Dudenhöffer: "Sehr gute Idee" Tesla nur noch online bestellbar

Von Mischa Erhardt

Tesla will seine Elektroautos künftig nur noch über das Internet verkaufen. Das solle helfen, die Preise zu senken. Foto: Silas Stein/dpaTesla will seine Elektroautos künftig nur noch über das Internet verkaufen. Das solle helfen, die Preise zu senken. Foto: Silas Stein/dpa

Frankfurt/Osnabrück. Tesla will den Massenmarkt erobern. Dazu soll das Modell 3 künftig in der einfachen Version wirklich für 35.000 Dollar zu haben sein – bisher war es deutlich teurer. Damit verbunden, will das Unternehmen seine Kosten senken und greift dabei zu einem unkonventionellen Mittel: Die Elektroautos sollen die Kunden künftig nur noch im Internet bestellen. Ein für das Unternehmen sehr guter Schritt, sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Tesla-Chef Elon Musk ist für sein unkonventionelles Vorgehen bekannt. Und seine neueste Ankündigung hat es in sich: Seine Elektroautos sollen die Kunden künftig nur noch online bestellen. Auch Probefahrten würden damit wegfallen. Mit dieser Maßnahme will Tesla Kosten sparen. Bis zu sechs Prozent könnten das pro Fahrzeug sein, rechnet Musk vor.

„Tesla will die Nachfrage hochtreiben“, so Chaim Siegel, Autoexperte von Elazar Advisors. Der Wegfall von Steuervorteilen habe den Tesla-Absatz in den USA bereits gebremst. Mit der Kostensenkung baue Musk dem absehbaren weiteren Wegfall staatlicher Anreize vor. Vor wenigen Wochen hatte Musk bereits den Abbau von 3000 Stellen im Konzern angekündigt.

Dudenhöffer: Sparpotenzial, ohne dass es weh tut

Auch für Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer ist die Ankündigung Musks eine „sehr gute Idee, die aus der Not heraus geboren ist“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Den digitalen Vertriebsweg zu forcieren sei eine Möglichkeit, Ausgaben zu kürzen, ohne dass es dem Unternehmen zu sehr wehtue. Das Einsparpotenzial beim Direktverkauf über das Internet sieht Dudenhöffer sogar bei zehn Prozent des Kaufpreises.

Viele der Tesla-Verkaufsfilialen werden also dichtgemacht. Übrig bleiben sollen nur einige wenige große Läden in belebten Stadtlagen. „Es ist eine harte Entscheidung, aber ich denke, dass es die richtige Entscheidung für die Zukunft ist“, sagte Musk zum Komplettumstieg auf Online-Verkauf. Tesla sei zu solch einem Schritt in der Lage, weil das Unternehmen die Autohäuser im Gegensatz zu anderen Herstellern selbst betreibe.

Ziehen Kunden mit?

Ob die Kunden allerdings diesen radikalen Schritt mitgehen, wird sich erst noch zeigen. „Es wird interessant sein zu sehen, ob das funktioniert“, sagt Andreas Püttner vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Baden-Württemberg, das auch Entwicklungen im Bereich der E-Mobilität erforscht. „Denn dies könnte dann auch andere Hersteller und Händler unter Druck setzen, ihre Vertriebsstruktur anzupassen.“

Diesen Druck sieht Dudenhöffer bereits. Insgesamt bezeichnet er den aktuellen Fahrzeugvertrieb in Deutschland als „steinzeitlich“. „Hersteller haben eine chinesische Mauer um ihr Vertriebssystem gebaut“, so der Experte. Allerdings: Die ersten trojanischen Pferde gebe es bereits. Als Beispiel nannte er neben der Plattform „meinAuto.de“, über die deutsche Neuwagen online vermittelt werden können, auch Abo-Modelle von Volvo oder Sixt. Der Online-Riese Amazon ist für Dudenhöffer ebenfalls ein heißer Kandidat, der ins Online-Geschäft mit Neuwagen einsteigen wird, ebenso wie der chinesische Hersteller Byton. 

Kein Gewinn für Tesla im ersten Quartal

Dass Tesla offenbar unter Druck steht, an der Kostenschraube zu drehen, wurde auch in einem Nebensatz der Erläuterungen Elon Musks deutlich: Er rechne im ersten Quartal dieses Jahres nicht wie ursprünglich angekündigt mit einem Gewinn seines Konzerns. Erst im zweiten Vierteljahr werde Tesla wieder schwarze Zahlen ausweisen. In der Vergangenheit hatte Tesla immer wieder mit seinen zu ehrgeizigen Zielen zu kämpfen. Vor allem die Produktionszahlen des Tesla-Massenmodells 3 hinkten lange hinter den eigentlichen Zielen hinterher.

In diesem Jahr will Tesla rund 400 000 dieser günstigeren Tesla-Varianten ausliefern. Diese Nachricht verbreitete Elon Musk vor wenigen Tagen über Twitter – was ihm prompt Ärger mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC eingebracht hat. Denn die hatte ihm vorher schon untersagt, börsenkursrelevante Informationen über den Kurznachrichtendienst zu schicken.

Günstiges Modell 3 kommt

Das Tesla-Model 3 ist jenes Auto, mit dem Musk die klassischen Autobauer im Massenmarkt angreifen will. Bislang allerdings ist dies nur stotternd gelungen. Und das lag nicht nur an Problemen mit der Umstellung auf Massenfertigung, sondern auch am Preis. Denn die angekündigte günstige Version für 35 000 Dollar (rund 31.000 Euro) konnte man bislang noch nicht bestellen, nur teurere und höherwertige Ausstattungsreihen.

In Deutschland etwa werden zwar seit einigen Wochen Varianten des Model 3 ausgeliefert. Allerdings mit Langstrecken-Batterie und Allradantrieb für den stolzen Preis von mindestens 55 400 Euro; oder eine noch teurere Version ab gut 66 000 Euro.

Das soll sich nun ändern. Künftig soll das Model 3 in den USA auch tatsächlich für 35 000 Dollar zu bestellen sein — vor Steuern. Unter anderem eine kleinere Batterie ist es, die diesen Preis ermöglichen soll. Das aber geht natürlich auf Kosten der Reichweite. Das preisgünstigste Standard-Modell kommt mit der kleinen Batterie nur etwa 350 Kilometer weit. Wer längere Strecken zurücklegen will, muss entsprechend tiefer in die Tasche greifen. In Zukunft will Tesla schließlich auch dahin kommen, noch günstigere Autos anzubieten – allerdings erst in zwei bis drei Jahren. Auch an diesem Versprechen wird man Elon Musk dann messen. (Mit nika)


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