Oetker-Spross feiert 75. Geburtstag August Oetker verlässt den Familiendampfer

Mit seinem 75. Geburtstag gibt August Oetker, Spross der vierten Generation der Oetker Familie, den Vorsitz des Beirats im Bielefelder Familienunternehmen ab. Foto: Dr. OetkerMit seinem 75. Geburtstag gibt August Oetker, Spross der vierten Generation der Oetker Familie, den Vorsitz des Beirats im Bielefelder Familienunternehmen ab. Foto: Dr. Oetker

Osnabrück. Dr. Oetker gehört zu den 50 wertvollsten Marken Deutschlands. Gut 100 Jahre nach dem Tod des Firmengründers feiert dessen Urenkel August Oetker am Sonntag seinen 75. Geburtstag – und gibt gemäß den Statuten des Familienimperiums den Vorsitz des Beirats der Dr. Oetker KG ab. In einer Zeit des Umbruchs für das Bielefelder Backimperium.

Die Meilensteine für das Familienunternehmen Dr. Oetker häufen sich derzeit: Erst im vergangenen Jahr lag der 100. Todestag von Firmengründer August Oetker; in diesem Jahr wird der internationale Konzern, der weltweit nicht nur für Pudding und Backutensilien steht, sondern auch für Tiefkühlpizza oder Bier, seine erste Bilanz nach dem Verkauf der Schifffahrtsparte präsentieren, die für rund die Hälfte des zuletzt knapp 12-Milliarden-Euro-Umsatzes stand. Und August Oetker, Mitglied der vierten Familiengeneration, gibt gemäß den Statuten mit seinem 75. Geburtstag noch im Laufe des Monats den Vorsitz des Beirats ab, dem Beratungs- und Kontrollgremium des Bielefelder Konzerns.

Foto: Oliver Krato/dpa


Dabei ist Dr. Oetker, eine Dachmarke, die dem Verbraucher im Supermarkt an allen Ecken begegnet, unter seinem Vorsitz zu dem geworden, was der Kunde heute kennt. „Weniger Sortimente – mehr Länder“ lautete nach Auskunft des Unternehmens Oetkers Credo für den Erfolg des Familienimperiums. Erfolgreich hat der Urenkel des Firmengründers das Nahrungsmittelgeschäft, auf das sich der Bielefelder Konzern jetzt wieder zurückbesinnt, strukturiert, und kontinuierlich internationalisiert.

Dabei hat August Oetker seinen beruflichen Werdegang nicht im Familienimperium begonnen. Zunächst als Banker an der Wallstreet hat Oetker Mitte der 1970er Jahre sein berufliches Glück gesucht. 1979 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde geschäftsführender Gesellschafter der Dibona Markenvertrieb KG, einem Unternehmen der Konzern-Gruppe. Zwei Jahre später – im Alter von 37 Jahre – stieg der gelernte Reedereikaufmann und studierte Betriebswirt ins Familienimperium ein.

Aufstieg zum europäischen Marktführer

Wie das Unternehmen zum Geburtstag von August Oetker schreibt, schaffte es der Urenkel des gleichnamigen Unternehmensgründers, Dr. Oetker zwischen 1991 und 2003 zum europäischen Marktführer bei Backartikeln, Backmischungen, Dessertprodukten und Pizza aufsteigen zu lassen. Mittlerweile gehören mehr als 40 Landesgesellschaften weltweit zum Bielefelder Konzern.

Erst 2010 übergab August Oetker den Staffelstab – allerdings nicht an die nächste Generation, sondern seinen jüngeren Bruder Richard Oetker, der sich 2016 aus dem Unternehmen zurückzog. Diese Entscheidung ist nicht im ganzen Oetker-Clan positiv aufgenommen worden, seither gibt es unter den acht Kindern Richard August Oetkers aus drei Ehen Streit um die strategische Ausrichtung und die Besetzung von Führungsposten. Zuletzt reichten die drei jüngsten Oetker-Urenkel und Halbgeschwister August Oetkers Klage gegen die Nachbesetzung der Position von Lufthansa-Chef Carsten Spohr beim Landgericht Bielefeld ein – die Klage ruht aktuell.

Seit 2010 Beiratsvorsitzender

Mit dem Wechsel Richard Oetkers in die Geschäftsführung 2010 lenkte August Oetker aus Vorsitzender des Beirates die Geschicke des Familienimperiums, das auf einem kleinen Beutel Backpulver fußt – gemäß dem testamentarischen Wunsch seines Vaters Richard August Oetker auch fünf Jahre über seinen 70. Geburtstag hinaus.

Wer ihm folgt, dazu wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Der Vorsitzende werde gewählt, ließ ein Unternehmenssprecher verlauten. Wichtig ist dem scheidenden Beiratsvorsitzenden laut Unternehmensmitteilung immer das Thema Nachhaltigkeit gewesen. Mit folgendem Credo wird der Familienunternehmern zitiert:

"Es ist mir ein besonderes Anliegen, Menschen zum nachhaltigen Handeln zu ermutigen“



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