Immer seltener Schwein auf dem Teller Fleischkonsum: Geflügel verzeichnet Boom in Deutschland

Blick in eine Wursttheke. Foto: dpa/Julian StratenschulteBlick in eine Wursttheke. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Osnabrück. Die Deutschen essen häufiger Geflügel-, aber immer seltener Schweinefleisch. Das zeigen aktuelle Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die unserer Redaktion vorliegen.

Demnach stieg der Verzehr von Geflügelfleisch im Jahr 2018 auf insgesamt 13,19 Kilogramm pro Kopf. Das sind fast 45 Prozent mehr als noch im Jahr 1998. Damals waren Hähnchen oder Pute mit 9,13 Kilogramm deutlich weniger gefragt.

Im gleichen Zeitraum sank der Konsum von Schwein hingegen um mehr als zehn Prozent. Im vergangenen Jahr aßen die Deutschen nach den vorläufigen Zahlen der Bundesanstalt noch 35,7 Kilogramm. 20 Jahre zuvor waren es fast 40 Kilogramm.

Nach Ansicht von Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, hat der Rückgang beim Schwein vielfältige Gründe. Einer: Geflügel profitiert vom steigenden Außerhaus-Verzehr in Deutschland. In Kantinen werde häufig aus logistischen Gründen auf Schwein verzichtet, so Staack. „Denn beim Geflügel spielen, wie auch beim Rind, beispielsweise religiöse Gründe keine Rolle auf dem Speiseplan.“ 

Geflügel statt Schwein im Hack

In Ladentheken werde zudem zunehmend der Schwein-Anteil im gemischten Hack durch Geflügel ersetzt. Auch bei Fertigprodukten im Supermarkt komme verstärkt Geflügelfleisch zum Einsatz. Staack hält fest: „Nur eines ist konstant: die Preissensibilität an der Fleischtheke.“ Schweinehalter kritisieren seit langem zu niedrige Preise in Supermärkten. 

Unterdessen sagte Friedrich-Otto Ripke, Präsident der Deutschen Geflügelwirtschaft: „Wir gehen davon aus, dass dieser Trend eines steigenden Geflügelfleischkonsums anhalten wird.“ Das fettarme Fleisch passe zu modernen Ernährungstrends. Auch Tierwohl-Kennzeichnungen auf den Fleischverpackungen könnten zur Beliebtheit beigetragen haben.

Ähnlich wie Geflügel wächst auch der Anteil von Rindfleisch auf deutschen Tellern in den vergangenen Jahren konstant. 2018 lag der Pro-Kopf-Konsum bei 9,67 Kilogramm. Im Schnitt verzehrten die Deutschen im vergangenen Jahr pro Kopf 60,15 Kilogramm Fleisch - 2,3 Prozent weniger als noch 2008. Das ist aber nach wie vor etwa doppelt so viel wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.



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