ist dennoch optimistisch, dass der Markt für Kupferprodukte auf lange Sicht wachsen wird. Vor allem das Thema Digitalisierung werde für gute Geschäfte sorgen, glaubt der 57-Jährige. „Fahrzeuge und andere Gebrauchsgüter werden internetfähig gemacht, daraus ergibt sich ein höherer Bedarf an Kupferkomponenten.“ Auch der neue Mobilfunkstandard 5G sei wichtig, denn mit der Einführung werde ein erheblicher Ausbau der Infrastruktur einhergehen.

Druck durch schwächelnde Autobranche

Langfristig sollte auch der Ausbau der Elektromobilität die Nachfrage nach Kupferprodukten ankurbeln. Aktuell wirke die Automobilbranche aber bremsend, sagte Becker. „Momentan steckt die europäische Autoindustrie in einer kritischen Phase, bedingt durch die Dieselkrise und die Umstellung auf den WLTP-Verbrauchsstandard. Erst vor wenigen Tagen hatte der europäische Herstellerverband Acea mitgeteilt, dass die Pkw-Neuzulassungen im März gegenüber dem Vorjahreswert um 3,9 Prozent gefallen waren. „Diese Dinge drücken im Moment erheblich auf die Beschäftigung, nicht nur bei den Autozulieferern, sondern auch bei Vormaterialherstellern wie uns“, sagte Becker. „Bin nicht pessimistisch“

Das Geschäft mit der Automobilbranche ist für KME nicht unwesentlich, sondern macht laut Vorstandschef rund 20 Prozent des Gesamtgeschäfts aus. Trotz der Probleme des Auto-Sektors ist Becker für das aktuelle Geschäftsjahr nicht pessimistisch. Er gehe davon aus, dass das Unternehmen 2019 schwarze Zahlen schreiben werde. Die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres hat KME noch nicht bekanntgegeben. Das operative Geschäft sei aber besser gelaufen als noch 2017, verriet der Vorstandschef. Im Jahr 2017 hatte KME einen Gewinn vor einmaligen Ausgaben von 16,1 Millionen Euro erzielt, der aber durch Restrukturierungskosten weitgehend aufgezehrt wurde. 


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