Schnelle Hilfe bei Pannen und Unfällen Notrufsäulen an Autobahnen – werden sie überhaupt noch genutzt?

Das ist die meistgenutzte Notrufsäule 2018. Platziert ist sie in Bremen an der A 281 in Fahrtrichtung Bremen-Flughafen bei Kilometer 10,64.  Foto: Michael Bahlo/GDVDas ist die meistgenutzte Notrufsäule 2018. Platziert ist sie in Bremen an der A 281 in Fahrtrichtung Bremen-Flughafen bei Kilometer 10,64. Foto: Michael Bahlo/GDV

Hamburg. Jeder kennt sie, die orangefarbenen Säulen am Straßenrand mit einem Telefonhörer-Symbol darauf. Selbst im Zeitalter von Smartphones und Co. sind die Notrufsäulen unabdingbar, wie Zahlen zeigen.

Alle zehn Minuten wird ein Hilferuf über eine Notrufsäule abgesetzt – und das in Zeiten von Smartphones. Dass diese Relikte der prä-digitalen Ära weiterhin eine wichtige Rollen spielen, machen auch die Zahlen deutlich: 


"Das sind immerhin über 52.000 Anrufe, die sonst ins Leere laufen würden. Die Zahl spricht für sich", sagt Birgit Luge-Ehrhardt von der GDV Dienstleistungs-GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist unter der Dachorganisation des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seit 1999 zuständig für die Notrufe an Autobahnen und sitzt damit am anderen Ende der Leitung dieser Säulen. 

Immer wieder neue Säulen aufgestellt

Auf den rund 13.000 Kilometern Autobahnnetz in Deutschland befinden sich heute insgesamt 16.961 Notruftelefone. Und mit jedem Stück neuer Autobahn, werden auch immer wieder neue Säulen aufgestellt, betont Luge-Ehrhardt. Denn obwohl die Zahl der Nutzungen deutlich zurück gegangen ist – 2011 wurden die Notrufe noch mehr als 81.000 Mal genutzt – seien die Säulen auch im Smartphone-Alter noch wichtig: "Mal hat man das Handy vergessen oder befindet sich in einem Funkloch, wo man den Notruf dann nicht absetzen kann", erklärt Luge Ehrhardt. 

Wie nutze ich eine Notrufsäule richtig?

Es gibt heute noch zwei Arten von Notruftelefonen: Bei Säulen mit einer Klappe, muss diese lediglich angehoben und hinein gesprochen werden.
Die anderen Säulen verfügen über zwei Tasten. Die rote Taste signalisiert einen Unfallnotruf. In diesen Fällen stellt die Notrufzentrale eine Konferenzschaltung zwischen dem Anrufer und Rettungskräften her. An diese kann die Zentrale auch direkt die Kerndaten des Unfalls – wer, was und wo – weitergeben. Dadurch ist eine schnelle Hilfe vor Ort sichergestellt.
Handelt es sich dagegen um eine Fahrzeugpanne, hilft die gelbe Taste. Betätigt man diese, klärt der Notrufagent zunächst, ob das Pannenfahrzeug sicher am Fahrbahnrand abgestellt ist und kontaktiert ansonsten die Polizei, damit diese die Gefahrenstelle sichern kann. Anschließend wird von der Notrufzentrale abgefragt, was die Ursache für die Panne ist und benachrichtigt dementsprechend ein Abschleppunternehmen oder die zuständige Versicherung.

Darüber hinaus seien diese Säulen einfach ein gelerntes Signal, die GDV nennt sie "ein Symbol des Vertrauens": "Dahinter sind Menschen, die genau wissen, was sie machen müssen. Denn weil sie geschult sind, kann schnell Hilfe kommen", erklärt Luge-Ehrhardt. So müsse ein Verkehrsteilnehmer nicht erst überlegen, wen er anrufen oder welche App er auf dem Smartphone öffnen soll.

Beliebteste Säule in Bremen

Und einen weiteren Vorteil haben die Säulen: Sie sind einzeln nummeriert, sodass die Standort-Daten bei der Notrufzentrale direkt bekannt sind. "Wir sehen sofort auf den Meter genau, wo der Notruf abgesetzt wurde", so Luge-Ehrhardt weiter. 


Manch einer mag sich aber auch noch an die Säulen außerhalb der Autobahnen erinnern. Diese wurden bis Ende 2014 von der Deutschen Telekom, die diese Notrufgeräte damals betrieb, nach und nach abgebaut – insgesamt 3300 Stück waren es bundesweit. 

Der Grund: Fehlende Ersatzteile und mangelnde Nutzung der Säulen. Lediglich in Baden-Württemberg sind noch knapp 1300 Notruftelefone an Bundes- und Landstraßen zu finden. Diese werden allerdings von der Björn-Steiger-Stiftung mit Sitz in Winnenden durch einzelne Patenschaften betreut. 


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