Branche zieht Bilanz Baumärkte trotzen Wetterextremen und steigern Umsatz

Von Mischa Ehrhardt

Viel zu tun: Die Baumärkte in Deutschland steigern 2018 ihre Umsätze. Foto: dpaViel zu tun: Die Baumärkte in Deutschland steigern 2018 ihre Umsätze. Foto: dpa

Frankfurt. Die Baumärkte in Deutschland haben trotz extremer Wetterlagen im vergangenen Jahr ihre Umsätze erhöht. Besonders stark wuchs der Online-Handel – in Konkurrenz zu Internet-Giganten wie Amazon. Trends liegen in smarten Lösungen für Haus und Garten.

Viele Verbraucher besinnen sich aufs Zuhause. Und da wollen die eigenen vier Wände, die Balkone in Städten oder die Gärten hinter den Häusern entsprechend hergerichtet sein. So steigt die Nachfrage nach dafür geeigneten Accessoires in den Bau- und Heimwerkermärkten. Dabei denkt König Kunde offenbar: Smart soll’s bitte sein.

„Das Thema ,Smart Home‘ und ,Smart Gardening‘ spielt hier eine zunehmend wichtige Rolle“, sagte Peter Wüst, Geschäftsführer des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen, Wohnen (BHB). „Also alles, was automatisiert ist, was mit Sicherheit, Effizienz und Bequemlichkeit zu tun hat. Mähroboter sind im Trend oder auch grüne Pflanzen und Bio-Kräuter – alles, was Sie selber anbauen und essen können.“

Frischkräuter aus dem eigenen Bioanbau passen in den Trend, den schlichten Grill in den Gärten der Republik hochzurüsten. Sie entwickeln sich zum Element einer umfangreichen Außenküche für den anspruchsvollen Frischluft-Gaumen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Grill- und Außenkochutensilien aller Art. Mit solchen Trends haben die mehr als 2100 Baumärkte in Deutschland im vergangenen Jahr ihr Geschäft insgesamt ausbauen können: Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent auf 18,75 Milliarden Euro.

Abhängig von den Wetterkapriolen

Abhängig sind die Geschäfte der Bau- und Heimwerkermärkte dabei stark von Wetterkapriolen. „Die Kombination aus einem nasskalten Jahresauftakt und dem quasi nahtlos einsetzenden Hitzesommer war sicherlich für alle eine schwierige Situation“, sagte Ralf Bartsch, Vorstandssprecher des BHB. Abzulesen ist das an den Umsätzen in einzelnen Bereichen. So kamen offenbar weniger Menschen auf die Idee, bei Hitze und Dürre schweißtreibende Bauvorhaben anzugehen. Entsprechend gering war im Sommer die Nachfrage etwa nach Tapeten, Fliesen oder anderen Bodenbelägen. Im März dagegen erlitten die Umsätze einen Kälteeinbruch, weil die Kunden lieber in der warmen häuslichen Stube blieben, als in den Baumärkten nach Pflanzen und Gartengeräten zu suchen.

Allerdings konnten die Baumärkte dadurch, dass sie ein ziemlich breites Sortiment haben, den Nachfragerückgang in einem Bereich durch andere ausgleichen, kurz: Der extrem heiße Sommer hatte nicht nur Schattenseiten. Gestiegen ist da nämlich gerade der Absatz von Produkten und Waren für den Außen- und Gartenbereich; besonders stark gefragt zum Beispiel: Bewässerungssysteme.

Die Reise beginnt bei Amazon

Derlei Dinge finden Kunden natürlich zunehmend im Internet. Und da spielt die Konkurrenz von Online-Giganten wie Amazon eine gewichtige Rolle. „Kunden beginnen typischerweise bei Amazon mit der Produktsuche“, sagt Werner Reinartz, Direktor des Instituts für Handelsforschung der Universität Köln. „Um dann entweder direkt bei Amazon zu kaufen oder anschließend ins Geschäft zu gehen und dort das Produkt der Wahl mitzunehmen.“

Alle Baumarkthändler haben natürlich mittlerweile auch Internetangebote. Besonders gefragt im Internet sind Werkzeuge und Gartengeräte für den Heimwerker und Hobbygärtner. In diesem Kernbereich stiegen die Online-Umsätze um rund 12 Prozent bei den Unternehmen der Branche, sie erreichten knapp 3,7 Milliarden Euro.


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